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„Lange Undercover“: Sat.1-Reporter jagt „Abzocker, Dealer, Zuhälter“

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Karohemd-Rechercheur: Daniel Lange bekommt eigenes "Undercover"-Format

Undercover-Formate boomen. RTL feiert mit dem "Team Wallraff" gute Quoten und erntet Anerkennung für Enthüllungen. Es folgt "Undercover Deutschland". Am Dienstag geht auch Sat.1 mit einem eigenen Reporterformat auf Sendung: "Lange Undercover". Der "Akte"-Reporter Daniel Lange jagt "Abzocker, Dealer und Zuhälter".

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Den ehemaligen Polizeireporter Lange hat Sat.1 sich nicht mal schnell als Reaktion auf den RTL-Erfolg eingekauft. Lange arbeitet schon länger für die Sendung „Akte“. „Missstände aufdecken“ lautet seine Mission, Lange sagt: „Ich will, dass sich etwas ändert in Deutschland“. In seiner eigenen Sendung, die Sat.1 recht spät am Abend um 23.15 Uhr zeigt, will er sich auf die Spur von Kriminellen heften. Mal verdeckt, mal offen als Reporter mit Kamera und Mikro. Sechs Folgen hat die „Akte“-Produktionsfirma META productions fertig.

Während sich das „Team Wallraff“ vor allem auf das Aufdecken von schlechten Arbeitsbedingungen bei Firmen wie Burger King und Zalando spezialisiert, also den Blick hinter die Kulissen der modernen Arbeitswelt, ist Lange ein Mann für die eindeutig kriminellen Milieus. Gleich in der ersten Folge begibt er sich auf die Suche nach Menschenhändlern und Zuhälter in Deutschland und Rumänien.

„Lange Undercover“ ist investigativer Journalismus und Privat-TV zugleich. Das heißt: ja, der Film ist so mit Musik unterlegt, dass dem Zuschauer ständig signalisiert wird, dass es jetzt gerade besonders heikel ist, der Reporter womöglich in Gefahr schwebt, oder dass gerade Opfer über ihr Schicksal sprechen und die Betroffenheit groß ist. Und ja, der Mann traut sich tatsächlich was, will etwas herausbekommen. So richtig „undercover“ ist Lange zwar nicht, denn oft tritt er als Reporter, der nicht so leicht zu übersehen ist, auf. Doch er kratzt trotzdem schon ein wenig mehr als nur an der Oberfläche der Realität von Zwangsprostitution in Deutschland.

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Lange selbst gibt nicht den distanzierten Journalisten, sondern macht sich zum Anwalt der Unterdrückten. „Das widert mich an“, kommentiert er im Off, einmal gibt er auf dem rumänischen Land einem Familienvater etwas Geld, aus Mitleid. Emotionen sind ein Teil des Prinzips der neuen Undercover-Formate. Man mag das als auf den Effekt hin produziertes TV sehen. In diesem Fall sind aber Emotionen wie Wut und Mitleid nicht allein auf Quote ausgerichtet.

Natürlich „jagt“ Lange die Hintermänner des Rotlichtmilieus nicht wirklich. Er bringt sie nicht zur Strecke. Aber er kommt doch ansatzweise nahe ran. Gibt sich als Saunaclubbesitzer aus, dem in Rumänien dann tatsächlich eine Frau zum Kauf für 15.000 Euro angeboten wird. Spricht im Hochsicherheitstrakt mit verurteilten Menschenhändlern. Das ist zu wenig, um wirklich davon zu sprechen, dass hier jemand ein System aus den Angeln heben könnte. Aber: der Sendung gelingt es immerhin, mehr Aufmerksamkeit auf ein relevantes, vielleicht auch von anderen Medien vernachlässigtes Thema zu lenken. Der Zweck, manchmal heiligt er doch die Mittel.

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