Jarvis, der mit dem Buch “What would Google do” bekannt wurde und bis heute auch deutsche Medien berät (zuletzt den stern), unterrichtet als Journalismus-Professor an der City University of New York (CUNY). Auch nach vermutlich vielen hundert Diskussionen mit Journalisten scheint Jarvis nicht müde zu werden, seine Positionen zu erklären. Er verteidigt u.a. vehement das freie Internet und plädiert für einen offenen Umgang mit der eigenen Privatsphäre.
Zwölf Gedanken von Jarvis aus einem zweistündigen Gespräch mit den Teilnehmern des Innovation Field Trips:
1. Gutenberg war der erste journalistische Unternehmer.
Thinking future by understanding the present: end of frontpages, unbundeling the inverted pyramid #IFTNYC14 pic.twitter.com/q6QbSiuP52
— Karolin (@karofreiberger) June 16, 2014
2. Wir haben keinen blassen Schimmer, was das Internet ist und welche Rolle Journalisten haben werden. Dafür ist es noch viel zu früh. Im Journalismus leben wir wieder im Jahr 1470. Wir müssen als Journalisten jede Annahme über die Zukunft der Medien infrage stellen.
#IFTNYC14 just started with an invitation of @jeffjarvis from CUNY pic.twitter.com/VvcZgqJtt5
— Stephan Weichert (@stephanweichert) June 16, 2014
3. Wir sind nicht im Inhalte-Geschäft. Wir sind im Service-Geschäft. Unsere Aufgabe ist es, das Leben der Menschen zu verbessern. Das ist der Gradmesser unseres Erfolgs. Wir müssen einer Gemeinschaft helfen, sich zu organisieren. Wir müssen den Menschen nicht etwas vorsetzen, wir müssen ihnen zuhören.
"We shld RETHINK TV News and Stand up during news is stupid" says @jeffjarvis @cunyjschool during our #iftnyc14 pic.twitter.com/ysilEn3VJZ
— Jaafar Abdul Karim (@jaafarAbdulKari) June 16, 2014
4. Als Vermittler von Informationen ist die Presse nicht mehr zwingend notwendig. Die Medien müssen zu Plattformen werden, auf denen sich Menschen austauschen.
@jeffjarvis und ein paar visualisierte gedanken zum zustand der medien #IFTNYC14 pic.twitter.com/w1ZhpN3TyU
— Alexander von Streit (@vonstreit) June 16, 2014
5. Ständig heißt es, Journalisten seien Geschichtenerzähler. Gleichzeitig aber lösen sich die Bestandteile, aus der gedruckte Nachrichten bestanden, im Internet auf. Die eigentliche News läuft zuerst über Twitter. Der Absatz über den Hintergrund einer Geschichte kann heute auf Wikipedia oder auch bei Vox Media nachgelesen werden.
6. Google weiß, wo ich arbeite und wo ich wohne. Meine Tageszeitung weiß das nicht. Darum behandelt sie mich wie den Teil einer Masse. Aber wir haben keine Massenmedien mehr. Und wir Konsumenten sind keine Masse.
7. Journalisten können das erste Mal in der Geschichte zu Unternehmern werden.
8. Werbung muss sich verändern. Auch sie muss – wie Journalismus – zu einem Service für die Leser werden. Aber der Leser darf niemals in die Irre geführt werden, was die Quelle von Inhalten angeht.
9. Gerade wenn Medien dabei sind, online eine Beziehung zu ihren Nutzern aufzubauen, bauen viele von ihnen eine Bezahlschranke auf. Sie schicken die Leute weg. Die Öffentlichkeit bringt Medien großen Wert, viele sehen das aber nicht. Denn sie haben nur ihr altes Geschäftsmodell im Kopf.
10. Verlage müssen digitalisierte Unternehmen werden, bevor ihre Printmedien nicht mehr profitabel sind.
11. Jugend wird im Journalismus zu einem Vorteil. Die Jugend muss die Disruption des Geschäftsmodells vorantreiben.
12. Ich glaube an profitablen Journalismus. Wer profitabel ist, ist unabhängig. Stiftungen allein können den Journalismus nicht finanzieren.
to be continued…Tag 2…Tag 3…Tag 4…Tag 5
Der Innovation Field Trip New York City wird von der Hamburg Media School organisiert. Die Idee: 5 Tage in einer Stadt, in der Journalisten, Medienunternehmen, Startups und Medienwissenschaftler über Innovationen im Journalismus nicht nur nachdenken, sondern sie auch machen. MEEDIA ist Kooperationspartner des Studiengangs Digital Journalism an der HMS.
