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Der stern, die Regierung und der böse Drogen-Algorithmus von Amazon

Wer käme bei sowas schon auf „dumme Gedanken“ …
Wer käme bei sowas schon auf "dumme Gedanken" ...

Da hat der stern in seiner aktuellen Ausgabe ja eine Hammer-Story ausgegraben: Wer bei Amazon nach digitalen Feinwaagen sucht, bekommt auch allerhand Zubehör zum gepflegten Drogen-Konsum empfohlen. Warum das so ist? Der böse Algorithmus ist schuld! Denn offenbar bestellen die meisten Feinwaagen-Käufer auch gerne Hanf-Päcken, Joint-Roller. Cannabis-Zerbrösler und Koks-Röhrchen. Sowas merkt sich der Amazon-Algorithmus. Schon fordert die Bundesregierung, Amazon solle unterbinden, dass seine Nutzer "auf dumme Gedanken" kommen.

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„Beim Online-Händler Amazon werden Kunden gezielt auf Produkte für die Herstellung und den Konsum von Drogen hingewiesen. Das zeigen Recherchen des Hamburger Magazins stern“, heißt es mordsmäßig aufklärerisch in der Pressemitteilung des stern. Dabei dürfte die Funktionsweise des Amazon-Algorithmus nun wahrlich kein Geheimnis mehr sein. Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, haben auch jenes gekauft – und sehr oft liegt der Algorithmus goldrichtig. Wahrscheinlich ist ein stern-Mitarbeiter darüber gestolpert, als für einen harmlosen Zweck eine Digitalwaage bestellt wurde. Nicht wenige Besteller dieser Geräte verwenden sie nämlich zum Abwiegen von Drogen. Wer hätte es gedacht?

Um das herauszufinden braucht es allerdings keine große „Recherche“, wie sich der stern brüstet, sondern zwei Klicks auf der Amazon-Website. Die Produkte, die dort verkauft werden sind legal. Amazon teilte dem stern wenig überraschend mit: „Wir haben Prozesse etabliert, um sicherzustellen, dass keine Produkte angeboten werden, die gegen die Arzneimittelverordnung sowie sonstige Gesetze verstoßen.“

Wozu die angesprochenen Produkte (auch) benutzt werden, kann man sich denken. Wissen kann man es nicht. Man kann bei Amazon übrigens auch Klebstoff bestellen, an dem sich prima schnuppern lässt. Um die Story rund um den Drogen-Algorithmus bei Amazon richtig rund zu bekommen, wurde vom stern flugs noch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), befragt, die sich pflichtgemäß empört zeigte und eine wirklich drollige Forderung parat hat: „Ich fordere Amazon auf, seine Empfehlungsalgorithmen zu überprüfen und so zu gestalten, dass die Nutzerinnen und Nutzer nicht auf dumme Gedanken kommen.“

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Wenn Amazon das hinbekommt – den Algorithmus so zu verfeinern, dass die Nutzer nicht länger auf dumme Gedanken kommen – dann muss man sagen: Chapeau!

Update: Kann auch sein, dass sich die stern-Rechercheure von diesem vier Wochen alten Artikel auf The Atlantic inspirieren ließen. Man kann sich sowas denken. Wissen kann man es nicht.(via)

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