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Rolling Stone-Chef sagt: Vinyl und der „Stone“ werden die CD überleben

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Sebastian Zabel, Chefredakteur des deutschen Rolling Stone

Das Musikmagazin Rolling Stone, deutsche Ausgabe, kommt mit der Juni-Ausgabe optisch und inhaltlich überarbeitet daher. Dafür spendiert Axel Springer dem Blatt 16 Seiten mehr. "In Zeiten, in denen Journalismus vielerorts kaputtgespart und eingedampft wird, wollen wir mehr davon", sagt Chefredakteur Sebastian Zabel im Gespräch mit MEEDIA.

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Mehr Seiten gibt’s, weil künftig mehr Themen aus Politik und Gesellschaft ins Heft sollen, dafür aber kein Platz für klassische Stories über Bands und neue Alben geopfert wird. „Ich sehe den Schritt als eine Investition in mehr Journalismus“, sagt Zabel, der seit knapp zweieinhalb Jahren das Musikmagazin leitet.

Ganz neu ist die Infusion mit gesellschaftsrelevanten Themen nicht. Sowohl in den USA (inzwischen ziemlich geschrumpft) wie seit dem Start in Deutschland vor 20 Jahren waren Reportagen und Essays immer mal wieder zu lesen, u.a. unter dem Label „Nationaltheater“. Zu den frühen regelmäßigen Autoren zählte Benjamin von Stuckrad-Barre, der auch 2014 im Impressum als Autor firmiert. „Gesellschaftsthemen haben im Rolling Stone Tradition, aber keine wirkliche Kontinuität. Neben Rezensionen brauchen Sie aber gute Geschichten, sonst hat ein Musikmagazin keine Chance“, sagt Zabel.

Überdreht wurde der Ansatz, andere Themen als Musik hervorzuheben, in der Zeit vor Zabel. Da landete schon mal Michael Ballack auf dem Cover oder ein Werk von Neo Rauch, und RWE-Boss Jürgen Großmann durfte über seine Leidenschaft für die Beach Boys palavern. An sich eine tolle Geschichte, doch wirkte sie im Rolling Stone seltsam deplatziert. Das ist allerdings Vergangenheit. Zabel drehte die Positionierung in den vergangenen 30 Monaten behutsam zurück auf den Schwerpunkt Musik. Und sieht nun die Zeit gekommen, sich wieder mehr mit ergänzenden Themen, die zum Stone passen, von anderen Musikmagazinen abzusetzen.

In der Juni-Ausgabe bietet die Redaktion u.a. ein Gespräch mit Bob Mould und dem Krimiautor Berni Mayer über Wrestling auf, ein Porträt des Flappy Bird-Erfinders, einen Cannabis-Report und ein Essay von Frank Goosen über Straßenfußball im Ruhrpott. Dazwischen: lange Stücke über Led Zeppelin, die Stones, die Pixies und Jack White. Den eine Redakteurin in Nashville besuchte. Zabel meint, „Hotelzimmer-Journalismus“ alleine könne es nicht sein: „Wir fliegen tatsächlich zu Jack White nach Nashville und sprechen nicht nur mit ihm am Telefon. Und wir bezahlen auch für die Reise und lassen uns nicht einladen. Ebenso gibt es keine Gefälligkeitsrezensionen.“

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Umgemodelt wurde die Technik-Seite, neu ist eine Seite über Genuss – vorgestellt wird der Tapas-Trend. Gleichzeitig wurde das Layout von Art Director Walter Schönauer und Grafiker Klaus Kalaß leicht überarbeitet.

Nach einem Einbruch der Einzelverkaufszahlen um 2012 ist der Stone im ersten Quartal wieder bei knapp 23.000 Heften, die am Kiosk weggehen, angelangt. Sicher auch wegen gelegentlichen Goodies wie einer Single von Johnny Cash für einen kleinen Aufpreis. Die Zahl der Abonnenten hält sich immerhin konstant bei rund 13.500 – was unterm Strich ein leichtes Plus zum Vorjahr auch bei der harten Auflage ausmacht. Insgesamt gibt Springer einen Verkauf von durchschnittlich 53.103 Heften pro Ausgabe an. Die gut gemachte Digital-Ausgabe für Tablets verkaufe pro Ausgabe rund 2.500 Downloads.

„Es darf nicht nur um ein ‚preaching to the converted‘ gehen“, sagt Chefredakteur Zabel. „Wir wollen neue Leser gewinnen. Natürlich werden viele Leser mit dem Blatt älter. Aber es kommen junge Leser hinzu. Es ist Quatsch, dass uns nur Leute über 40 oder 50 lesen. Junge Leute entdecken Vinyl wie sie den Rolling Stone entdecken. Beides ist hochwertig, haptisch, kein Wegwerf-Produkt. Beides wird die CD überdauern.“ Wer zuletzt bei Konzerten war, wird Zabels Prognose zumindest nachvollziehen können – bevorzugt kaufen Musikfans Vinyl statt CD, auch wenn die „Platten“ teurer sind.

Was aber nun die Zukunft des Musikmagazins angeht – heißt es nicht immer, Musiklabels seien nicht mehr so sehr auf klassische Musikmagazine angewiesen? Das möge so sein, räumt Zabel ein, doch langfristig sei diese Denke eher ein Trugschluss. Denn: „Nur das Lesen von Kundenbewertungen bei Amazon bringt es eben auch nicht.“

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