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WAZ: Abberufung von Chefredakteur Ulrich Reitz steht bevor

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WAZ-Mann Ulrich Reitz (l.), Nachfolger Andreas Tyrock

Es war zuletzt eher ruhig geworden um Ulrich Reitz, den langjährigen Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Unter seiner Führung rückten die NRW-Zeitungen der Funke-Gruppe zusammen. Nun berichtet der Branchendienst Kontakter, Reitz werde seinen Posten verlassen. Sein Nachfolger soll Andreas Tyrock werden. Ein WAZ-Sprecher dementiert den Wechsel allerdings. Noch.

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Über den Wechsel an der Spitze der Ruhrmetropolenzeitung habe die Gesellschafterversammlung der Funke-Mediengruppe am Dienstag entschieden, schreibt der Kontakter. An der Vermutung, Reitz müsse gehen, sei „nichts dran“, kommentierte Funke-Sprecher Gunther Fessen auf Nachfrage. Nach MEEDIA-Infos ist die Geschichte aber korrekt. Das Verhältnis zwischen Reitz und seinem Arbeitgeber darf man vermutlich mit „abgekühlt“ umschreiben. Reitz kam 2005 zur WAZ-Gruppe, wie das Medienunternehmen einst hieß. Der Ex-Chef der Rheinischen Post war damals für eine ganze Reihe von Jobs in der Medienbranche im Gespräch, immer wieder fielen in spekulativen Artikeln Titel wie Focus oder Welt am Sonntag.

Bei der WAZ in Essen schien sich Reitz aber wohl zu fühlen – er war dort auch lange so etwas wie der primus inter pares in der Riege der Chefredakteure. Sein maßgeblicher Rückhalt in der WAZ-Gruppe war Mitgesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner. Als Christian Nienhaus Geschäftsführer der WAZ-Gruppe neben Bodo Hombach wurde (beide sind inzwischen nicht mehr auf ihren Posten), kam Reitz eine Sonderstellung zu. Er baute vor allem den zentralen Content-Desk in Essen auf, eine Art Mantelredaktion für die vier Titel der WAZ-Gruppe in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig mussten viele Redakteure ihre Redaktionen verlassen. Ob der Content Desk nach dem noch nicht terminierten Abgang von Reitz in der jetzigen Form aufrecht erhalten bleibt ist eher fraglich.

Die verkaufte Auflage der vier NRW-Titel – Westdeutsche Allgemeine, Neue Rhein/Ruhr-Zeitung, Westfälische Rundschau und Westfalenpost – lag im ersten Quartal bei 634.547 verkauften Exemplaren. Getrennt werden die Titel nicht bei der IVW ausgewiesen. Als Reitz 2005 übernahm, waren es noch knapp 991.000 Exemplare. Im Vergleich zum ersten Quartal 2013 verloren die Titel insgesamt 8,5 Prozent an Auflage.

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Nun ist dieser Abwärtstrend nicht Reitz allein anzulasten, die Funke Mediengruppe fährt als Unternehmen seit einiger Zeit einen recht radikalen Sparkurs. Die Redaktion der Westfälischen Rundschau wurde komplett nach Hause geschickt. Eine ambitionierte Dachmarkenstrategie im Netz mit dem Aufbau des übergreifenden Portals DerWesten.de ging nicht auf. Eine journalistische Linie oder eine nennenswerte Strategie für einen modernen Lokaljournalismus wird dem Betrachter von außen auch nach einiger Überlegung nicht erkennbar.

Was natürlich auch richtig ist und bleibt – neun Jahre an der Spitze einer der größten Regionalzeitungen der Republik sind bemerkenswert. Reitz hat nicht nur am Sparkurs der WAZ seinen Anteil gehabt, sondern auch an der Modernisierung des Blattes. Andreas Tyrock steht allerdings mehr als Reitz für einen modernen Lokal- und Regionaljournalismus. Mit dem General-Anzeiger gelangen ihm einige Scoops in der Bundesstadt. Er kam 2008 von der Braunschweiger Zeitung – die seit 2007 zur Funke-Mediengruppe gehört. Tyrock äußerte sich auf eine schriftliche Anfrage bisher nicht. Sein Verlag in Bonn dürfte von der in einer frühen Phase herausgerutschten Personalie kalt erwischt worden sein.

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