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Die kurze, tragische Medienkarriere des Cornelius Gurlitt

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Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt auf dem Spiegel-Cover

Bis vor etwa einem halben Jahr kannte kaum jemand Cornelius Gurlitt. Dann gingen Gurlitts Name und Foto um die Welt, weil in seiner Wohnung ein riesiger Kunstschatz gefunden worden war. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Sohn eines Kunsthändlers zu einer von den Medien belagerten Figur. Doch Gurlitt wollte nur alleine sein. Am Dienstag starb er mit 81 Jahren in München.

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Der Focus hatte als erstes Medium den Bilderfund am 3. November vergangenen Jahres öffentlich gemacht. Durchsucht worden war die Wohnung Gurlitts in Schwabing bereits im Februar 2012, doch der Fund blieb zunächst geheim.

Nach dem Bericht des Focus ging die Nachricht von den über 1.000 entdeckten Kunstwerken, die von Gurlitts Vater stammten, der wiederum Geschäfte mit den Nazis gemacht hatte, um die Welt. Innerhalb von Stunden waren auch Zeitungen beispielsweise in den USA auf dem Plan. Raubkunst, und eine ganze Reihe von den Bildern fällt vermutlich in diese Kategorie, ist auch ein in den USA viel beachtetes Thema.

Den Erstling-Scoop landete der Focus, den Anschluss-Scoop der Spiegel. Denn die große Reportage über das „Phantom“ Gurlitt hatte der Spiegel. „Die Liebe seines Lebens“ heißt die Geschichte, die am 18. November 2013 erschien – und für die Autorin Özlem Gezer eine Nominierung für den Nannen-Preis erhielt (die Verleihung des Preises mit Bekanntgabe der Gewinner ist am 16. Mai).

Gurlitt hatte der Spiegel-Reporterin damals gesagt: „Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir? Ich bin doch etwas ganz Stilles. Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen.“ Das war freilich nicht mehr möglich. Gurlitt war mit einem Schlag zu einer Person des öffentlichen Interesses geworden. Vollkommen zu Recht, handelte es sich bei dem Fund doch um eine Sensation. Nicht minder neugierig machte die Person Gurlitt. Ein Teil der Faszination, die von dem alten Mann ausging, hatte mit der Diskrepanz zwischen seiner bisherigen weitgehenden Anonymität und seinem spektakulären Kunstschatz zu tun.

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Es ist nicht unüblich, dass Personen, die bis zu einem Tag relativ unbehelligt von ihren Mitmenschen durchs Leben gehen können, mit einem Schlag bekannt werden. Gewollt oder ungewollt, geplant oder überraschend. Für diese Menschen ist es vermutlich zunächst wie ein Schock, plötzlich Millionen von Menschen förmlich gegenüberzustehen, sich im sprichwörtlichen Licht der Öffentlichkeit wiederzufinden. Selbst, wenn sie auf ihre 15 Minuten Ruhm gewartet, vielleicht sogar darauf hingearbeitet haben.

Doch vermutlich kaum jemand, der plötzlich und unerwartet zur Weltbekanntheit wurde, hat eine Geschichte wie die von Cornelius Gurlitt. Der kaum Kontakte pflegte, der für sich lebte, mit seinen unglaublichen Bilderschätzen, die er als „Liebe seines Lebens“ bezeichnete. Für Gurlitt war der Fund die Vertreibung aus dem Paradies, für die Medien war er wie die Entdeckung einer ganz scheuen Kostbarkeit. Ein Mensch wie ein nahezu unbeschriebenes Blatt – und doch mit einer Biografie, aus der ein Roman, ein Film gemacht werden könnte.

Cornelius Gurlitt hatte sich Anfang des Jahres einer Operation am Herzen unterziehen müssen, er war ein kranker Mann. Spiegel Online schreibt, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten ihm „gesundheitlich schwer zugesetzt“.

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