ProQuote-Bilanz: „Machtanteil“ von Frauen in Redaktionen steigt

Zieht positive Zwischenbilanz: ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns.
Zieht positive Zwischenbilanz: ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns.

Publishing Im Februar 2012 fassten 350 Journalistinnen den Entschluss, die Landschaft deutscher Medienunternehmen nachhaltig zu verändern. Als Initiative ProQuote setzten sie einen Brandbrief an Chefredakteure, Intendanten und Verleger auf. Die Forderung: bis 2017 sollen 30 Prozent der Führungspositionen in Redaktionen mit Frauen besetzt sein. Nun, zur Halbzeit, zieht die Organisation ein positives Fazit, betont aber auch, dass das Ziel ohne eine verpflichtende Quote wohl kaum zu erreichen ist.

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Nach Berechnungen des Vereins sind seit März 2012 mindestens 87 Medienfrauen im Job aufgestiegen, die Hälfte davon bis in Chefredaktionen oder Programmleitungen. ProQuote will sich diesen Erfolg „indirekt auf die Fahnen schreiben“. Neben rund 203 zahlenden Mitgliedern ist die Anzahl der Unterstützer von ProQuote binnen zweieinhalb Jahre auf rund 4000 Unterstützer geklettert. Dieses Wachstum spiegelt sich auch in dem von ProQuote gemessenen und so genannten „Frauenmachtanteil“ wieder: Bei fünf von acht Leitmedien (Zeit, Spiegel, Süddeutsche, stern und Bild) stieg dieser an, teilte ProQuote mit. Als einziges Medium habe die Zeit mit 36 Prozent die Forderungen sogar erfüllt, so die Initiative.

Mit dem „Frauenmachtanteil“ berechnet ProQuote nicht nur, wie viele Führungspositionen von Frauen oder Männern besetzt sind, sondern gewichtet auch die verschiedenen Hierarchieebenen. Ein spezieller Index, die so genannte „Kleiner Kai“-Rechnung (s. Video), teilt unterschiedlichen Positionen (vom stv. Ressortleiter bis zum Chefredakteur) eigene Werte zu. In die Berechnung fließen alle in Impressen aufgelisteten redaktionellen Führungspositionen ein.

 

Konkret betrage dieser Rechnung zufolge der Machtanteil von Journalistinnen beispielsweise beim stern derzeit 24 Prozent, bei Bild 23 Prozent, beim Spiegel 19 Prozent sowie bei Focus FAZ und SZ jeweils 15 Prozent. Am wenigsten Macht hätten Frauen bei der Welt. Dort errechnet Pro Quote einen Anteil von elf Prozent.

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ProQuote-Preise für Dagmar Reim und Kurt Kister, Sonderpreis für Gabor Steingart

Spiegel-Redakteurin und ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns spricht von einer nachhaltigen Veränderung im deutschen Journalismus. „Mit Marion Horn leitet jetzt eine Frau sogar eine der auflagenstärksten Zeitungen: die Bild am Sonntag.“ Mit Miriam Meckel werde zudem ein ProQuote-Mitglied „der ersten Stunde“ Chefredakteurin. Sie wird im Herbst die redaktionelle Verantwortung bei der WirtschaftsWoche übernehmen.

Dessen Geschäftsführer und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart wird am Wochenende sogar mit einem Sonderpreis der Initiative verliehen. Er habe als „Quotenprediger“ den „betenden Zwerg“ verdient, der sowohl Ehrung als auch Mahnung an Steingart und die Branche sein soll. Als damaliger Chefredakteur des Handelsblatt kündigte er 2011 als erster eine Quote an und rede in seinem „Morning Briefing“ Arbeitgebern regelmäßig ins Gewissen. Der Preis solle ihn aber auch daran erinnern, dass in den Chefredaktionen (Zeitung, App und Online) des Handelsblatt immer noch acht Männer unter sich seien. Wegen der WiWo-Personalie habe ProQuote den eigentlich im warnenden Rot gefärbten Preis in diesem Jahr aber in grün, in der Farbe der Hoffnung, bestellt.

Beim Bergfest in Berlin will die Initiative auch Dagmar Reim, Intendantin des RBB, mit der „Weisen Eule“ sowie Süddeutsche-Chefredakteur Kurt Kister mit dem „Ungeküssten Frosch“ auszeichnen. Reim bekomme die „wichtigste Trophäe“, weil sie ProQuote „von Beginn an Gewicht und Namen verliehen“ habe. Kister und seine Redaktion gelten als ungeküsster Frosch, weil die Redaktion sich in ihrer Berichterstattung für mehr Frauen ausspreche, im eigenen Hause aber immer noch zu wenig getan habe. „Dass ausgerechnet bei der liberalen SZ gerade mal jede sechste Führungskraft eine Frau ist, macht mich fassungslos“, meinte Bruhns.

Trotz bisheriger Erfolge hat ProQuote bis zum Ziel allerdings noch einen steinigen Weg vor sich. Zwar blicken die Initiatorinnen und Initiatoren aufgrund der bisherigen Ergebnisse positiv in die Zukunft. Der Wunsch, bis 2017 30 Prozent der Macht auf Frauen verteilt zu haben, ist aus alleiniger Kraft allerdings kaum zu erfüllen, gestand Bruhns ein. Ohne feste Quote „stehen diese Etappenerfolge auf Treibsand.“

 

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