Studie: Otto Brenner Stiftung erkennt Bild den Journalismus ab

Publishing Die Trilogie ist geschrieben: Für die Otto Brenner Stiftung (OBS) der IG Metall haben der Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt und der Publizist Wolfgang Storz seit 2011 in drei Studien das Treiben der Bild-Gruppe analysiert. In ihrer letzten Bild-Studie fällen die Autoren ein hartes Urteil. Darin heißt es: Bild und BamS machen keinen Journalismus.

von redaktion

Parteilichkeit, Willkür in der Themenauswahl, Kampagnen-Journalismus. Diese drei Schlagworte dürften die Wahlkampfberichterstattung von Bild und Bild am Sonntag (BamS) im vergangenen Jahr beschreiben. Dieses Fazit ziehen zumindest Hans-Jürgen Arlt, ehemaliger Kommunikationschef beim DGB, und Wolfgang Storz, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, in ihrer Studie „Missbrauchte Politik“, für die sie Bild und BamS im Bundestagswahlkampf vergangenes Jahr analysiert haben. Bereits in zwei vorigen Studien haben die Wissenschaftler die Bild-Medien als Verkaufsmaschine  bezeichnet. Nach der Analyse des Bundestagswahlkampfs nehmen die Autoren nun sogar vom Begriff des Journalismus Abstand. Die Bild-Chefs betrieben Publizismus „als Mittel für ihre Unternehmensziele“, so Arlt und Storz. Der „Gewinn pro Aktie“ sei zum „alleinigen Entscheidungskriterium geworden“. Es sei egal „inwieweit die Veröffentlichungen, mit denen das Geld verdient wird, journalistische sind.“

Merkel „hofiert“, Steinbrück verliert

Auf den Bundestagswahlkampf bezogen, hätten Bild und BamS ein eigenes Wahlprogramm aufgelegt. Bereits drei Monate vor der eigentlichen Wahl habe Bild Prognosen veröffentlicht, die eine große Koalition mit einer starken Kanzlerin prophezeiten. Diese sei in den folgenden Monaten zu „inhaltlichen Leitplanken“ geworden. „Es wird so gut wie nichts veröffentlicht, was gegen eine große Koalition spricht, und viel getan, um seine solche Regierungskoalition zu befördern“, stellen die Autoren fest. Bild und BamS hätten Merkel „hofiert“, hätten sie als „Mensch“ und nicht als „CDU-Politikerin“ auftreten lassen. Zudem seien Gemeinsamkeiten zwischen Union und den Sozialdemokraten herausgearbeitet worden. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der gegen eine große Koalition angetreten sei, habe man hingegen als Verlierer dastehen lassen. Gegen weitere mögliche SPD-Koalitionspartner seien Kampagnen gefahren worden, so die Studie. Sich selbst hätten die Bild-Medien als „Volkstribun“ verkauft. Für die Selbstvermarktung hätten Diekmann und die BamS ihre Unabhängigkeit aufgegeben, hätten sich parteilich gemacht und bei der Themenauswahl Willkür walten lassen.

„Studie ist nicht fertig“: Berechtigte Kritik an „Missbrauchte Politik“

Arlt und Storz kritisieren in ihren Studien nun schon ein drittes Mal die Machenschaften von Bild und BamS. Wie die Süddeutsche Zeitung im Fall von „Missbrauchte Politik“ dokumentiert, weist das dritte Stück der Wissenschaftler allerdings Schwächen auf. SZ-Autorin Claudia Tieschky bezeichnet es als „weltfremd“, wenn die Autoren Rentabilität und Geschäftsmodelle von Verlagen „als Faktor verdammen“. Arlt und Storz hätten in ihrer Untersuchung ignoriert, dass Springer mit Bild Plus ein Bezahl-Angebot online genommen habe, das nicht analysiert worden sei.

Arntz und Storz beenden Bild-Trilogie

Mit ihrer nun dritten Studie über Springers große Boulevardmedien beenden die Wissenschaftler ihre Untersuchungsreihe. Bereits 2011 veröffentlichten sie im Auftrag der Stiftung ihre Studie „Drucksache Bild“, mit der sie „einen veränderten Blick auf Bild“ erreichen wollten. Schon damals kamen sie zu dem Ergebnis dass Bild weniger journalistisch sei, sondern vielmehr ein Geschäftsmodell mit Journalismus als Nebenprodukt. Eine zweite Studie im darauffolgenden Jahr sollte dies unterstreichen. Damals nahmen sich die Kritiker der Berichterstattung dem Fall des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff an. Bevor Bild zu einem kritischen Journalismus übergangen sei, hätte zwischen Wulff und dem Blatt eine „seit vielen Jahren erprobte Geschäftsbeziehung bestanden“ Deshalb titelten Arlt und Storz „Bild und Wulff – Ziemlich beste Partner“.

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