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Hyperlokales gegen Geld: ALTONA.INFO probiert Abo-Modell

Gründete vor fünf Jahren die digitale Lokalzeitung altona.info und will seine Leser nun zum Bezahlen animieren: Chefredakteur Christoph Zeuch. Foto: altona.info
Gründete vor fünf Jahren die digitale Lokalzeitung altona.info und will seine Leser nun zum Bezahlen animieren: Chefredakteur Christoph Zeuch. Foto: altona.info

Wie groß ist die Bereitschaft von Lesern, für journalistische Angebote aus dem eigenen Stadtviertel Geld zu bezahlen? Das kann bald Christoph Zeuch, Gründer und Chef des Hyperlokalprojektes ALTONA.INFO beantworten. Denn der Journalist will für die digitale Lokalzeitung ab sofort Geld von seinen Lesern kassieren - zumindest zum Teil.

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Pünktlich zum fünfjährigen Jubiläum der Lokalnachrichten für den Hamburger Bezirk Altona ruft Zeuch dazu auf, Leserabonnements abzuschließen. Die Zeitung habe „nachhaltig unter Beweis gestellt, dass wir ein lokaljournalistisches Angebot sind“. Jetzt sollen die Leser zeigen, ob sie an Nachhaltigkeit interessiert ist. 69,90 Euro jährlich sollen sie für Neuigkeiten aus ihrer direkten Umgebung bezahlen. Bestellt werden kann aber auch für ein paar Wochen oder weniger, Studenten und Schüler bekommen vergünstigte Tarife.

Hinter der Paywall soll aber nicht der gesamte Inhalt landen, verspricht Zeuch. Nachrichten und Meldungen bleiben weiterhin frei zugänglich, ebenso wie aktuell relevante Inhalte. Seit Start vergangenen Freitags sind gerade mal eine Handvoll Inhalte hinter die Bezahlschranke gewandert, u.a. Beiträge wie das Altona-Rathaus-Telegramm mit News aus der Kommunalregierung oder ein Artikel zum Entscheid über eine neue Schule im Hamburger Stadtteil. Überwiegend will Zeuch Audio- und Videobeiträge sowie Stücke mit größerem Rechercheaufwand bezahlpflichtig machen. Laut dem ALTONA.INFO-Gründer sollen seine Leser in Zukunft den größeren Teil des Umsatzes generieren, das Werbegeschäft im lokalen Markt erweise sich als schwierig. Das neue Finanzierungsmodell verspreche Unabhängigkeit. Die neuen Mittel sollen dann in die Redaktion fließen, um „intensiver in Themen einzusteigen“ und einen „investigativen Charakter“ herauszuarbeiten. Weiterer Ansporn für seine Abonnenten soll eine Art Leser-Intranet, also ein Forum für zahlende Leser sein, in dem sie sich untereinander austauschen, diskutieren und miteinander vernetzen können.

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Das kleine Online-Portal, ALTONA.INFO erreicht eigenen Aussagen zufolge bis zu 5.000 Unique User und zwischen 15.000 und 30.000 Seitenabrufe pro Tag und schreibt mittlerweile schwarze Zahlen. Ziel ist es, so viel Einnahmen zu erzielen, dass die Plattform als Genossenschaftsmodell laufen kann. Dazu will Zeuch bis Ende des Jahres erst mal rund 100 Abonnements verkauft haben, die auch Unternehmen, Verbände oder auch die Politik erwerben und weiterverschenken können. Dass es langfristig wesentlich mehr werden müssen, ist selbstredend.

Bisher verweist Zeuch nur in einem Jubiläumsartikel auf das Bezahlangebot. Um die Zielgruppe für das Thema Bezahlen im Netz zu sensibilisieren, hofft er aber vor allem auch auf die kommunale Politik. Sie müsse ihren Bürgern deutlich machen, dass qualitativer Journalismus Geld kostet.

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