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Apple im Attacke-Modus: Der iPhone-Konzern kämpft jetzt gegen (fast) alle

Apple CEO Tim Cook
Apple CEO Tim Cook

Das Ausbleiben von neuen Geräten bei der Präsentation zur Eröffnung von Apples Entwicklerkonferenz WWDC 2014 heißt nicht, dass der iPhone-Konzern seinen Biss verloren hat. Im Gegenteil. Die Software-Ankündigungen von CEO Tim Cook und Software-Chef Craig Federighi legen vielmehr die Basis für künftige Geräte-Generationen. Und Tim Cook machte klar, wen Apple dabei als Gegner sieht: fast jeden.

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Dabei fiel der Name von Apples Haupt-Gegner kein einziges Mal während der fast zweistündigen Präsentation: Google. Allerdings ließ es sich Cook nicht nehmen, ordentlich gegen Googles mobiles Betriebssystem Android zu stänkern. Zu einer Grafik, die zeigte, dass viele Android-Nutzer zu iOS gewechselt sind bemerkte Cook: „Die haben sich ein Android-Phone aus Versehen gekauft und dann eine bessere Erfahrung gesucht. Und ein besseres Leben. Und haben sich entschieden, iPhone und iOS zu probieren“ Dann zeigte er eine Grafik, laut der Android 99 Prozent des Malware-Marktes auf sich vereint. Autsch! Schließlich präsentierte Cook noch ein Zitat des ZDNet-Reporters Adrian Kingsley-Hughes: „Die Android Fragmentisierung macht aus Geräten einen toxische Höllentopf aus Schwachstellen.“ Dabei ließ Cook das Wort „hellstew“ in seiner Präsentation kurz in Flammen aufgehen – soviel Detailverliebtheit beim Vernichten der Konkurrenz muss sein im Hause Apple.

Außerdem wurde bekanntgegeben, dass Apple die auf Privatsphäre bedachte Suchmaschine DuckDuckGo in das neue iOS 8 integriert. Der iOS-Sprachassistent Siri verweist bei Suchanfragen schon länger auf die Microsoft Suchmaschine Bing und nicht auf Platzhirsch Google. Bei einer Demo, wie der neue Safari-Browser von Apple Textdokumente innerhalb des Browsers übersetzt, wurde ebenfalls auf den Übersetzungsdienst von Bing zugegriffen. In der Apple-Welt scheint Google nicht länger zu existieren. Die Botschaft: Wir sind Apple, wir brauchen kein Google.

Gleichzeitig öffnet Apple sein iOS-System erstaunlich weit für Entwickler. Plötzlich soll es auch virtuelle Tastaturen von Dritt-Anbietern geben, wie etwa das bei Android-Nutzern beliebte Swype. Der Fingerabdruck-Sensor Touch-ID kann künftig auch in Apps verwendet werden, etwa zum Bezahlen. Und mit HomeKit und HealthKit stellt Apple Entwickler-Werkzeuge zur Verfügung, die eine ganze Flut an Geräten und Apps zur Folge haben dürften, die aus dem iPhone eine Alles-Zentrale für das digitale Leben machen.

Nicht nur Google bekommt Gegenwind Cupertino. Der Cloud-Speicherdienst Dropbox, den Apple vor Jahren gerne gekauft hätte, muss sich warm anziehen. Apple stellte mit iDrive einen Service vor, der nicht nur ein bisschen an Dropbox erinnert und vor allem eines ist: viel billiger. Gleichzeitig rüstet Apple seine Messenger-App iMessage mit Funktionalitäten auf, die man bisher von WhatsApp oder Snapchat kannte. Nachrichten können nun auch als Audio-Dateien, Videos oder Bilder verschickt werden und Apple zeigt neue Nachrichten auch auf Desktop-PCs und iPads an, wenn sie nicht aus der iMessage-Welt stammen.

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Zwei weitere Internet-Giganten werden von Apple dagegen in Ruhe gelassen: Facebook und Amazon. Der E-Commerce-Riese Amazon ist als Vertriebsplattform für Apple vermutlich zu wichtig, um sich mit ihm anzulegen. Und an Social Networks hat Apple das Interesse verloren, seit sich die Firma mit der geflopten Musik-Community Ping eine blutige Nase geholt hat.

Als Steve Jobs 2007 das allererste iPhone der staunenden Weltöffentlichkeit vorstellte, war das Gerät eine technische Sensation. Die eigentliche Revolution begann dann aber später mit dem App-Store. Die App-Entwickler machten das iPhone und später das iPad erst zu den digitalen Wundertüten, die es heute sind. Ähnlich fundamentale Grundlagen könnte Apple nun mit seinen neuen Entwickler-Kits und der eigens für die i-Geräte entwickelten Programmiersprache Swift geschaffen haben. Die i-Geräte setzen zum nächsten Entwicklungssprung an: von Unterhaltungs- und Kommunikationsmaschinen zur Fernsteuerung für das Leben. Wenn das iPhone persönliche Gesundheitsdaten speichert und auswertet, wenn man mit dem Sprachassistenten Siri die Technik im Haus steuern kann und wir mit Fingerdruck auf dem iPhone unseren Kaffee bezahlen, dann hat das eine ganz neue Qualität.

Die Keynote der aktuellen WWDC hat gezeigt, dass Apple zur Schnittstelle des digitalen Lebens werden will. Konzerne, die dabei als Konkurrenten betrachtet werden, dürfen nicht mit Milde rechnen. Apple hat einen festen Willen und genug Geld, um seinen Willen durchzusetzen. Im Herbst werden vermutlich die ersten neuen Geräte zur neuen Software vorgestellt. Dann dürfte die Operation Attacke weitergehen.

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