New Family – ein neues Elternmagazin auf E-Book-Basis

Barbara Czermak ist Chefredakteurin von New Family
Barbara Czermak ist Chefredakteurin von New Family

Der digitale Wandel bringt nicht wenige Medienhäuser in Schwierigkeiten, für Einzelne eröffnet er aber auch immer wieder Chancen. Die Journalistin Barbara Czermak, die einst für Burdas das Magazin Focus Schule mit entwickelte, hat das neue Elternmagazin New Family als rein digitales Produkt zusammen mit einigen Kollegen auf den Weg gebracht. Das Heft dreht sich um Bedürfnisse von Alleinerziehenden und Patchworkfamilien und erscheint auf E-Book-Plattformen.

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New Family richtet sich in erster Linie an Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Keine Angst, dass die Zielgruppe zu eng gefasst ist?

Nein, gar nicht. Darin liegt ja gerade der Irrtum: Alle Zeitschriften gehen davon aus, dass die so genannte klassische Familie das Maß aller Dinge ist. Aber das stimmt längst nicht mehr. Allein Patchwork- oder Stieffamilien machen bereits rund 12 Millionen Haushalte bei uns aus. Und knapp zwei Millionen Alleinerziehende bilden gemeinsam mit den bei ihnen aufwachsenden Kindern eine Bevölkerungsgruppe von mehr als fünf Millionen Menschen. Genauso angesprochen von unserem Magazin sind natürlich die zwei Millionen Erwachsenen, meist die Väter, die nach der Trennung nicht mehr mit ihren Kindern leben. Im Übrigen richten wir uns an alle Familien, die neue Wege gehen, so zum Beispiel auch an Regenbogenfamilien. Also, eine größere Zielgruppe gibt es kaum.

Haben Alleinerziehende andere Erziehungsprobleme?

Völlig andere. Weil sie ihre Kinder durch eine komplett andere Welt begleiten. In dieser Realität fahren schon kleinste Kinder jedes zweite Wochenende zu ihrem Vater, manchmal quer durch die Republik. In dieser Realität werden Kinder vor Gericht zitiert, um in Umgangsstreitigkeiten der Eltern befragt zu werden; sie müssen damit klar kommen, dass die Familie ihrer Mutter auf die des Vaters schimpft – oder umgekehrt. Sie müssen sich mit einem neuen Mann an Mamas Seite arrangieren und es wird von ihnen erwartet, sich über das neue Baby ihres Papas mit einer anderen Frau zu freuen… Und so weiter.

Warum ein E-Magazin und keine gedruckte Zeitschrift?

Zwei Gründe. Zum einen sind E-Magazine sicher die Magazine der Zukunft. Als erfahrene Print-Journalistinnen und Journalisten hat es uns gereizt, uns in diesen Bereich einzuarbeiten. Zum anderen sind wir überzeugt, dass Eltern, die naturgemäß viel zuhause sind, über das Internet den schnellsten und einfachsten Zugriff auf für sie interessante Themen haben.

New Familie wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Zeitschrift, die eben „nur“ digital vertrieben wird. Was ist wirklich digital an Ihrem Projekt?

Wie gesagt, wir sind ursprünglich Print-Journalisten. Vielleicht hängen wir deshalb an einem eher klassischen Format… Und ein paar Einfälle, die wir durchaus haben, scheitern vorläufig noch am Geld. Videos etwa.

Welcher Verlag steht dahinter?

Der Münchner Trio-Verlag, ein kleines eBook Start-up Unternehmen, das Autoren beim Selfpublishing unterstützt.

Wie ist die Redaktion organisiert?

Sie besteht aus Top-Journalistinnen und Journalisten, einer Artdirectorin und einer Bildredakteurin. Alle arbeiten hauptsächlich für andere Medien, fest oder frei. Nur für dieses Projekt arbeiten wir zusammen.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Unser „Geschäftsmodell“ sieht so aus, dass wir endlich die Themen aufgreifen wollten, die sonst zu kurz kommen. Und die uns alle beschäftigen. Deshalb haben wir einfach mit diesem Heft losgelegt und hoffen auf ein großes Echo. Je nach Feedback, und nach Verkaufszahlen, werden wir in kürzeren oder längeren Intervallen erscheinen. Themen haben wir jedenfalls für die nächsten zehn Jahre.

Haben Sie versucht, das Konzept einem Print-Verlag anzubieten?

Nein, das haben wir nicht versucht. Für mich persönlich ist gerade das der Reiz an der Sache. Ich habe vor Jahren bereits ein Magazin für einen großen Verlag entworfen und mit auf die Beine gestellt. Es ist angenehm, dasselbe nun einmal sehr direkt, sehr effektiv, und vor allem ohne Machtkämpfe zu tun. Wenn auch in ungleich kleinerem Rahmen.

Ab wann „lohnt“ sich New Family wirtschaftlich?

Wenn wir alle für die Zeit, die wir in dieses Projekt so gerne investieren und für unsere Arbeit angemessen bezahlt werden können.

New Family ist im iBook-Store und im Kindle-Store von Amazon für 99 Cent zu haben. Weitere E-Book-Plattformen wie Thalia, Weltbild, Hugendubel und Google Play sollen folgen.

Die Fragen an Barbara Czermak wurden via E-Mail gestellt.

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