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Betthupferl, Tattoo-Stories und Suff-Talk: Ein Blick in Springers Zuio.tv

Diese Woche gestartet: Springers Moderatoren-Lab Zuio.tv
Diese Woche gestartet: Springers Moderatoren-Lab Zuio.tv

Mit Zuio.tv hat Axel Springer in dieser Woche einen eigenen Web-TV-Kanal gestartet. Die Macher, bzw. Moderatoren der Formate sind die ersten Absolventen von Frank Elstners Moderatorenschule. Mit dem "Moderatoren Start Up", wie sich die Unternehmung selbst nennt, hat der Konzern ein eigenes kleines YouTube-Netzwerk geschaffen. Es fehlt aber ein klares Alleinstellungsmerkmal.

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Eines wird beim ersten Betrachten der Clips sofort klar: Die zehn Absolventen der „Frank Elstner Masterclass“ wollen keine hohen Erwartungen an ihrem Projekt Zuio.tv erfüllen müssen. „Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht“, heißt es in der Beschreibung des neuen Web-TV-Senders aus dem Hause Springer. „Wenn Ihr fertiges Fernsehen wollt, seid ihr hier falsch.“ Das ist völlig richtig. Zuio.tv beschreibt sich nämlich selbst als „Labor“, quasi als Probiersender für Nachwuchs-Moderatoren. Tatsächlich handelt es sich um nichts anderes als eine Video-Content-Plattform, die einem kleinen YouTube-Netzwerk gleicht und sich mit teils inhaltlich gut durchdachten und interessanten Ansätzen, aber auch mit einfachen Kopien der YouTube-Sphäre füllt.

Allein mit Zwillingsschwestern unter eine Bettdecke – was da wohl so geht? Talk natürlich. Für ihr Format „Bettgeschichten“ springen die „Ratiopharm-Zwillinge“ für jede Folge mit einem anderen „Prominenten“ in die Kiste, um in bequemer Lage unbequeme, also schlüpfrige Fragen zu stellen. In ihrem Trailer kuscheln die Twins mit Ex-Dschungelcampern, YouTube-Stars und RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorf, der noch der interessanteste Gesprächspartner von allen sein dürfte. Die Idee hatten schon andere, beispielsweise Redakteure von ZDFKultur. Die ließen schon 2012 Ex-Springer-Schülerin Paula Lambert mit Kerlen zum Talk unter die Decke hüpfen. Mittlerweile ist sie Solo in einer Limousine unterwegs und hält beim Frauensender Sixx Sex-Monologe.

Springers Video-Plattform baut sich aus vier Channels auf, in denen Talkformate wie „Bettgeschichten“, News-,Lifestyle- und Comedyformate ausgespielt werden. In einem fünften Channel, Jobbörse, stellen sich die Moderatoren selbst vor, um für sich zu werben. Die Formate an sich geben nicht viel her. Nichts von dem, was man dort geboten bekommt, ist eine wirklich neue Idee. „Kikki Mora“ aus dem Comedy Channel kann ihr Format in einem Vorstellungsspot nicht mal selbst erklären.

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Wieder um Sex geht es in „Elles et Murielle“, was einer QVC-Show für Sexspielzeug gleicht – nur, dass die Bestellhotline fehlt. Die beiden News-Formate „Die Klugscheisserin“ und „SRSLY“ versuchen es auf Erklärebene. „News anders aufbereitet“ oder „Wissen zum Chef beeindrucken“ heißt das dann. Unterhaltsam könnte die „Letzte Runde“ werden, bei der einer der Nachwuchsmoderatoren Interviews im Suff führt – das erinnert an Olli Schulz und Circus Halligalli. Wie eine Art Abklatsch von den ProSieben-Quatschköpfen Joko & Klaas wirkt „Der Hangout“. Das Format hat aber nichts mit dem gleichnamigen Google-Produkt zu tun. Im „Hangout“ treffen sich drei Moderatoren zu „lustigen Spielen“ und „tollen Themen“. Interessant ist „Hautnah“, wo Geschichten von Menschen anhand ihrer Tattoos erzählt werden.

Zuio.tv besteht aus kleinen Formaten, die einzelnen YouTube-Channels sehr nahe kommen – auch in der Video-, Ton- und Moderationsqualität. Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal muss sich das Team noch überlegen, wenn es sich von etablierten YouTube-Stars abheben will – auch um Zuschauer vor allem auch kontinuierlich auf die eigene Plattform zu ziehen. Der Schritt, die Clips auch über Googles Video-Plattform zu verbreiten, birgt zudem Gefahren in der Masse unterzugehen. Mit Zuio.tv hat Springer aber ein eigenes, kleines YouTube geschaffen, dessen Content und Vermarktung in eigener Hand liegt. Ob es zu einer Vermarktung kommt und wie diese aussehen wird, bleibt abzuwarten. Zudem ist Zuio.tv eine attraktive Lösung, seine Masterclass-Absolventen im eigenen Hause unterzubringen. Immerhin lässt der Konzern seine Schützlinge nach der Ausbildung nicht alleine und bietet ihnen eine Plattform, um sich zu vermarkten.

 

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