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„Konservativer Einheitsbrei“ – BJV kritisiert Abendzeitung-Übernahme

Mit der Abendzeitung auf der Suche nach verlegerischer Emanzipation: Martin Balle
Mit der Abendzeitung auf der Suche nach verlegerischer Emanzipation: Martin Balle

Der Bayerische Journalisten Verband (BJV) hat den Kauf der insolventen Münchner Abendzeitung durch den niederbayerischen Verleger Martin Balle scharf kritisiert. Die Rettung der Abendzeitung werde auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen. Außerdem drohe den Lesern der Abendzeitung nun "konservativer Einheitsbrei statt frechem und links-liberalen Boulevard-Journalismus“.

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Balle, der Verleger des konservativen Straubinger Tagblatts und der Landshuter Zeitung will den überregionalen Teil der Abendzeitung mit Inhalten seines Tagblatts bestücken. In München soll eine Lokal-, eine Kultur- und möglicherweise Sportredaktion bleiben. Von rund 100 Mitarbeitern will Balle nur 25 übernehmen und das laut BJV ohne Tarifbindung. „Der Insolvenzverwalter hat die Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft gedrängt. Nun können wenige Mitarbeiter zu günstigen Bedingungen und ohne Rücksicht auf Kündigungsschutz oder soziale Belange eingestellt werden. Die übrigen stehen vor dem Nichts“, sagt BJV-Geschäftsführerin Jutta Müller. Die Arbeitsbedingungen in den Redaktionen der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung seien vom BJV mehrfach kritisiert worden.

Balle hat offen gelassen, ob er weitere Mitarbeiter aus der Transfergesellschaft übernimmt, wenn es mit der Abendzeitung gut läuft. Der BJV-Vorsitzende Michael Busch kritisiert, wenn der Mantel aus dem Straubinger Tagblatt übernommen und wie angekündigt aus der Abendzeitung ein neues „Boulevard-Heimatblatt“ mit Familien als Zielgruppe geschaffen werde, gehe damit ein Stück traditioneller Münchner Zeitungsvielfalt verloren. Busch: „Nun droht dem Leser als Kost konservativer Einheitsbrei anstelle von frechem und links-liberalen Boulevard-Journalismus.“ Das Konzept der neuen Münchner Abendzeitung sei bisher alles andere als schlüssig.

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Die Analyse des BJV mag zutreffend sein. Vermutlich hat sich aus Balle mit seinem Billigheimer-Konzept aber schlicht kein anderer Käufer für die Abendzeitung gefunden. Balle hat zusammen mit dem Münchner Rechtsanwalt Dietrich von Boetticher die Abendzeitung für angeblich unter einer Million Euro übernommen.

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