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Balla Balla statt Samba de Janeiro: Warten auf das gute WM-Gefühl

Deutsche Elf in Brasilien: Özil liegt hinter Schweini, Poldi und Co.
Deutsche Elf in Brasilien: Özil liegt hinter Schweini, Poldi und Co.

Stell Dir vor, es ist Fußball WM und keiner guckt hin. Nein, so wird es natürlich nicht kommen - auch wenn der Anpfiff für das Eröffnungsspiel Brasilien gegen Kroatien an einem Werktag um 22 Uhr für deutsche Fußball-Aficionados denkbar ungünstig liegt. Aber so recht will sich das WM-Fieber diesmal kurz vor dem Start im Fußball Eldorado Brasilien nicht einstellen. Stattdessen: Mäkeleien über die deutsche Nationalmannschaft und nervige WM-Werbung. Doch es gibt Hoffnung ...

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Na, sind Sie auch noch nicht im WM-Fieber? Seltsam, dass sich die wohlige Vorfreude auf das Weltfußball-Turnier nicht so Recht einstellen mag. Kaum ein Nachbar hat diese schlimmen Deutschland-Wimpel ans Auto gehängt. Die Leute reden mehr übers Wetter als über die WM. Und die WM-Werbung der allseits geschätzten Konsumgüter-Industrie nervt gewaltig.

Da hätten wir zum Beispiel den berufsmäßigen Dickwanst Reiner Calmund, der für Edeka als leibhaftiger Abklatsch des früheren WM Orakels Krake Paul Grillgut wegspachelt und dann eine – Witz komm raus – “Bauchentscheidung” verkündet. Der arme Krake Paul rotiert vermutlich in seinem nassen Grab.

Und der Mediamarkt tönt und dröhnt mit einem Trommelchen statt einer Vuvuzela. Bayern-Kicker und Brasilianer Dante darf dazu ein bisserl radebrechen. Allüberall in Supermärkten versuchen uns Firmen banalste Produkte mit “WM-Flair” anzudrehen.  Scheißegal ob Grillwurst oder Klopapier – alles geht mit Samba De Janeiro.

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Auch die deutsche Nationalmannschaft wirkt müde. Viele sind verletzt, andere haben scheinbar keine Lust. Alles dies steht in krassem Kontrast zu dem Hurra-Geschrei der Werbe-Industrie. Wenn Mercedes Benz behauptet, die deutsche Mannschaft sei “Bereit wie nie”, muss man sich als Gegenprogramm an das schlappe Gekicke gegen Angstgegner Kamerun erinnern, bei dem sich die Deutschen mit vollem Einsatz zu einem 2:2 retteten.

Am kommenden Montag um 18 Uhr werden die deutschen Kicker gegen Portugal auflaufen. In ihren hässlichen Trikots mit dem roten Balken. Bäh! Immerhin hat es die deutsche Mannschaft geschafft, diese doofe Favoritenrolle loszuwerden. Mittlerweile wären alle schon froh, wenn die Vorrunde halbwegs heil überstanden wird. Vielleicht ist es Taktik – wer weiß?

Sogar die sonst notorisch aufgeregten Medien wirken WM-müde. Die Bild Zeitung liefert als eine Art WM-Zentralorgan zusammengeklaubte “Fakten zum Mitreden” und die Zeit setzt sich mit der Titelstory “Darf man Fußball auch hassen?” schlau an die Speerspitze der Ball-Verächter. Dazu reißen die Meldungen von Streiks und Demonstrationen aus Brasilien nicht ab. Vorfreude geht anders.

Und doch gibt es Hoffnung. Erinnern wir uns für einen Moment an die National-Depression, die bis kurz vor Anpfiff herrschte, als die Fußball WM 2006 hierzulande über die Bühne ging. Klinsis Jungs kickten grottig wie nie. Das Wetter war scheiße. Das Debakel schien unausweichlich. Bekanntermaßen kam damals alles anders und wir feierten das berühmte Sommermärchen. Vielleicht, vielleicht wird ja auch diesmal wieder alles besser. Wenn der Ball erstmal rollt, sind der dicke Calli, die korrupte Fifa und das ganze schlimme Gedöns schnell wieder vergessen. Wer weiß, vielleicht wacht dann auch die deutsche Mannschaft bis zum Anpfiff wieder auf. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten, die Deutschen sind eine Turniermannschaft. Los geht es heute Abend um 22 Uhr im ZDF. Vielleicht sollte ich mal gucken, ob im Keller noch die Vuvuzela steht …

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