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Selbstkritik bei FAZ-Hackdays: Wie News-Seiten Nutzerdaten weitergeben

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Das Gewinnerteam der FAZ-Hackdays und (u.a.) FAZ.net-Chef Mathias Müller von Blumencron (r.)

So etwas nennt sich unabhängige Entscheidung: Am Freitag und Samstag veranstalteten das internationale Journalistennetzwerk GEN und die FAZ einen Hackday in Berlin. Den Wettbewerb gewann ein Team der Open Knowledge Foundation. Die prämierte Anwendung zeigt ausgerechnet, wie Nachrichtenwebsites wie FAZ.net Nutzerdaten an Drittfirmen weitergeben.

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Die Website, die das Team der Stiftung innerhalb von knapp 30 Stunden entwickelte und programmierte, zeigt eindrucksvoll, wie vielen Unternehmen bzw. Domains Nachrichten-Websites Zugriff auf Nutzerdaten gewähren. „The News read us“ – die Nachrichten lesen uns – heißt das Projekt. Was letztlich eine wenig verhüllte Kritik auch am Mitveranstalter des Hackdays ist, der Frankfurter Allgemeinen.

Es ist aber nicht zuletzt die FAZ, die vor den Gefahren einer zunehmenden Überwachung der Bürger durch mächtige Internetfirmen warnt. Erst vor wenigen Tagen schrieb Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einem Gastbeitrag, dass der Suchmaschinenkonzern Google stärker kontrolliert, eventuell auch das Kartellamt tätig werden müsse.

Nun war Google Mitveranstalter der Hackdays im Vorfeld des GEN-Kongresses in Barcelona. Was wieder mal bestätigt, dass Google von Medienunternehmen seit einer Weile zwar mit viel Misstrauen gesehen wird, dass die (finanzielle) Unterstützung des US-Konzerns aber gern in Anspruch genommen wird.

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Löblich ist, wie unabhängig die Jury des Hackdays das Projekt der Open Knowledge Foundation bewertete. Denn in der Präsentation wird deutlich gemacht, dass beispielsweise FAZ.net 55 Domains Zugriff auf Nutzerverhalten und -daten gibt – von der IVW über Doubleclick und Plista (Werbenetzwerk) bis zu Big Data-Analysefirmen. Bei Welt Online sind’s laut der Anwendung gar 59 Domains, bei Süddeutsche.de 47, bei Spiegel Online 33. Das sei „ironisch“, findet das Gewinnerteam – würden doch gerade Facebook, Google und Co. für ihr datengestütztes Geschäftsmodell kritisiert.

Lob verteilte die Jury für ein „digitales Wimmelbild“ des Teams der Süddeutschen Zeitung und für eine App, die das Team der Rhein-Zeitung entwickelt hat (hier zum FAZ-Bericht). Sie ermuntert Leser, Standorte von Videokameras in Deutschland anzugeben. Weitere Teams  mit je einem Journalisten, einem Designer und einem Programmierer kamen vom Spiegel, N24, von der dpa und natürlich von der FAZ.

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