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Kollegenschelte: Spiegel und ZDF mäkeln über “Team Wallraff”

Günter Wallraff
Günter Wallraff

Günter Wallraff hat mit seinem RTL-Format “Team Wallraff” in jüngerer Zeit für einigen Wirbel gesorgt. Ein Shitstorm über dem Schuh-und Klamottenversender Zalando wurde entfacht. Missstände in Altenheimen wurden aufgedeckt und natürlich wurde die Fast-Food-Kette Burger King mit dem Bericht über Hygiene-Mängel und unwürdiger Arbeitsbedingungen schwer in die Bredouille gebracht. Vom ZDF und vom Spiegel erhält Wallraff dafür eher Kritik statt Applaus. 

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Die Spiegel-Story “‘Danke für das nette Treffen’” versucht, etwas über den Enthüller zu enthüllen und raunt dabei doch nur im Ungefähren herum. Der Spiegel wurde offenbar mit E-Mails und Unterlagen versorgt, die eine mehrere Jahre zurückliegende Zusammenarbeit zwischen Günter Wallraff und dem Burger-King-Konkurrenten McDonald’s belegen: “Interne Unterlagen legen jetzt nahe, dass Wallraff womöglich nicht ganz unbefangen recherchierte.” Beachten Sie bitte die Formulierung “legen jetzt nahe”. Das bedeutet nichts anderes als: Belegbar ist nichts.

Folgende Punkte hat der Spiegel in Sachen Wallraff/McDonald’s ausgegraben:

– 2009 suchte McDonald’s über die PR-Agentur Burson-Marsteller das Gespräch mit Wallraff.

– 2010 traf sich Wallraff mit McDonald’s Vertretern und Leuten der Berufsgenossenschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (MGG) um über die Arbeitsbedingungen in der Fast-Food-Branche zu reden. Für die Teilnahme Wallraffs an dem Gespräch wurde Wallraffs Stiftung 5.000 Euro überwiesen. Der Journalist hat sich dazu am Montag in der Welt geäußert.

– Ebenfalls soll sich Wallraff für ein internes Schulungsvideo von McDonald’s zur Verfügung gestellt haben. Die Aufnahmen wurden dann aber nie verwendet. Das Honorar von 5.000 Euro sei auf Wunsch von Wallraff an eine “hilfsbedürftige Person” überwiesen worden.

– 2011 habe Wallraff McDonald’s bei dem Entwurf einer Mitarbeiterstudie unterstützt.

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Das war’s dann schon. Zwar ist es schon interessant, dass der Mann, der in den 80er Jahren als Türke Ali verkleidet u.a. McDonald’s infiltrierte und dort reihenweise Missstände aufdeckte, Jahre später mit demselben Unternehmen zusammenarbeitet. Andererseits sind die vom Spiegel genannten Engagements von Wallraff bei McDonald’s nun auch eher überschaubar.

Und es ist auch nicht verwerflich, wenn man Jahre später mit Unternehmen ins Gespräch kommt, die man einst kritisierte. Manchmal, nur manchmal, will vielleicht auch ein Konzern was für sein Image tun.

Die gezahlten Honorare hat Wallraff offenbar noch nicht einmal selbst eingestrichen. Das Ganze ist eher eine Randnotiz, die die Leistung des aktuell aufgedeckten Burger-King-Skandals von “Team Wallraff” in keiner Weise schmälert. Dass der Spiegel mit suggestiven Fragen und Formulierungen (“Die Partnerschaft wirft peinliche Fragen an Wallraff auf: Spielte sein Engagement für Mc Donald’s eine Rollen bei den Recherchen zu Burger King?) den Eindruck erweckt, Wallraff habe sich Burger King nur vorgeknöpft, weil McDonald’s seiner Stiftung vor Jahren mal einige tausend Euro gezahlt hat, ist schlicht unlauter und unverschämt.

Als Wallraff-Kritiker profilierte sich am Wochenende auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Das ZDF bekam einige verbale Haue, weil RTL mit der Burger-King-Story ein veritabler journalistischer Scoop gelungen war, während der öffentlich-rechtliche Sender mit dem “Fastfood-Duell” zwischen McDonald’s und Burger King im Format „ZDFzeit” fast zeitgleich nichtsagendes Li-La-Laune-TV ablieferte. Frey Rechtfertigungen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sind erstaunlich. „Wir sind nicht die Stiftung Warentest“, sagt er etwa und, bezogen auf “Team Wallraff”: “Bei aller Anerkennung, was RTL da leistet: Besonders originell sind Themenwahl und Erkenntnisse nicht.“ Stattdessen bescheinigt Frey dem ZDF mit Blick auf die Quoten, dass das Format “ZDFzeit”, ein “schöner Erfolg” gewesen sei. Alles Quote, oder was?

Woher dieser Wille von etablierten Medien, die Leistungen von “Team Wallraff” kleinzumachen und zu diskreditieren? Vom Spiegel hätte man sich mehr Substanz gewünscht, vielleicht auch einen Blick darauf, was diese Wallraff-Stiftung so alles treibt, statt einfach Anschuldigungen und Zusammenhänge zu konstruieren. Und vom ZDF hätte man sich etwas mehr Selbst-Reflexion und Souveränität gewünscht.

“Team Wallraff” macht unterdessen weiter. Heute Abend um 21.15 Uhr soll wieder eine Branche angeprangert werden, in der “Stress, Druck und Unterbezahlung” herrschen. Um welche Branche und Unternehmen es sich handelt, bleibt bis zur Sendung geheim – wohl aus Angst vor Unterlassungsbegehren betroffener Firmen. “Man wird darüber reden”, sagt Wallraff in einem Trailer zur Sendung. Da mag er Recht haben. Vermutlich werden auch viele wieder einschalten. Und einige werden sich vielleicht darüber ärgern: Die betroffenen Unternehmen ganz sicher und vielleicht auch andere Medien, die sich gerne selbst als Hüter der journalistischen Qualität aufspielen.

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