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“Keep Your Light Shining” – Operation misslungen, Patient entschlafen

Sie brauchen halt das Geld: Moderatorin Annica Hansen, „Keep Your Light“-Sieger Willy
Sie brauchen halt das Geld: Moderatorin Annica Hansen, "Keep Your Light"-Sieger Willy

Über die neue ProSieben-Show “Keep Your Light Shining”, die am gestrigen Donnerstagabend Premiere hatte, gibt es zwei gute Dinge zu sagen: 1. Es gab keine offensichtlichen Pannen mit der Einbindung der App. 2. Die Show war nicht ganz so spektakulär daneben wie die “Millionärswahl”. Darüber hinaus fehlte der Show aber so ziemlich alles, was gutes Fernsehen ausmacht. Vor allem eine ordentliche Moderation.

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Hatte Moderatorin Annica Hansen ihren beeindruckenden Vorrat an Moderationskärtchen etwa in der Frisur versteckt? Das würde zumindest den turmhohen Haar-Aufbau der sehr blonden Moderatorin erklären, die sonst bei “taff” oder “Galileo” für allerlei Schabernack zuständig ist und auch schon mal bei “Das Model und der Freak” auftreten durfte. Ihren ersten Auftritt auf großer Showbühne hätte Frau Hansen stimmlich ein wenig dezenter gestalten können. Sie schien dem Irrglauben erlegen, dass sie die Distanz in unsere Wohnzimmer ohne Zuhilfenahme elektronischer Helferlein überbrücken muss und hat fast die gesamte Sendung über geschrien. Das war nicht angenehm.

Auch an den Fragen an die beiden prominenten “Juroren” hätte jemand feilen können. Irgend jemand. “Wie findest Du die Show”, fragte Annica Hansen abwechselnd den professionell hypergut gelaunten Ricky Martin und die genervte Alina Süggeler von Frida Gold. Ja, wie sollten sie die Show schon finden? Sie wurden schließlich dafür bezahlt, dazuhocken, die Show dufte zu finden und sie durften Promo für ihre neuen Platten machen. Sie brauchen halt das Geld.

Das war vielleicht noch das sympathischste an “Keep Your Light Shining”, wenn man denn unbedingt etwas Sympathisches an diesem überreiztem Klimbim finden will: Diese unverhohlene Fixierung auf den Mammon. Auch den vorab gecasteten Gesangs-Talenten wurde nicht mehr Ruhm und eine – hüstel – “Karriere” versprochen, sondern erfrischend offen einfach “ein Koffer voller Geld” (50.000 Euro). Was soll man sich auch noch vormachen. Teilweise hatten die Teilnehmer schon die Ochsentour in anderen Castinghows hinter sich. Sieger Willy Hubbard tingelte auch schon mal durch “X-Factor” bei Vox. Ein Anderer war Mitglied der Casting-Kombo Overground. Da weißte, wie’s läuft.

Jeweils 30 Sekunden hatten die Kandidaten, um ein Lied zu “performen”, die Zuschauer konnten von zuhause via App oder Computer mit Daumen hoch oder Daumen runter abstimmen, wer weiterkommen soll. Nach jeder Runde schied Jemand aus. Ob der allgemeinen Hektik war nicht immer ganz klar, was das alles gerade bedeutet. Schon machte es Zisch und wieder war einer oder eine weg, dessen oder deren Namen man sich nicht merken konnte.

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Die App-Integration hat scheinbar funktioniert, wobei fairerweise auch anzumerken ist, dass die Pannen-App vom ARD “Quizduell” deutlich komplexer ist. Beim “Quizduell” müssen sie im Zweifel tatsächlich einen App-Teilnehmer als Gewinner ermitteln, ob bei “Keep Your Light …” die eine oder andere Stimme im Digital-Nirwana entschwindet, kann kein Mensch kontrollieren.

“Keep Your Light Shining” ist an dem Konzept der später im Jahr startenden RTL-Show “Rising Star” angelehnt. “Rising Star” ist ein Erfolgsformat aus Israel, für das RTL die Rechte gekauft hat. Bei ProSieben wollten sie nun offenbar schlau sein und haben schnell eine Kopie ins Programm gehievt. Man nehme eine TV-Tingeltangel-Dame als Moderatorin aus dem Fundus, ein paar Menschen aus dem offenbar unerschöpflichen Vorrat aus Gesangs-Talenten, fertig ist die seelenlose, hektisch blinkende 08/15-Show.

Vergessen wurden: Emotionen, Dramatik, Geschichten, die berühren könnten, eine Entwicklung der Kandidaten. All das, was in guten Momenten eine gelungene Casting-Show ausmachen kann, wie beispielsweise “The Voice of Germany”. “Keep Your Light Shining” ist kein neues “The Voice”. “Keep Your Light Shining” ist gar nichts außer hohlem Bling-Bling. Am Ende gab es einen Geldkoffer für den Willy und Alina Süggeler durfte endlich Heim. Die Beteiligten schienen erleichtert, dass es endlich vorbei war. Das kann man nachvollziehen.

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