Funkes neuer NRW-Chef Bollmann: Wer hat Angst vorm „Eisenfuß“?

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Kein Wechsel nach Essen: Rolf Bollmann, aka "Eisenfuß"

Publishing "Aufräumer" und "Eisenfuß" wird er genannt. Er sei der "Vollstrecker" von Medienmanager Martin Kall, heißt es über ihn. Er selber sagt über sich: "Einmal Sanierer, immer Sanierer!" Schon klar, dass bei Angestellten der Funke Mediengruppe die Alarmglocken schrillen, seit klar ist, dass Rolf Bollmann Verlagsgeschäftsführer der Zeitungen in NRW wird. In Essen brauche man einen "Profi", sagt Manfred Braun.

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Für große Aufmerksamkeit sorgte zunächst die vergangene Woche durchgesickerte Information, dass Ulrich Reitz als Chefredakteur der WAZ in Essen abgelöst wird. Die mindestens ebenso gewichtige Personalie Rolf Bollmann stand allerdings in der von der Funke-Kommunikation mit Neu- und Umbesetzungen gespickten Pressemitteilung weit oben. Gleich hinter der Information, dass Martin Kall den Aufsichtsratvorsitz bei Funke abgibt und nur noch normales Mitglied des Gremiums ist.

Als Verlagsgeschäftsführer der vier NRW-Zeitungen von Funke ist Bollmann künftig der Manager, der die Keimzelle der einstigen WAZ-Herrlichkeit auf Vordermann bringen soll. Ex-Funke-Geschäftsführer Christian Nienhaus hatte vor vielen Jahren die Unabhängigkeit der vier Redaktionen von WAZ, Westfälischer Rundschau, NRZ und Westfalenpost beendet, als er von Reitz einen zentralen Content-Desk in Essen aufbauen ließ. Hunderte von Mitarbeitern mussten den Verlag verlassen, die alte Ordnung wurde grundlegend umgekrempelt.

Damals sollen alle Blätter mit Ausnahme der WAZ rote Zahlen geschrieben haben. Das zumindest war der Anlass für Nienhaus, das über Jahrzehnte gültige WAZ-Modell – ein Verlag, vier völlig getrennt voneinander arbeitende Redaktionen – zu beenden. Später folgte die Totalentkernung der Westfälischen Rundschau, die seither mit Inhalten von im Verbreitungsgebiet konkurrierenden Blättern bestückt wird. Die alte Renditestärke erreichten die vier Blätter trotzdem nicht wieder. Die Auflagenverluste liegen über dem Branchendurchschnitt.

Es lässt sich nicht behaupten, es habe sich nichts getan in NRW in den vergangenen Jahren. Mit Nienhaus und seinen Co-Geschäftsführern Manfred Braun und Thomas Ziegler lief es aber nicht wirklich rund. Nienhaus ging, nach dem großen Deal, der Übernahme von Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost. Der auch sein Triumph war, hätte sein können. Der Jubel fiel verhalten aus. Mit dem Weggang von Nienhaus und der Demission von Reitz ist die Zeitungsgruppe in Nordrhein-Westfalen nun zumindest für einige Monate in einem Vakuum.

Bollmann hat sich für den 1. August angekündigt. Noch ist er Chef der Basler Zeitung Medien AG. Bollmann, bereits 66 Jahre alt, ist ehemaliger Fußballprofi, der auch ein Spiel für die Schweizer Nationalmannschaft absolvierte. Sein Spitznahme „Eisenfuß“ rührt natürlich auch daher. Bollmann war lange Jahre bei der Tamedia in Zürich „der große Auf- und Abräumer“ von Martin Kall, schreiben Schweizer Mediendienste.

Aber, sagt Funke-Chef Manfred Braun auf Nachfrage: „Wir brauchen keinen ‚Eisenfuß‘, sondern einen Profi, der Lust auf und Gespür für unsere Zeitungen in NRW hat. Wir brauchen einen Zeitungsmanager, der innovativ ist und Spaß daran hat, unsere Titel weiterzuentwickeln und Neues auf die Beine zu stellen. Dass Rolf Bollmann all das kann, hat er in den vergangenen Jahren, u.a. als Erfinder von 20 Minuten und als Geschäftsführer in Basel, bewiesen.“

Bollmanns „vordringlichste“ Aufgabe soll es sein, die Zeitungen weiterzubringen, „Strukturen und Prozesse zu optimieren“, neue Produkte zu entwickeln. Mit Blattmachern und Verlagsteams. Was Braun sagt, ist erst einmal nicht überraschend, die von ihm beschriebenen Aufgaben haben Zeitungsmanager überall auf dem Schreibtisch. Und doch ist klar: in NRW muss sich – wieder mal – etwas tun. Die Rede ist beispielsweise davon, dass der Content-Desk in Essen umgebaut wird. Die einzelnen Zeitungsmarken sollen wieder mehr Gewicht bekommen. Funke-Zeitungen werden nach MEEDIA-Informationen noch stärker als bisher mit Mitbewerbern Kooperationen in Regionen eingehen, wo sie nicht Nummer eins sind. Die Berufung von Andreas Tyrock zum WAZ-Chef spricht für einen stärkeren lokalen/regionalen Kurs, auch im Mantel. „Wir werden gemeinsam mit den Chefredakteuren in den kommenden Wochen auch über den Content Desk diskutieren und danach entschieden, welche Strategie hier eingeschlagen wird“, äußert sich Braun schriftlich gegenüber MEEDIA.

In einem Interview mit dem Branchendienst Persönlich hat Bollmann bereits angekündigt, es gelte, die Rendite der NRW-Zeitungen „zu korrigieren“. Also nach oben zu befördern. Einen kleinen Leistungsnachweis aus seiner Tätigkeit in Basel erbrachte Bollmann in dem Gespräch auch: „Als ich vor 1½ Jahren bei der Basler Medien Gruppe als CEO angefangen habe, waren  mehr als 700 Mitarbeiter auf der Lohnliste, verteilt auf etwa 10 Unternehmensbereiche oder AG’s. Nun gibt es noch die Basler Zeitung mit rund 150 Mitarbeitern, geführt von einer Chefredaktion und einer Verlagsleitung, das genügt.“

Der Ruf des harten Hundes eilt Bollmann voraus. Es wird wehtun. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite haben die Essener alles andere als einen glattgebügelten Nadelstreifenanzugträger zu erwarten. Die Funke Mediengruppe war, ist und bleibt ein ziemlich komplizierter Laden. Das scheint auch Manager anzuziehen, die nicht eben erst der Managerschule entsprungen sind.

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