Das unfreundliche Möbelhaus: IKEA mahnt IKEA-Bloggerin ab

Wohnst Du noch oder klagst Du schon?
Wohnst Du noch oder klagst Du schon?

Marketing Es ist schon erstaunlich, wie kurzsichtig, unsensibel und - ja - dumm große Konzerne und Marken manchmal im Internet agieren. Nehmen wir mal an, da gibt es eine Bloggerin, die seit Jahren eine Website betreibt, die sich ausschließlich der Marke IKEA widmet. Die Verbesserungsvorschläge und clevere Umbauten von IKEA-Möbeln veröffentlicht und sich selbst als Hardcore-Fan des Schweden-Möbelhauses bezeichnet. Wie würde man am besten mit so Jemandem umgehen? Sich freuen und der Frau einen Vertrag als Corporate-Bloggerin anbieten? Oder die Rechtsabteilung in Bewegung setzen und eine geharnischte Abmahnung verschicken? Jetzt raten Sie mal, was IKEA gemacht hat.

Werbeanzeige

In ihrem Blog IKEAHackers macht die Bloggerin Jules Yap ihrem Ärger, und ihrer Enttäuschung über IKEA Luft. Es ist das Dokument einer enttäuschten Markenliebe. Acht Jahre lang hat sie das Blog IKEAHackers betrieben. Dort werden Tipps für selbstgemachte Umbauten von IKEA Möbeln veröffentlicht. Zum Beispiel, wie man aus einem IKEA-Hängeschrank einen Indoor-Käfig für Hausratten (!) bastelt. Oder aus einer Kommode eine clevere Verstauung fürs Bügelbrett. Die Bauanleitungen sind mit großer Liebe zum Details geschrieben und ausführlich fotografisch dokumentiert. Zahlreiche Leser beteiligen sich mit eigenen Verbesserungsvorschlägen. Eigentlich ein Traum für eine Marke.

Jules Yap schreibt, dass es irgendwann zu zeitaufwändig wurde, das Blog IKEAHackers neben ihrer Vollzeitstelle zu betreiben. Sie schaltet also Werbung auf dem Blog, um etwas dazuzuverdienen und die Kosten für die Website zu zahlen. Dann kam der Brief von einem IKEA Rechtsvertreter. Die Website IKEAHackers.net verletzte die Urheberrechte von IKEA und die Bloggerin wurde aufgefordert, die Domain IKEAHackers.net freiwillig auf IKEA zu übertragen. Nach Verhandlungen habe sich IKEA bereiterklärt, dass sie die Domain behalten könne, sie dürfe ihr Blog künftig aber nicht mehr „kommerziell“ betreiben. Nun möchte Jules Yalp  die Domain zunächst behalten und verzichtet ab dem 23. Junki auf Werbung. Langfristig will sie dann aber doch das Blog mit Werbung unter einer neuen Domain weiter betreiben.

Die Bloggerin schreibt: „ich habe kein Problem damit, dass sie ihre Handelsmarke schützen aber ich denke, sie hätten das besser handhaben können. Ich bn eine Person, kein Unternehmen. Eine Bloggerin, die offensichtlich auf ihrer Seite ist Hätten sie nicht mit mir reden können wie normale Leute?“ In der Tat ist das Vorgehen von IKEA aus Markensicht kurzsichtig. Einem Konzern kann nichts Besseres passieren, als dass es Leute wie Jules Yap gibt, die die Marke so sehr lieben, dass sie sie erweitern und im Web verbreiten. Womöglich gäbe es Firmen, die viel Geld für den Aufbau einer funktionierenden Do-it-yourself Community wie IKEAHackers zahlen würden. Es ist vermutlich die Angst des Konzerns, die Marken-Hoheit zu verlieren. Eine falsche Angst im Zeitalter von Social Media. Vor allem auch weil das kalte Konzernverhalten in so krassem Widerspruch zum selbst verordneten Heile-Welt-Image von IKEA steht.

Wären die Leute bei IKEA schlau gewesen, hätten sie Jules Yap einen gut dotierten Vertrag als Corporate-Bloggerin gegeben. Nun haben sie einen treuen Fan ohne Not bitter enttäuscht. Im Zeitalter von Social Media kann sich so etwas leicht potenzieren.

(via wiwo.de)

 

 

 

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige