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Reaktionen auf Wallraff im Altersheim: Marseille-Kliniken sind nicht Burger King

Schlimme Zustände im Pflegeheim: Das „Team Wallraff“ schleuste sich in Betriebe der Marseille-Kliniken.
Schlimme Zustände im Pflegeheim: Das "Team Wallraff" schleuste sich in Betriebe der Marseille-Kliniken.

Top Quoten, aber weniger Echo: Die jüngste Dokumentation des "Team Wallraff" vom vergangenen Montag hat weniger Reaktionen ausgelöst als die vorherigen Recherchen zu Burger King oder der "Extra"-Beitrag zum Versandhändler Zalando. Drei Gründe, warum der aktuelle Report über die Pflegeheime dieses Mal nicht so hohe Wellen geschlagen hat.

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Am vergangenen Montag präsentierte RTL Ergebnisse einer weiteren „Team Wallraff“-Recherche. Die Investigativ-Mannschaft ermittelte wieder, dieses Mal in zwei Pflegeheimen. Unter dem Motto „Das Pflegedilemma: Am Ende ohne Würde“, schleuste sich eine Reporterin als Praktikantin in zwei Betriebe ein, um die Missstände der Pflegeindustrie aufzudecken. Und – wie zu erwarten – gelang dies: In einem Betrieb der Münchenstift GmbH sowie in einem Berliner Heim der Marseille-Kliniken AG dokumentierte Reporterin Pia Osterhaus, wie lediglich drei Pflegekräfte in der Frühschicht für 37 Senioren zuständig waren – macht 7,5 Minuten pro Bewohner, um die Alten zu wecken, auf die Morgentoilette zu gehen und zu füttern. An anderer Stelle dokumentiert Osterheim, wie Pfleger eine gestürzte Bewohnerin erst fotografieren, bevor sie helfen. In der Berliner Residenz hat man zudem mit dem Norovirus zu tun gehabt. Der getarnten Reporterin wurde mit Entlassung gedroht, falls sie auf die Idee käme, die Behörden zu alarmieren.

Wieder einmal ist es Günter Wallraff und seinem Team gelungen, einen gravierenden Missstand öffentlich zu machen. Obwohl das Thema der Altenpflege und auch würdevolles Altern von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist,  fallen die Reaktionen im Vergleich zum Burger-King-Skandal geringer aus. Die Gründe dafür:

Fast Food ist beliebter als das Altwerden

Das Thema Altern und eine mögliche Pflegebedürftigkeit betrifft zwar im Prinzip jeden. Dennoch wird es von vielen verdrängt oder tabuisiert. Und genau hier könnte ein Grund liegen. Fast-Food-Ketten sind berüchtigt. Ihr Ruf, günstiges Essen auch unter möglichst billigen Bedingungen zu produzieren, eilt ihnen voraus. Die Wallraff-Reportage über mangelnde Hygienezustände in Restaurants eines Franchisenehmers mit über 90 Burger-King-Filialen war Auslöser und Grund für die Zuschauer und Restaurant-Kunden gegen die Kette anzugehen. Anders als bei der US-Kette gibt es beim Thema Pflege keine griffige und allgemein bekannte Marke, auf die sich die Kritik konzentrieren könnte. Zwar gerät auch die Pflegebranche zunehmend unter Druck der Öffentlichkeit. Allerdings hat sie ein bisher eher positives Image. Hinter ihr stehen Menschen, die sich um Menschen sorgen – umso schockierender sind dann die Ergebnisse. Um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen, fehlen Zuschauern und Kunden aber passende Plattformen. Die hat es in den beiden anderen Fällen gegeben.

Marseille-Kliniken und Münchenstift haben keine Auftritte in Sozialen Netzwerken
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Im Gegensatz zu Zalando oder Burger-King haben die betroffenen Heimbetreiber keinen eigenen Auftritt in Sozialen Netzwerken. Die Empörungswellen in den beiden älteren Fällen hatten die Chance so gewaltig zu werden, weil sich Zuschauer und Kunden direkt und öffentlichkeitswirksam an das Unternehmen wenden konnten. Allein Burger King Deutschland verzeichnet mehr als eine halbe Million Fans auf Facebook. Für Social-Media-Nutzer war es in den vergangenen Tagen wohl kaum möglich, von den Hygieneskandalen in der Lebensmittelbranche nichts mitzubekommen. Auf diese Reichweite wird es der aktuelle Skandal wohl kaum schaffen. Will sich ein empörter Zuschauer an das Unternehmen wenden, bleiben nur eine direkte Mail oder ein Anruf. Ersatzweise lassen wütende Nutzer Luft auf den RTL-Plattformen ab. Auf den Facebook-Seiten verschiedener Magazine des Senders laufen seit Montagabend Kommentare ein.

Krisen-PR: Marseille-Kliniken reagierten schnell

Obwohl die Unternehmen nicht auf Facebook angegangen werden können, haben sich die Marseille-Kliniken in Sachen Krisen-PR vorbildlich gezeigt. Innerhalb kürzester Zeit nachdem die Sendung gelaufen war, reagierte das Unternehmen mit einer eigenen Stellungnahme auf der Homepage. Die Aktiengesellschaft scheint die vorherigen Skandale gut beobachtet und daraus gelernt zu haben. Auf der eigenen Homepage haben die Marseille-Kliniken den Reiter „Presse“ farblich markiert. Die Kategorie blinkt immer wieder auf. Dahinter verbirgt sich eine Pressemitteilung (auch der Betreiber des Münchener Heimes hat mit einer Mitteilung reagiert), in der die Kommunikation Stellung bezieht – und Wallraff attackiert. Ein Schuss, der auch nach hinten losgehen kann. Das Unternehmen erhebt Vorwürfe gegen den Rechercheur und RTL. Es sei „sicherlich für jeden nachvollziehbar“, dass „in einem komplexen Gebilde wie in einem Pflegeheim nicht immer alles rund läuft und perfekt ist“. Allerdings handele es sich beim Pflegehaus Kreuzberg „um ein Pflegeheim mit herausragenden Besonderheiten, die in der Berichterstattung von ‚Team Wallraff‘ leider nicht berücksichtigt“ worden seien. „Die Aufnahmen für die TV-Sendungen stammen aus Dezember 2013. Inzwischen wurden nahezu alle der gezeigten Mängel längst beseitigt. Und das noch weit VOR der Ausstrahlung der Sendung.“ Den Vorwurf der nicht gemeldeten Norovirus-Erkrankungen weist das Unternehmen zudem entschieden zurück. „Von den jeweiligen Ärzten der an Durchfall Erkrankten wurde niemals ein Norovirus identifiziert. Gleichwohl hat das Pflegehaus am 17.12.2014 das zuständige Gesundheitsamt vorsorglich darüber informiert, dass einige der Bewohner unter Magen-Darm-Beschwerden litten.“

Mit der Kritik an Wallraff und Sender versucht man, beide offensichtlich in Bedrängnis und Erklärungsnot zu bringen, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Ein potenziell riskanter Schachzug, der angesichts der ausbleibenden großen Empörungswelle in diesem Fall aufgehen könnte.

 

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Alle Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, heute möchte ich mich an das Team Wallraff wenden. Nicht nur in den Marseille Kliniken Kreuzberg oder Oldenburg oder München Stift, ist es katastrophal auch in Niederbayern Landshut im Pflegeheim Senioren Wohnpark, Professor-Schmidtmüllerstr.1. Ich habe meine Mutter 93 Jahre dement in diesem Heim, hier werden die Leute nicht behandelt sondern mißhandelt, zum einen wurde meiner Mutter erst im August 2015 die linke Seite Schulter Oberarm gebrochen, und zwar hat man sie in das Zimmer gefahren mit dem Rollstuhl, da wollte sie nicht rein, sie hat sich dann mit der linken Hand am Schrank festgehalten und dann hat man mit dem Fuß mit karacho den Rollstuhl weiter geschupst und dann war der Oberarm Schulter gebrochen. Zum zweiten wurde ihr jetzt der Oberschenkel gebrochen wo sie auch wieder im hohen Alter operiert werden mußte und das am Hl. Abend sie sitzt seit 2 Jahren im Rollstuhl kann nicht mehr gehen. Schreien die Leute stellt man sie mit Beruhigungs-Säftchen still,so das sie alle schön einnicken und das Personal nicht weiter belästigt wird. Wenn die Dementkranken Leute nichts essen, heißt es magst heute nix, wird es einfach abgeräumt und ab in den Abfall. Es wurde auch meiner Mutter siedendheißer Kinderpunsch mit einer Schnabeltasse an die Lippen gepreßt, sie sollte trinken das Ergeniss war eine Brandblase und es hat sich die Haut von den Lippen Fetzen gelöst. Leute die genügend Geld an die Heimleitung schmieren und an das bestimmte Pflegepersonal abgeben, werden bestens bevorzugt. Es wird sogar Personal eingestellt, von denen kann man sagen mörderisches handeln, den Komapatienten Knochen brechen, Urin zu Trinken geben und Deo in die Augen sprühen. Stehen die Dementpatienten vom Stuhl auf, haut man mit dem Fuß gegen das Stuhlbein, so das der Patient hinplumpst auf die Sitzfläche. Es gäbe noch viel viel mehr zu schreiben aber da würde ein Buch daraus. Es ist schade das durch die „Heimleitung“ das ganze gute und liebevolle Pflegepersonal gegangen ist. Es wollte keiner mehr von denen bleiben sogar der Heimleiter der alles wie eine richtige Familie zusammen hielt wurde rausgeekelt. Mit freundlichen Grüßen Rockmeier Christine

    1. Solange eine ganze Gesellschaft wegsieht, Ärzte weiterhin verantwortlich für Körperverletzung sind, „nach Bedarf“ Neuroleptika telefonisch verordnen, nicht engmaschig kontrollieren, Pfleger schweigen, Angehörige wegsehen…. wird sich nicht ändern.
      Und es fehlt die Basis. Denn im Gegensatz zu Tieren und kleinen Kindern haben alte Menschen keinen offiziellen Schutz.
      „HelpAge“ will diesen weltweit, hat eine Petition gestartet. (online)
      Bitte unterschreiben: Schutz der Altenrechte.
      Die 10 Gründe, die aufgeführt werden, gehen auch darauf ein, dass in der Pflege weggesehen wird.
      Selbstverständlich ist auch im Kinderschutz nicht alles perfekt – aber den haben wir eingefordert. Demenz in den letzten beiden Stadien ist die absolute Hilflosigkeit. „Honig im Kopf“ Filme gucken, Pflegeevents und
      Pflegebusse, die medienwirksam durch die Gegend gefahren sind, können nicht alles sein.
      Thema Pflege und Alter ist nicht sexy und nicht spektakulär – wird aber alle treffen: das Flüchtlingskind, das hier alt wird, die junge Mutter, deren Kind nur noch aufs Smartphone starrt und nicht mehr lernt geduldig zu sein, der aidskranke, junge Mann, dem es jetzt noch gut geht…
      Wir brauchen eine besondere Ausbildung in der Pflege und der Altenbetreuung, keine Einheitsbreiausbildung.
      „Deutschland quält seine Kinder.“ Buch eines Mediengerichtsmediziners.
      An „Deutschland quält seine Alten“ traut sich Michael Tsokos offensichtlich nicht heran. Erkenntnismangel kann es nicht sein.
      Zu meiner Homepage altenlieb: Es war kontraproduktiv, das Wort altenlieb als Wortmarke patentieren zu lassen. Ich wollte Heime, die es benutzen, nicht sind, auffordern können, es zu sein. Damit will ich kein Geld verdienen.
      Wenn es benutzt wird, kommt es in den Duden – und vielleicht schafft Sprache Wirklichkeit. Man kann ja laut Tolstoi ohne Liebe Holz hacken, aber nicht ohne Liebe mit Menschen umgehen – eben auch mit alten.

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