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ProSieben MAXX-Chef René Carl: „Die Mission lautet 1 Prozent“

Geschäftsführer von ProSieben MAXX: René Carl.
Geschäftsführer von ProSieben MAXX: René Carl.

Seit acht Monaten macht ProSieben MAXX Fernsehen für "Männer und Söhne" und hat einen beachtenswerten Start hingelegt. Im Interview mit MEEDIA zieht Senderchef René Carl ein erstes Résumé, erläutert, welche Baustellen es gibt und wohin die Reise dieses Jahr noch gehen soll.

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Herr Carl, was haben Sie gestern Abend im Fernsehen gesehen?
Nichts, weil ich mit meinem Team unseren Rekordmonat April mit 1,1 Prozent  Monatsmarktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen gefeiert habe. ProSieben MAXX ist der am schnellsten wachsende Sender der neuen Generation. Da gab es mit stimmungsvoller Live-Musik Gin Tonics statt Fernsehprogramm.

Was lief denn gestern Abend bei Ihnen im Programm?
Mittwoch ist unser Abend für High-Class-Drama-Serien. In der Vergangenheit hat sich der Tag schwer getan. Das hat sich geändert, seitdem wir  mit „Stargate Atlantis“ die Farbe Science-Fiction ins Programm genommen haben, gemeinsam mit unseren Signature-Serien wie „Homeland“ und „Sons of Anarchy“. Bereits mit den „Stargate“-Classics haben wir in der Daytime gute Erfahrungen gemacht. Wir erzielen mittlerweile in der Mittwochs-Prime-Time Marktanteile von oft über ein Prozent.

Wie sah der Mittwochabend bei ProSieben MAXX bisher aus?
Am Mittwoch haben wir zum Start des Senders vor allem Serien im Original und mit Untertiteln ausgestrahlt. Marktanalysen und Nachfrage unserer Zuschauer haben uns in diesem einzigartigen Angebot bestärkt. ProSieben MAXX ist schnell gewachsen, die Marktanteile für OmU-Serien wuchsen nicht mit. Ob „Homeland“, „Last Resort“ oder „House of Cards“ – mit Serien im Original mit Untertiteln erreichten wir im Schnitt leider nie über 0,4 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Wo lagen die Gründe, dass das erzielte Ergebnis nicht mit den Marktforschungen übereingestimmt hat?
Ich glaube, aus zwei Gründen: Bestimmt würden viele Zuschauer theoretisch gerne mehr Originalserien sehen.  Bei vielen geht es aber über die reine Absicht leider nicht hinaus. Zum anderen haben Serien im Original natürlich einen hohen  Anspruch. Nicht jeder ist gewillt abends nach einem eventuell anstrengenden Arbeitstag komplexe Serien in Englisch anzusehen.

Die Linearität des TV-Programms wird hier also auch zum Problem.
Das Internet ist natürlich schneller und Nutzer haben sofort Zugriff auf Serien, für die wir zum Beispiel. erst mal Lizenzen erwerben müssen.

Was hat sich nach acht Monaten ProSieben MAXX bewährt?
Ziemlich viel. ProSieben MAXX ist der am schnellsten wachsende Sender der neuen Generation. Wir haben im April nach acht Monaten stabilen Wachstums hervorragende 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen und 1,0 Prozent in unserer Relevanz-Zielgruppe der 30- bis 59-jährigen Männer erreicht. Die Geschwindigkeit des Wachstums hat uns tatsächlich überrascht. Wir haben an die Markenkraft von ProSieben geglaubt.Ddass wir unter allen kleinen Sendern aber am schnellsten wachsen, haben wir nicht gedacht. Inhaltlich funktioniert bei uns z.B. Sci-Fi-Mystery sowohl in der Prime am Montag, aber auch in den Mittagswiederholungen. Ein weiterer erfolgreicher Block ist das YEP! Programm am Tag mit Zeichentrick- und Animé-Highlights. Das Konzept ist aufgegangen, Fernsehen für Väter und Söhne zu machen.

ProSieben MAXX ist aber nicht nur ein Seriensender.
Am Dienstag und Sonntag zeigen wir Hollywood-Blockbuster – durchgehend mit hervorragenden Marktanteilen. Wir erfüllen   hier natürlich den Markenanspruch von ProSieben. Auch unsere Eigenproduktionen funktionieren hervorragend. „Galileo 360°“ erzielt am Donnerstagabend derzeit von Woche zu Woche neue Bestwerte. Auch hier macht sich eine kleine Justierung bezahlt, die wir nach den ersten Monaten vorgenommen haben:. Wir hatten Info-, Doku- und Factual-Formate ursprünglich am Freitag im Angebot, Sitcoms liefen am Donnerstag. Wir haben aber gemerkt, dass der Zuschauer mit mehr Leichtigkeit ins Wochenende starten will und deshalb die Tage getauscht. Am Donnerstag konnten wir seitdem unsere Prime-Time-Marktanteile verdoppeln . Am Freitag wuchsen wir in der Prime-Time um +0,4 Prozent.

Wir haben eben schon kurz über den Nachmittag gesprochen, dessen Bedeutung für ihren Senderschnitt nicht zu unterschätzen ist.
Der Nachmittag ist sicher ein gutes Gerüst, das uns stabile Marktanteile einholt. Unsere Eigenproduktion „Galileo Genial“ erzielt dort Marktanteile von bis zu 3,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, unser großer YEP! Block mit den Animes funktioniert bei Jung und Alt hervorragend. Am 27.6. startet die neue Animeserie „Tenkai Knights“, im Herbst folgen die von den Fans heiß ersehnten neuen Folgen der Kultserie „One Piece“.

Sie haben den Nachmittag sogar noch ausgebaut.
Ja, wir haben den YEP! Block am Nachmittag um eine Stunde ausgebaut und dafür  am Vormittag gekürzt. Am Wochenende läuft das YEP! Programm am Vormittag, später dann Doku-Strecken.

Jetzt heißt es in Ihrem Senderclaim: „ProSieben MAXX. Different“. Man stolpert des Öfteren aber auch mal über Sticoms, die selbst im Hauptprogramm schon hoch und runter laufen – wie beispielsweise „How I Met Your Mother“. Das klingt nach Abstellgleis.
Überhaupt nicht. Unser Anteil an Wiederholungen ist für einen kleinen Sender gering. ProSieben MAXX bietet vielmehr ein hohes Maß an Erstausstrahlungen., High-Quality-Serien wie „The Americans“ oder „House of Cards“ liefen z.B. zum ersten Mal im Free-TV bei uns. Auch unsere Doku-Strecken sind zum großen Teil deutsche Erstausstrahlungen. Dazu kommt im Herbst „Falling Skies“ mit der dritten Staffel als Free-TV-Premiere zu ProSieben MAXX.  Und auch die fünfte Staffel von „Sons of Anarchy“ läuft als Erstausstrahlung bei uns.

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„Stargate“, womit Sie  große Erfolge feiern, kann ich aber auch bei Tele 5 oder RTL II sehen.
Classics zählen zu unserem Programmportfolio, aber nur da, wo sie Sinn machen. Aber auch hier versuchen wir „different“ zu sein und noch nicht gesehenes zu bieten. „Akte X“ gibt es bei uns am Montagabend zum Beispiel erstmals im deutschen Fernsehen in der überarbeiteten HD-Fassung. Bei „Stargate“ können die Zuschauer ihre Lieblingsfolgen auf ProSiebenMAXX.de wählen. Die acht meist gevoteten zeigen wir in einem Marathon am Pfingstmontag.

Inwiefern ist das eigen, wenn Sie auf Markennamen wie „Galileo“ setzen?
Das ist Teil unserer Markenstrategie. Es hilft in der Kommunikation mit einer starken Marke zu starten. „Galileo“ ist eine der prominentesten Wissensmarken im deutschen Fernsehen. Wieso sollte ich das nicht nutzen? Das Format, das wir darunter entwickelt haben, ist ja tatsächlich etwas Eigenes. „Galileo Genial“ spricht gezielt ein jüngeres Publikum an und auch das monothematische „Galileo 360°“ hat einen eigenen Anspruch. Wir werden  auch Formate entwickeln, die kein Spin-Off sind. Für dieses Jahr haben wir noch drei bis fünf in der  Pipe-Line. Konkrete Entscheidungen fällen wir im Sommer.

Planen Sie auch eigene Show-Produktionen?
Wir prüfen Entertainment-Farben. Show gehört zum Markenkern von ProSieben und damit auch zu ProSieben MAXX. Wir sehen uns aber als Start-up und unsere Budgets sind dementsprechend beschränkt. Shows sind nun mal wahnsinnig teuer. Aber langfristig wollen wir das eine oder andere in dieser Richtung entwickeln.

Es müssen ja keine großen Shows sein, die Sie produzieren. „Circus Halligalli“ hieß mal „Neo Paradise“ und lief in einem Spartenkanal. Jan Böhmermann wäre ein anderes Beispiel für gutes und günstiges Entertainment – oder passt das nicht in ihren Markenkern?
Mittelfristig durchaus. Ich könnte mir aber vorstellen, erstmal international erfolgreiche Show-Marken zu lizenzieren und quasi das Original synchronisiert nach Deutschland zu holen.

So wie es der kleine Musiksender joiz das mit Jimmy Fallon gemacht hat.
Selbstverständlich wird es ein Format sein, das zu uns passt. Ich kann mir Programm aus dem Adventure-Bereich vorstellen, das eine männliche Zielgruppe anspricht. Was ich sehr gerne weiterentwickeln möchte, ist das Thema Kochen für Männer. Wir hatten kürzlich einen Piloten zum Thema Grillen im Programm,  „Flames“ mit Jumbo Schreiner. Das hat mit 1,8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen sehr gut funktioniert und ist sicherlich eine Richtung, in die ich weiter nachdenken werde.

In dem Bereich wird es also mehr Eigenproduziertes geben?
Es wird beides geben. Es gibt Farben dieser Art, die ich als Dokus gesehen habe. Das BBC-Format „No Kitchen Required“ haben wir schon lizenziert.

Wenn wir mal über die nahe Zukunft sprechen wollen. Was haben Sie während der Fußball-Weltmeisterschaft geplant?
Wir behalten unser Line-up bei, zeigen zudem an den Samstagen spektakuläre Dokumentationen unseres Partners BBC wie „Great White Shark“ als Free-TV-Premieren. Trotzdem: Wir sind ein Sender, der sich vorwiegend an Männer richtet. Einen neuen Marktanteilsrekord werden wir im Juni sicher nicht feiern. Aber wir haben uns bereits gegen Champions League und Nationalmannschaftsspiele ganz gut gehalten. Es ist für uns das erste Großereignis dieser Art. Deshalb wage ich keine Glaskugel-Prognose.

Wie ist ihr Fazit mit Blick auf die Vermarktung?
Damit können wir uns durchaus zufrieden zeigen. Unsere Planwerte haben wir deutlich übertroffen. Wir haben mittlerweile Werbeblöcke von sechs Minuten. Vor acht Monaten sind wir mit 1,5 Minuten gestartet. Über das starke Marktinteresse freuen wir uns natürlich.

Wie ist ihr Blick auf die Konkurrenz? An Tele 5 sind sie kürzlich vorbeigezogen.
Ich würde den Blick auf die Konkurrenz als interessiert und gelassen beschreiben. Wettbewerb macht Spaß und jeder braucht die Challenge. ProSieben MAXX ist different. Wir sind zwar als Spartensender Unterhaltung angemeldet, im Unterschied zu anderen kleinen Sendern bieten wir aber ein Programm-Angebot in allen Genres.  Ich bin zuversichtlich, dass unser Wachstum weiter voranschreitet.

Welche Ziele haben Sie noch für dieses Jahr?
Die Mission lautet 1 Prozent: Die möchte ich in diesem Jahr knacken.

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