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Abendzeitung München titelt vor Neustart: „Morgen geht’s endlich los“

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Notausgabe der Abendzeitung vom 1. Juli, Verleger Balle

Die Abendzeitung München befindet sich publizistisch gesehen am 1. Juli in einem Art Niemandsland. Die alte, vom Verleger Friedmann aufgegebene Abendzeitung gibt es nicht mehr, die neue Abendzeitung von Verleger Martin Balle erscheint erstmals am 2. Juli. Am 1. Juli titelt das Blatt darum: "Morgen geht's endlich los!"

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Fragt sich nur, was da eigentlich genau am morgigen Mittwoch losgehen soll. Wie will die AZ München unter Martin Balle, dem Verleger des konservativen Straubinger Tagblatt, künftig sein? Auf Seite 1 schreiben Balle und sein Co-Herausgeber Dietrich von Boetticher: „Weltoffen, engagiert für Europa, dem Frieden verpflichtet. Interessiert an der Kultur und vor allem eine Münchner Stadtzeitung, die das wunderbare Leben in dieser Stadt zum Leuchten bringt.“

Vor allem den zweiten Teil der Charakterisierung wird Balles AZ schnell einlösen müssen. Einige Beobachter sind im Vorfeld skeptisch, ob die legendäre, aber von den Defiziten an- und aufgefressene Abendzeitung eine Zukunft haben kann. Die Motive des neuen Verlegers, dem auch in der Redaktion Misstrauen entgegengebracht wird, wirken zumindest von außen betrachtet ehrenhaft. Balle mag sich München ohne eine AZ tatsächlich nicht vorstellen.

Es ist aussagekräftig, dass nach MEEDIA-Infos kein Bieter für das Komplettpaket Print und Online beim Insolvenzverwalter Axel Bierbach ernsthaft vorstellig wurden. Einige Interessenten zogen wieder zurück. Auch, weil die Markenrechte an der Abendzeitung München offenbar immer noch bei dem Nürnberger Verleger Gunther Oschmann liegen. Auch für Balle kein kleines Risiko.

Abendzeitung München vom 1. Juli 2014

Abendzeitung München vom 1. Juli 2014

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Am heutigen Dienstag soll die neue AZ erstmals von rund 35 Journalisten produziert werden, die Balle und seine Mitstreiter sich aus der bisherigen Redaktion ausgeschaut haben. Produziert wird künftig in anderen Redaktionsräumen. Dort wollte Martin Balle am Vormittag auch eine Antrittsrede halten.

Die Zeitung vom Dienstag wurde indes am Montag von vier jungen Journalisten produziert, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Inhalt: „Lieblingsschlagzeilen der vergangenen Jahrzehnte.“ Unter Balles Text war dann noch ein Konzertbericht zu lesen: „Rod Stewart begeistert München.“ Stewart ist wie die AZ ein Oldie. Ob die AZ aber noch einmal so viele Fans findet wie der in die Jahre gekommene Sänger?

Am Freitag hatte der bisherige Chefredakteur Arno Makowsky seinen Abschiedsgruß an die Leser formuliert. Er hat die Zeitung verlassen. In seinem Text beschrieb er noch einmal die Idee der Abendzeitung, einst erdacht von Verleger Werner Friedmann: „Anspruchsvoller Boulevard. Eine Zeitung, die Spaß machen darf, aber trotzdem Niveau hat.“

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