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“Hell’s Kitchen”: ein Show-Aufguss, der nach Verzweiflung schmeckt

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Wenn man längst abgelaufene Ware auf dem Grabbeltisch ersteht, dann Zutaten reinrührt, die einfach nicht passen wollen und dies am Ende mit billiger Fertigsoße zukleistert - kommt dann wohl eine bekömmliche Mahlzeit dabei heraus? Nein, eben nicht. Das hätte man auch bei Sat.1 ahnen können, bevor ein lauer Aufguss der angejahrten Kochshow “Hell’s Kitchen” mit Frank Rosin in Auftrag gegeben wurde.

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“Hell’s Kitchen” ist ursprünglich mal ein TV-Format gewesen, das in Neuseeland erfunden wurde. Dann adaptierte die BBC die Kochshow 2004 mit dem Koch Gordon Ramsay für Großbritannien. Es geht darum, dass ein renommierter Koch mit harter Hand und rauem Ton einer Handvoll mehr oder weniger unfähiger Promis im Schnellkurs das Kochen beibringt. Anschließend muss die Promi-Truppe dann weitere Promis verköstigen. Im Laufe der Jahre wurde das Konzept in Großbritannien mehrfach verändert.

Der “Witz” am Ur-Format ist natürlich, dass der Profi-Koch an den Promi-Kochschülern verzweifelt und die verwöhnten “Celebrities” in der Küchenhitze schuften müssen. Das Format war erfolgreich wanderte auch in die USA und nach Deutschland. Hierzulande lief “Hell’s Kirchen” unter dem Namen “Teufels Küche”  8. bis 21. April 2005 bei RTL mit einem gewissen Christian Rach als Koch. Damals traten u.a. Jenny Elvers-Elbertzhagen, Karl Dall, Erika Berger, Anouschka Renzi und Volksmusik-Sänger Patrick Lindner an. Letzterer gewann die Show. “Teufels Küche” fand bei RTL keine Fortsetzung, Rach begann nach seiner TV-Premiere als teuflischer Koch bei dem Sender dann seinen Siegeszug als “Restaurant-Tester”.

“Rach, der Restaurant-Tester” fand im deutschen TV zahlreiche Nachahmer, u.a. “Rosins Restaurants” bei kabel eins. Und jener Frank Rosin aus dem “Restaurant-Tester”-Abklatsch “Rosins Restaurants” tritt nun heute Abend bei Sat.1 erneut in die Fußstapfen von Christian Rach, diesmal als Chefkoch von “Hell’s Kitchen”. Dabei passt so ziemlich gar nichts. Frank Rosin hat man aus seiner “Restaurants”-Serie als netten Mann in Erinnerung, jetzt versucht er bei “Hell’s Kitchen” den harten Küchenmacker zu geben, der sich nach Format-Drehbuch nur mit “Chef” anreden lässt. Frank Rosin mag ein guter Koch und ein guter Typ sein, als höllischer Küchen-Feldwebel ist er eine Fehlbesetzung.

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Die Qualität der kochenden Prominenz ist über die Jahre auch nicht besser geworden. Hinterm Herd stehen anno 2014 u.a. Niels Ruf (hat Zeit), Christine Kaufmann (war mal irgendwann wirklich prominent), Mickie Krause (ein Jürgen Drews für Arme) und Rapperin “Lady Bitch Ray”. Falls Sie deren jüngsten “Hit” nicht kennen, muss Ihnen das keine Sorgen bereiten. Und das sind noch die “Promis”, die man wenigstens vom Namen her schon mal gehört hat. Ansonsten sind noch dabei: zwei Sportler, eine ehemalige “Miss Tuning” (kein Witz), ein Schauspieler und zwei “TV total”-Maskottchen. Bitter.

Rosin putzt seine Eleven mit einstudierten Sprüchen runter (“Du kannst ja nicht mal Pausenbrot kochen”), die ebenfalls teilweise prominenten Gäste (u.a. der echte Jürgen Drews und die frühere Dschungelcamp-Siegerin Désirée Nick mäkeln drehbuchgemäß am Essen rum. Rosin tut so, als würde er ausrasten. Die Promis tun so, als würde ihnen das etwas ausmachen. Wie man bei Sat.1 auf die Idee kommt, man könnte mit diesem zehn Jahre alten Show-Aufguss sechs Abende lang für zwei Stunden schmackhaft das Hauptprogramm füllen, bleibt die Frage. Die einzig schlüssige Antwort darauf heißt: Verzweiflung.

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