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“Hotter than my Daughter” – ausgeleiert wie eine alte Unterhose

„Da ist ein Konflikt, der so differenziert ist, dass man ihn textil lösen könnte.“
"Da ist ein Konflikt, der so differenziert ist, dass man ihn textil lösen könnte."

In dem neuen RTL-Format “Hotter than my Daughter” soll Mode-Zausel Guido Maria Kretschmer schrille Muttis und ihre graumäusigen Töchter aufhübschen. Programm ist dabei offenbar, dass die Trash-Muttis in halbwegs menschliche Wesen zurückverwandelt werden und die Töchterlein nur ein bisschen Pseudo-Glamour abbekommen. Was in der Theorie halbwegs unterhaltsam klingt, ist im TV so öde wie ein beiger Hosenanzug.

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Zu allererst der WTF-Moment aus der Auftaktsendung von “Hotter than my Daughter”: Mode-”Guru” Guido Maria Kretschmer beugte sich gaaanz weit nach vorne um die durchgeknallte Hippie-Mutti und ihre vermeintlich spießige Tochter zu begrüßen. Und- Jesses! – da rutscht ihm doch die weiße Calvin-Klein-Unterhose mit rosa Dehnbund kilometerweit aus der Jeans raus. Äh. Calvin Klein Unterhose? Zuletzt wirklich angesagt waren diese Dinger doch als der erste Teil von “Zurück in die Zukunft” im Kino lief. Naja, wir sind ja aber hier nur die Medienfuzzis nicht die Mode-Experten. Also Schwamm drüber.

RTL verlässt sich bei “Hotter than my Daughter” auf die bewährte Guido-Masche: Mutter und Tochter laufen rum und kaufen ein und Guido wird kommentierend eingeblendet. Dabei versprüht er seinen berüchtigten Softie-Spott, der das Format “Shopping Queen” unerklärlicherweise so populär machte. Aber – hach! – ist das alles wieder aufregend. ‘Ne neue Klamotte hier, ‘ne neue Frisur da! Die Damen sind aus dem Häuschen, wenn der Guido im wurstpellenstramm sitzenden Smoking aufparadiert.

Als Nicht-Mode-Experte könnte man freilich finden, dass die erste Tochter, eine ehemalige Bundeswehrsoldatin, nach dem Umstyling doch irgendwie trutschiger und, nun ja, schlechter aussah als vorher. Aber dieser Eindruck ist gewiss nur der Unkenntnis des Medienfuzzis geschuldet. Immerhin lautet das Mission Statement von Mode-Gott Guido: “Da ist ein Konflikt, der so differenziert ist, dass man ihn textil lösen könnte.” Guido Kretschmer schafft es so zu tun, als sei die Wahl einer Hosenfarbe eine ähnliche diffizile und komplexe Tätigkeit wie – sagen wir mal – die Entschärfung einer Atombombe. Und eine von ähnlicher Tragweite.

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An Ende von Runde eins sah die Rote-Zora-Mami deutlich besser aus als die vertruschte Tochter. Das hatte die nun davon, dass sie in einem Format mitmacht, das “Hotter than my Daughter” heißt. Auch in Runde zwei kam die Mutti besser weg. Aus einem in der Tat schaurigen Outfit, das entfernt an die White-Walker genannten Eiszapfen-Zombies aus “Game of Thrones” erinnerte, machte Monsieur Kretschmer eine ansehnliche Kurzhaar-Lady Bascha-Mika-Style. Die blasse Tochter wurde zuerst gequält indem man sie in ein unvorteilhaft Tonnen-haftes rotes Kleid steckte und ihr ohne Scham vorlog, sie sehe gaaanz toll aus. Nachdem Tränchen geflossen waren, durfte die Steuerfachangestellte im Bieder-Glitter auf den Catwalk und stank gegen die optisch wiedergeborene Hot-Mama programmgemäß ab.

Eine Stunde dauerte das Umstyling von zwei Mutter-/Tochter-Pärchen. Die Zeit zog sich wie der Dehnbund einer ausgeleierten Calvin Klein Unterhose, was auch daran liegen mag, dass es nur eine einzige Werbeunterbrechung kurz vor Schluss gab und einem so kaum eine Verschnaufpause beim Lösen der textilen Konflikte gegönnt war. Nach Ansicht der ersten Folge “Hotter than my Daughter” muss man alle Töchter eindringlich warnen, an diesem Format teilzunehmen.

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