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„Scheich-Idee“: Volksbanken fallen mit Anti-Deutsche-Bank-Werbung auf die Nase

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So sieht wohl ein Shitstorm in vornehmen Bankenkreisen aus: Der Genossenschaftliche Branchenverband BVR der Volks- und Raiffeisenbanken wollte wohl mal so richtig lustig sein und zum Einstieg des Scheichs aus Katar der Deutschen Bank mal frech einen mitgeben. Also schalteten die Genossenschaftsbanken am vergangenen Mittwoch eine 30.000-Euro-Anzeige in der FAZ. Kernelement ist das arg missratene Wortspiel "Scheich-Idee". Nun berichtet das Handelsblatt von massiver Kritik aus Politik und Banker-Führungsetagen.

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Die Anzeige nahm eine halbe Seite in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein. Ihre Zeile lautete: „Auf so eine Scheich-Idee würde wir nie kommen“. Dazu war ein Ausriss eines FAZ-Artikels zum Einstieg von Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani als neuem Investor bei der Deutschen Bank zu sehen.

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Wie das Handelsblatt nun berichtet, sorgte vor allem der fremdenfeindliche Unterton über die Parteigrenzen hinweg für heftige Kritik. „Ich finde die Anzeige geschmacklos. Zwar können die Volks- und Raiffeisenbanken zu Recht auf ihr regionales Geschäftsmodell verweisen. Aber die Nationalität der Anteilseigner einer Großbank sollte kein Thema sein“, zitiert die Wirtschaftszeitung den finanzpolitischer Sprecher der Grünen, Gerhard Schick. Sein CSU-Kollege Hans Michelbach ergänzt: „Die Volks- und Raiffeisenbanken sollten sich nicht provinzieller geben, als sie sind“.

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Ziemlich sauer soll man auch bei der Deutschen Bank sein, auch wenn sich die Frankfurter nicht offiziell äußern wollen. „Egal wer so etwas macht, in den USA wäre eine solche Werbung niemals erschienen. Sie ist kleingeistig und verantwortungslos“, soll es im Umfeld des Topmanagements heißen. Der Ärger der Deutschen Bank über den latent fremdenfeindlichen Unterton lässt sich alleine deshalb nachvollziehen, weil mit Anshu Jain ein Inder mit an der Konzernspitze steht.

Die Anzeige scheint offenbar auch einer gewissen Enttäuschung des BVR geschuldet, dass öffentlich zu wenig gewürdigt würde, dass die Volks- und Raiffeisenbanken ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise gekommen sind. Die Medien dagegen würden immer nur über die Großbanken berichten. Leider gilt auch in der Werbung: Wut oder gar Frustration sind ein ganz schlechter PR-Berater. Aber dass weiß jetzt wohl auch der BVR.

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