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Wie die Marseille-Agentur Burger Kings Krisen-PR schlechtredet

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Noch immer läuft im Fernsehen dieser bemerkenswerte TV-Spot, in dem sich der Burger King-Deutschland Chef für die von “Team Wallraff” aufgedeckten Missstände in einigen Schnellrestaurants entschuldigt. Diese Krisenkommunikation stößt nicht überall auf Begeisterung. Außerdem im Wochenrückblick: Das Heim für Nutten-Anzeigen macht dicht, Steinmeier war sauer, heftige Viralzeilen boomen, Christoph Keese schreibt ein Buch und eine Medienwühlmaus spielt Fußball.

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Günter Wallraff ist ein komischer Vogel. Aber man muss ihm und seinem “Team Wallraff” bei RTL lassen: Die haben Mut. Sich undercover bei Firmen, Pflegeheimen und Sicherheitsunternehmen einzuschleusen ist kein Job für Stubenhocker, wie wir Medienfuzzis welche sind. Und das “Team Wallraff” hat etwas bewirkt. Burger King hat sich von dem Franchise-Nehmer, der die aufgedeckten Missstände verantwortete getrennt und der Burger King Deutschland-Chef macht seither den Kotau vor Kunden via Werbespot. Ganz anders reagierte die Marseille Kliniken AG auf die von “Team Wallraff” aufgedeckten Missstände in einem ihrer Altenheime. Zuerst wurden die dokumentierten Missstände pauschal zurückgewiesen, dann verschickte die Marseille Kliniken AG über die PR-Agentur NAÏMA Strategic Legal Services eine öffentliche “Einladung” an die “Team Wallraff”-Reporterin Pia Osterhaus, die undercover in dem Heim recherchiert hatte. Die Pflegeheim-Mitarbeiter wollten sie “zur Rede stellen” hieß es darin. Man sei empört usw. Für das “zur Rede” stellen, setzte die PR-Agentur eine Frist von 48 Stunden. Osterhaus und “Team Wallraff” gingen auf die “Einladung” ein, erbaten sich jedoch etwas mehr Zeit und wollten ein Kamerateam mitbringen. Angesichts des tendenziösen Tons der öffentlich vorgetragenen “Einladung” verständlich. Die Marseille Kliniken wiederholten noch einmal das kurzfristige Ultimatum, danach stellten sie und ihre PR-Agentur die Kommunikation ein und veröffentlichten eine unverschämte Pressemitteilung, dass “Team Wallraff” nicht an einem Gespräch interessiert sei. Mehrere E-Mails von “Team Wallraff”, in denen immer wieder Gesprächsbereitschaft bekundet wurde und sogar konkrete Alternativvorschläge für ein Treffen gemacht wurden, bleiben unbeantwortet. Interessant ist nun auch, wenn man sich anschaut, wie auf der Facebook-Seite der PR-Agentur NAÏMA Strategic Legal Services gegen Burger King und deren Krisen-Management gehetzt wird. Burger King liefere “wieder mit Abstand die lausigste Form der Krisen-PR” heißt es da beispielsweise oder “#Franchisenehmer von #Burger #King sollten Management nach RTL-Sendung auf #Schadensersatzverklagen. Lausige Kommunikation kostet Umsatz.” Die Mäkelei ist sogar aufbereitet für englischsprachige Leser: “#BurgerKing #Germany #desaster: #Image going deep down south.”

Wenn eine PR-Firma, die ein von “Team Wallraff” thematisierten Unternehmen (Marseille) vertritt, so unverblümt über die Krisen-PR eines anderen Unternehmens (Burger King) herzieht, das auch bei “Team Wallraff” vorkam, dann muss man das nicht unbedingt seltsam finden. Aber man kann. Gründer von NAÏMA Strategic Legal Services ist übrigen der frühere Focus-Redakteur Uwe Wolff.

Mittlerweile macht sich das halbe Internet über den Überschriftenstil von Viralschleudern wie Heftig.co lustig. Es gibt sogar ein Tumblr-Blog namens Heftigstyle, wo das Zeugs gesammelt wird. Dank dieses Tumblr-Blogs habe ich gelernt, dass sogar das olle ZDF bereits im Februar den Heftig-Style imitierte, um seine tiptopseriösen “heute”-Nachrichten zu promoten:

Also allerhöchste Zeit, den Quatsch jetzt zu lassen.

Deutschlands Rotlicht-Szene trägt schwarz. Der Klambt Verlag stellt die “Frauenzeitschrift” Heim und Welt nach Pfingsten ein. Das Heft war bekannt dafür, unter dem Deckmantel einer biederen Frauenzeitschrift Deutschlands größten Stellenmarkt für Prostituierte und Bordelle zu beherbergen. Was machen die denn jetzt? Das ganze Anzeigengeld muss doch woanders hin! Verleger aufgepasst, hier ergibt sich offenbar eine krisenfeste Occasion …

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Jetzt hat es sogar unser Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem Wut-Video zum Viral-Onkel gebracht. Seine Ausraster-Rede sammelte auf der Videoplattform YouTube Millionen Kicks ein. Es tut halt einfach gut, wenn mal ein Politiker nicht in gestanzten Phrasen redet.

Das mit dem Weglassen von Phrasen wäre vielleicht auch ein Pro-Tipp für SPD-Europa-Spitzenkandidat Martin Schulz, der so gerne Kommissions-Präsident werden möchte, weil er ein Deutscher ist.

Wo wir gerade bei Phrasen sind. Springer-Lobbyist Christoph Keese hat offenbar Zeit, seit er geholfen hat, das doofe Leistungsschutzrecht durchzudrücken. Wie ich bei den Wochenrückblickskollegen vom Clap-Clup lese, hat er jetzt ein Buch über seinen Ausflug ins Silicon Valley verfasst. Na, wenn er meint … Aber was Christoph Keese dringend anzuraten wäre, ist ein neues PR-Foto.

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Diese Geste mit den verschränkten Armen. Das wirkt zu machomäßig, zu hart, zu unnahbar. Warum nicht mal einen softeren Touch, einen ganz neuen weicheren Keese 2.0?   

Zum Schluss noch ein nettes Facebook-Fundstück: Mein geschätzter Kollege Kai-Hinrich Renner ist nicht nur Deutschlands “Medienwühlmaus”, wie er manchmal im Scherz genannt wird, sondern auch eine richtige Sportskanone, wie dieser Facebook-Schnappschuss beweist.

Vielleicht sind wir Medienfuzzis ja doch keine so schlimmen Stubenhocker …

Sportliches Wochenende!

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