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VHB-Chef Gabor Steingart fordert „Google-kritische Bewegung“

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Gabor Steingart ist Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt und Herausgeber des Handelsblatt

Gabor Steingart, der Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt, hat in einem Essay für die FAZ einen Aufruf zum Start einer "Google-kritischen Bewegung" formuliert. "In einer großen Koalition von Autoren und Lesern, von Verlagen und ihren Kunden läge die Stärke", schreibt Steingart. Es sei Zeit, das "neofeudale Machtmonopol" des Konzerns zu brechen.

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Inhalteproduzenten, allen voran Verlage, hätten geholfen, dieses Machtmonopol aufzubauen, schreibt Steingart im FAZ-Feuilleton. Die Texte seien der Suchmaschine freiwillig überreicht worden. Steingart: „Jedwede Angstbeichte“ – gemeint ist Mathias Döpfners FAZ-Stück „Warum wir Google fürchten“ – „muss daher als Selbstbezichtigung gelesen werden.“

Die Verlage selber, so der Handelsblatt-Herausgeber, hielten „die Waffen der Entthronung in Händen“. Sie könnten beispielsweise mit der Praxis „aufhören, die Texte unserer Journalisten kostenfrei an Google auszuliefern“. Die Texte sollten nicht aus der Suchmaschine verschwinden („wir wollen ja weiterhin gefunden und gelesen werden“), d.h. der Vorspann biete „wie gehabt“ eine Produktbeschreibung. Der eigentliche Inhalt müsse aber kostenpflichtig sein.

„Selbstunterwerfung kann nicht das letzte Wort sein“, hatte Mathias Döpfner in seinem Artikel, der sicherlich nicht nur an den Adressaten Eric Schmidt, sondern auch an die EU-Kommission gerichtet war, formuliert. Steingart formuliert nun einen Aufruf zum „Tyrannensturz“. Wo bei Döpfner zumindest auf der obersten Betrachtungsebene das Ziel ist, Google zur freiwilligen Selbstbeschränkung zu bewegen, klingt es bei Steingart martialischer. Es gehe für Verlage darum, sich aus der „digitalen Knechtschaft“ zu befreien.

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Steingart zitiert nicht zufällig den kürzlich verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. „Wer liest, wird gelesen, wer kauft, wird selbst zum Produkt“, fasst er dessen Gedanken zusammen. Der VHB-Chef setzt diesen Gedanken fort: „Der Leser will, darf und wird sich nicht zur willenlosen Kauf- und Konsummaschine reduzieren lassen.“ Betreiben die Verlage nicht selber auf ihre Weise Data Mining? Ja, sagt Steingart, stimmt. Das sei auf die bisher betriebene Weise genauso falsch wie bei Google: „Die Kundendaten gehören den Kunden.“

Die Hoffnung ruhe nun nicht nur auf der Tatkraft der Verlage, ihre Interessen zu verteidigen, sondern auch auf Politikern wie Sigmar Gabriel, die gegen die „Monopolmacht“ Google vorgehen wollen, sofern sich Ansätze bieten. Gabriel hatte seine Gedanken zu Google ebenfalls im FAZ-Feuilleton veröffentlicht. Steingart ist sich sicher: „Die Zeit zum Losschlagen ist gekommen.“

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

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