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Brafus2014.com: Reporter berichten auf eigene Faust von der Fußball-WM

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Die "Brafus"-Macher (v.l.): Kai Schächtele, Birte Fuchs, Christian Frey

In dieser Woche fliegen Kai Schächtele, Christian Frey und Birte Fuchs nach Brasilien. Die Journalisten wollen in den kommenden Wochen für ihr Online-Projekt Brafus2014.com hinter die Kulissen der Fußball-Weltmeisterschaft blicken. Ein Deal mit einem großen Magazin kam nicht zustande, nun reisen die Macher "im eigenen Auftrag" – und mit Crowdfunding im Rücken.

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Die Fußball-WM wird uns nicht nur viele Bilder von Männern bringen, die hinter Bällen herlaufen. Die Öffentlich-Rechtlichen, die das Sport-Megaevent übertragen, aber mutmaßlich auch viele Zeitungen und Zeitschriften werden die „Geschichten hinter der Geschichte“ suchen. Also: Brasilien, abseits vom Fußball erkunden. Die angekündigten Proteste von Brasilianern, die mehr Geld u.a. für Schulen und Krankenhäuser fordern, werden vermutlich eine große Rolle spielen. „Diese WM ist bereits gescheitert“, zitierte die Süddeutsche Zeitung am Montag den Kritiker Gustavo Mehl.

„Wir wollen Geschichten finden, vor allem indem wir am Alltag der Menschen teilhaben“, sagt Kai Schächtele im Gespräch mit MEEDIA. Der Journalist und Buchautor („Ich lenke, also bin ich“) und sein Kompagnon Christian Frey haben bereits vor vier Jahren Südafrika zur WM-Zeit bereist – und über das „Wintermärchen“ berichtet. Dafür gab es damals eine Nominierung für den Grimme Online-Award. Die Bestätigung von Nutzern und Branche führt nun zur Wiederholung des Prinzips. Etwas sperriger Titel diesmal: „Brafus2014.com„.

Anders als vor vier Jahren hatten die Journalisten in diesem Jahr lange mit einer Zeitschrift verhandelt, die die Journalisten und ihr Projekt exklusiv unter Vertrag nehmen wollte. Das Projekt werde unterm Strich etwa 30.000 Euro kosten, sagt Schächtele. Den Betrag wollte das Blatt am Ende nicht bezahlen – und die „Brafus“-Macher sagten dann die Kooperation ab. Nun also „auf eigene Faust“. Obwohl es gute Verhandlungen mit der Redaktion gab, sei die Absage „befreiend“ gewesen, sagt Schächtele. „Wir haben uns gesagt: etwas Besseres als dieses Angebot finden wir allemal.“

Mit dem Journalismus-Netzwerk torial und dem Südamerika-Reisespezialisten Viventura sind mittlerweile zwei Partner an Bord. Knapp 2.000 Euro haben per Crowdfunding bisher Förderer eingezahlt. Ab 200 Euro können sich Unterstützer auf einer „Paid Wall“ verewigen. Aber: „Ohne die Beteiligung derer, die wir mit unseren Geschichten erreichen wollen, werden wir nicht bis Rio kommen“, sagt Schächtele. Das Trio nennt sein Finanzierungsmodell „Crowd Travelling“. Die Ausgaben und Einnahmen werden auf der Website aufgelistet.

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Die Ähnlichkeiten mit dem „Krautreporter“-Projekt, für das derzeit Unterstützer gesucht werden, sind nicht zu übersehen. Medienmacher, die nicht an große Medienmarken gebunden sind bzw. sich aus verschiedenen Gründen nicht an sie binden wollen, sehen Crowdfunding als ernst zu nehmende Alternative – mehr Risiko, aber auch mehr Freiheiten. Und erste Anfragen von Medien, die sich für die „Brafus“-Reporter interessieren, liegen vor. Für den Radiosender SWR3 berichten die Journalisten während des Turniers dreimal die Woche.

Mit Texten, Bildern und Videos soll das Brasilien „hinter der Fassade“ lebendig werden. „Wir werden es nicht besser machen als andere, aber anders“, sagt Schächtele. „Wir werden eine andere Erzählweise haben, das wird man spüren.“ Die drei Reporter wollen mit den Nutzern diskutieren, wollen Anregungen in ihre Reiseplanung integrieren.

Tickets für WM-Spiele haben die drei übrigens nicht. Schächtele sagt: „Wir haben eigentlich viel mehr Bock, mit anderen Leuten vor dem Fernseher die Spiele zu verfolgen.“

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