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Wegen Nannens NS-Vergangenheit: Appelbaum will Henri einschmelzen

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© dpa

Jacob Appelbaum will seinen Nannen-Preis einschmelzen lassen. Der US-Journalist, der Mitte Mai gemeinsam mit neun Kollegen vom Spiegel für NSA-Recherchen ausgezeichnet wurde, sieht im Namensgeber des Preises, Henri Nannen, einen "Mitgestalter" im Nationalsozialismus.

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Appelbaum sagte, er schäme sich, den Preis angenommen zu haben. Er habe allerdings dem „sozialen Druck“ bei der Preisverleihung nicht standgehalten, wird der Journalist zitiert.

Appelbaum äußerte seine Kritik auf dem Festival „Theater der Welt“ in Mannheim. Preisgeld werde er antifaschistischen Organisationen spenden.

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Die FAZ zitiert aus einem Statement von Appelbaum, das zuvor das NDR-Medienmagazin ZAPP dokumentierte: „Nannens Name erstrahlte in großen Lettern im Saal. Als ich zusammen mit meinen Koautoren im Smoking die Bühne betrat, überkam mich das Gefühl, dass das Verlesen meines vorbereiteten Statements eine Beleidigung wäre, und dass ich besser schweigen sollte. Ich spürte den sozialen Druck des Konformismus. Ich hatte gedacht, dass ich nicht im Schweigen gefangen sein würde, doch ich hatte mich getäuscht. In diesem Zirkus spielte auch ich meine Rolle. Ich griff nicht nach dem Mikrofon. Ich schäme mich dafür, aber ich brachte auf der Bühne kein Wort hervor. Ich spürte, dass ich eine begehrte Auszeichnung erhalten hatte, und gleichzeitig ein Stück von mir dabei verlor. Ich nahm die schwere Metallbüste – Henri Nannens Kopf – mit, und unser Siegerteam feierte, wie man einen solchen Sieg eben feiert.“

Gegenüber FAZ.net sagte Thomas Osterkorn, der der Nannenpreis-Jury angehört: „Wir respektieren es natürlich, wenn er den Preis wieder von sich weist. Aber es war immer bekannt und ist oft beschrieben worden, dass Henri Nannen, wie viele andere deutsche Journalisten seiner Zeit auch, als junger Mann Soldat im Zweiten Weltkrieg war. Er war Mitglied einer Kriegsberichterstatter-Kompanie der Luftwaffe. Daraus hat er selbst nie ein Hehl gemacht und er hat bedauert, was er damals geschrieben hat. Henri Nannen hat in seiner Zeit als ,Stern`-Chefredakteur viel dafür getan, dass die Nazi-Zeit aufgearbeitet wurde. Er war einer der bekanntesten Unterstützer der Friedens- und Aussöhnungspolitik Willy Brandts mit dem Osten. Der ,Stern‘ ist unter Henri Nannens Führung immer gegen Rechtsradikalismus eingetreten. Trotzdem war auch Henri Nannen klar, dass er die Vergangenheit nicht ungeschehen machen konnte. Er stand zu ihr und hat sich damit auch öffentlich auseinander gesetzt.“

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