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Bloombergs Imperium: „Journalismus ist hier nur die Spitze des Eisbergs“

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Tag 5 des Innovation Field Trips nach New York. Am letzten Tag der Reise steht ein Medienimperium auf der Agenda, das sein Geld in erster Linie nicht mit Medien verdient. Sondern mit Finanzdienstleistungen. Hervorragende Publikationen wie Bloomberg Businessweek gibt es vor allem, weil Eigentümer Michael Bloomberg Printmedien mag.

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Von Karolin Freiberger

Bloomberg steht für Breaking News aus der Finanz- und Businesswelt – rund um die Uhr und auf allen Kanälen. Gestartet 1990 von Michael Bloomberg (zwischen 2002 und 2013 Bürgermeister von New York) und Matthew Winkler vom Wall Street Journal mit sechs Redakteuren, heute eine multimediale Drehscheibe für Finanznachrichten aus 72 Ländern, gestemmt von 146 Büros.

Mit der Website bloomberg.com, dem Bewegtbildangebot Bloomberg TV, Radiostationen und Printmagazinen (Bloomberg Businessweek) ist Bloomberg ein Medienimperium. Allerdings machen die Erträge dieser Unternehmungen nur etwa zehn Prozent des Unternehmensumsatzes ingesamt aus.

„Wenn ich Menschen erzähle, dass ich bei Bloomberg arbeite, denken sie in der Regel, ich sei Journalist. Das ist auch ok. Aber Journalismus ist bei uns nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Frank, der früher selbst Analyst bei Bloomberg war und jetzt in der Kommunikationsabteilung arbeitet.

Das eigentliche Herz von Bloomberg ist das Bloomberg Terminal – ein Monitoringtool, das Daten aus der Finanzwelt auswertet und für Investmentbanker zusammenfasst. Der kontinuierliche Feed an Kurznachrichten ist für Banken und andere Abonnenten Grundlage für Kauf und Verkauf, Investment und Handel. Heute ist Bloomberg zu einer Mischung aus Daten-, Informationslieferant und Nachrichtenagentur geworden – dazu gehören auch Informationsdiensten wie Bloomberg Law und Bloomberg Government.

Für die finanzielle Sicherheit und Planbarkeit sorgt derweil das Kerngeschäft – ein Full-Licence-Abonnement des Bloomberg Terminals kostet jährlich 24.000 Dollar. Bei 310.000 Abonnenten ist das eine ziemlich ordentliche Kapitalgrundlage.

Es gibt also eine ganze Menge Geld im Hintergrund, was Bloomberg News den gewissen Gelassenheitsvorsprung verschafft, um sich 2.300 Reporter leisten zu können. Diese haben zwar die Möglichkeit, auf die internen Infos des Terminals zurückzugreifen, in der Regel sind sie jedoch unterwegs, um Breaking News zu produzieren.

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Das durchdesignte Hauptquartier, der Bloomberg Tower in der New Yorker Lexington Avenue, lässt den nie versickernden Nachrichtenstrom über an der Decke installierte Laufbänder. „Die Leserichtung symbolisiert, wie wir das Nachrichtengeschehen sehen – die Informationen kommen von draußen zu uns in den Tower, deshalb laufen sie von rechts nach links ein“, erklärt Frank.

Auf den großzügig gestalteten Etagen des Bloomberg Towers sind Fernseh- und Radiostudios offen in die Newsrooms integriert. Wände gibt es keine, zwischen dem Desk und dem Fernsehstudio liegen nur etwa zehn Schritte. Etwas sehr PR-lastig heißt es bei Bloomberg: „Unsere Philosophie ist es, Transaparenz in die Welt zu bringen.“ Tatsächlich stehen in den weitläufigen Newsrooms Manager-Schreibtische Seite an Seite mit denen von Reportern und Produzenten. Die Abgrenzungen zwischen den Ressorts markieren nur kleine blaue Säulen mit „JP Morgan“- oder „Real Estate“-Aufschriften, die im Newsroom verteilt sind. Ansonsten lässt sich kaum unterscheiden, wer hier was macht. Auch Transparenz kann komplex sein. Die Offenheit und die kurzen Wege kommen der Schnelligkeit der Newsproduktion entgegen: „Unsere Deadlines denken wir in Sekunden“, sagt Vize-Chefredakteur Reto Gregori.

Der 24/7-Service der News ist auch deshalb möglich, weil sich Bloomberg auf das riesige internationale Netzwerk von Bloomberg-Journalisten stützen kann. Deren Zahl wird gegen den Branchentrend künftig wohl eher noch steigen: „Wir wachsen überall dorthin, wo Geld ist“, sagt Gregori. „Dabei berichten wir so lokal und international wie möglich.“ Wenn in New York geschlafen wird, arbeiten die Menschen in London oder Tokio. So entstehen News rund um die Uhr. Auch in Deutschland hatte Bloomberg sein Engagement zuletzt etwas intensiviert.

Aber wie innovativ ist Bloomberg eigentlich? Der gebürtige Schweizer Reto Gregori gibt zu, dass die Redaktion sich zwar um Social Media Trends und Medienwandel kümmert, Bloomberg aber im Grunde eine ausreichend nachgefragte Marktstellung habe, um sich nicht innovativ neu erfinden zu müssen. Hier wird eher im Old Media-Stil gearbeitet und viel Wert auf talentierte, klassisch ausgebildete Journalisten gelegt.

Und warum noch Print? „Weil Mike Bloomberg Magazine mag“, sagt Gregori. Deutlicher könnte man es auch nicht zusammenfassen. Ein Milliardär wie Bloomberg leistet sich auch mal was. Ohne das finanzielle Rückgrat des Terminals und den Medien-Liebhaber Bloomberg würde es die Magazine vermutlich nicht geben. „Klar, wir haben den Datenvorteil“, sagt Gregori, „aber wir suchen immer nach ausgezeichneten Reportern. Nach guten alten Journalisten, die Nachrichten als Erste entdecken. Immerhin produzieren wir fast 5.000 Geschichten pro Tag.“ Trotzem – ganz Old und ohne Social Media geht es natürlich nicht. 300 Mitarbeiter leistet sich Bloomberg, die sich ausschließlich mit Social Media beschäftigen. Für das Monitoring hat das Unternehmen inhouse einen eigenen Webcrawler entwickelt, der 100.000 Websites screent.

Und noch etwas: bei Bloomberg gibt es nicht nur eine Küche mit kostenlosem Essen, Bloomberg gleicht mit seinem Gratis-Catering auf jeder Etage beinahe einem Deli. Die Sorglos-Verköstigung der Mitarbeiter kommt nicht von ungefähr – dahinter steht der War for Talent, zu dem auch die Versorgung der Mitarbeiter gehört. Die Unternehmen wollen die Arbeitsplätze so angenehm wie möglich gestalten, damit die Talente zu ihnen kommen. Im Falle von Bloomberg gibt es noch ein paar weitere Alleinstellungsmerkmale ästhetischer Natur: eine gekrümmte Rolltreppe, die es so angeblich nur fünf Mal auf der Welt gibt. Und mehr als 30 Aquarien, die dekorativ in die Glaswände integriert werden. Wie das aussieht? Gut. Aber Fotos – so transparent will es Bloomberg dann doch nicht. „Sorry, that’s against our policy.“

Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4…Tag 5

Der Innovation Field Trip New York City wird von der Hamburg Media School organisiert. Die Idee: 5 Tage in einer Stadt, in der Journalisten, Medienunternehmen, Startups und Medienwissenschaftler über Innovationen im Journalismus nicht nur nachdenken, sondern sie auch machen. MEEDIA ist Kooperationspartner des Studiengangs Digital Journalism an der HMS.

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