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Heftig-Macher: „Ihr Journalisten könnt euch wieder beruhigen“

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Die Gründer von Heftig.co: Michael Glöß (l.) und Peter Schilling

Die Heftig-Macher Peter Schilling und Michael Glöß haben der WirtschaftsWoche ein Exklusivinterview gegeben. Die Marschrichtung der Gründer, die sich erst vor einer Woche outeten, ist klar: Heftig ist kein Journalismus, kuratiert Inhalte, die auf maximale Teilbarkeit ausgerichtet sind, funktioniert zu 100 Prozent über Facebook und soll "behutsam" vermarktet werden.

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Der Twist der Heftig-Story ist bemerkenswert. Mit Journalismus habe die ganze Sache rein gar nichts zu tun, beteuern die Macher. Handele es sich doch bei den Inhalten um solche, die maximal auf das Teilen via Facebook ausgerichtet seien. Was wiederum zeige, dass es um hochgradig virale Inhalte und „nicht um Journalismus“ gehe. Heftig.co mache „keine Politik, keine Wirtschaft, keine Celebrities“. Glöß sagte der Wiwo: „Unsere Fans wollen keine Nachrichten….Bei uns geht es um pure Emotion und Empathie….Wir teilen die kleinen Sensationen des Alltags.“

Gleichzeitig aber lassen es sich Glöß und Schilling nicht nehmen, „dem Journalismus“ einige Erkenntnisse mitzuteilen. So habe Glöß „das Gefühl, dass sich die Journalisten doch sehr weit von der Lebenswelt ihrer Kunden entfernt haben und sich oft über ihre eigenen Brötchengeber erheben.“ Es sei allerdings „Tatsache“, dass der „klassische Journalismus und sogar die deutschen Boulevardmedien Millionen von Menschen gar nicht erreichen.“ Selbst die Bild-Zeitung sei „betulich und staatstragend“.

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Heftig dagegen erreiche vor allem Frauen zwischen 25 und 45, „die eigentlich nicht medienaffin“ seien. Formate wie Heftig – andere sollen folgen – sieht Glöß darum als Teil eines „aufregenden digitalen Strukturwandels“. Der freilich auch monetarisiert werden will. Aber nur „langsam und behutsam“ – sagen jedenfalls die Macher. Verhandlungen mit Vermarktern liefen aber bereits. Es wird sich zeigen, wie viel Zeit die Heftig-Macher wirklich haben bzw. sich nehmen wollen. Sie betonen, keine „Masche“ zu bedienen, sondern Storys „oft stundenlang unter der Lupe“ zu testen, bevor sie online gehen.

Kleines Schmanklerl am Rand: Die Wiwo bebilderte das Interview mit einem Screenshot von Heftig.de. Die Adresse der Seite von Glöß und Schilling lautet aber Heftig.co. Ironischerweise sagte Glöß im Interview, man versuche, „die Klone auf Abstand zu halten“. Und natürlich sei trotz solcher Seiten wie Upworthy, Vitralnova und BuzzFeed ihr Angebot „kein Klon“. Der Ansatz sei ein „eigener, originärer und innovativer“. Die Formulierung hätte immerhin auch von einem klassischen Medienunternehmen stammen können.

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