Sondersendung zu Schumacher: RTL und 30 Minuten Nicht-Neuigkeiten

Peter Kloeppel lässt sich von einem Experten erklärten, dass ein Komaerwachen vieles bedeuten kann. Foto: Screenshot RTL
Peter Kloeppel lässt sich von einem Experten erklärten, dass ein Komaerwachen vieles bedeuten kann. Foto: Screenshot RTL

Fernsehen Wie behauptet sich ein Privatsender an einem Deutschland-Spielabend der Fußball-WM? Am besten mit prominenten Köpfen. Das muss sich RTL-Chef Frank Hoffmann gedacht haben. Die Nachricht, das Michael Schumacher aus dem Koma erwacht ist, kam somit mehr als gelegen. RTL hievte eine ganze Sondersendung in die Prime Time - und erntete noch während der Sendung Kritik.

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Im Fall Schumacher können die Medien kaum glänzen. Völlig zu Recht halten Familien und Angehörige die Nachrichtenlage um die Formel-1-Legende dünn, bitten nach dem Koma-Erwachen in einer Pressemitteilung explizit um Zurückhaltung. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu skurrilen Vorfällen. Man erinnere nur den den Paparazzo im Priester-Dress. Nun ist Schumacher aber eine besondere Person des öffentlichen Lebens. Überall auf der Welt verfolgen die Menschen seinen Zustand – besonders natürlich in Deutschland. Deshalb überrascht es auch nicht, dass am heutigen Dienstag nicht allein der WM-Sieg der DFB-Elf die Titelseiten beherrscht.

Für den privaten Sender RTL kam die Nachricht gestern wie bestellt. Also schickten sie in der Prime Time (20.15 Uhr) ihre seriöse Instanz, RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, noch einmal ins Studio, um 30 Minuten mit fast Nichts zu füllen.

Das endete, man kann es kaum anders sagen, in einem Desaster. Kloeppel blieb nichts anderes übrig, als die ohnehin dünne Nachrichtenlage immer wieder zu wiederholen. Auch die Korrespondentin in Lausanne – wo Schumacher nach der Zeit auf der Intensivstation in Grenoble hin verlegt wurde – konnte mit Pseudo-Informationen wie: Schumacher wird für die Öffentlichkeit unzugänglich behandelt, oder: Das Krankenhaus sei eine Top-Adresse, nicht punkten. Auch das Expertengespräch, in dem ein Kölner Neurochirurg erklärt, dass ein Komaerwachen nicht gleichzusetzen mit Lebendigkeit ist, wirkt informativer als es tatsächlich ist. Der Tiefpunkt ist ein fünfminütiger Beitrag, zusammengestellt aus Archivmaterial und alten Informationen. Eine Nachrichtensendung, die über Nicht-Neuigkeiten berichtet. Das gibt es nicht alle Tage.

Kein Wunder, dass die Sendung in sozialen Netzwerken schnell kritisiert wurde.

Bei RTL Now gibt es das „RTL Aktuell Spezial“ nachträglich zum Ansehen. 

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