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„Zu kritisch“: Stiftung Warentest gerät zunehmend unter Druck

Stiftung-Warentest- Vorstand Hubertus Primus
Stiftung-Warentest- Vorstand Hubertus Primus

Ausgerechnet zum fünfzigsten Jubiläum: Das Bild der ehemals für unabhängige, gute Warentests bekannten Stiftung Warentest bekommt weitere Risse. In der Welt am Sonntag haben sich etliche Wissenschaftler zur Urteilspraxis der Verbraucherorganisation geäußert. Das einhellige Urteil: Verbraucher würden verunsichert.

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„Problematisch kann es sein, wenn die Stiftung ihre Testergebnisse so kommuniziert, dass diese zu vermeintlichen Gesundheitsrisiken aufgeblasen werden“, zitiert die WamS Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Seit Jahren schon würden Wissenschaftler und Konsumgüterhersteller darüber diskutieren, ob die Urteile der Stiftung Warentest eventuell nicht zu streng seien. So hatte vor wenigen Wochen Saarlands Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) nach einem Treffen mit Spielzeugherstellern mehr Transparenz bei der Urteilspraxis der Stiftung gefordert: „Wenn Wächter wie die Stiftung Warentest hohe moralische Maßstäbe anlegen, müssen sie diese auch gegen sich anlegen lassen.“

Laut dem Springer-Blatt würden unabhängige Tester einige Urteile der Stiftung Warentest anzweifeln. Die angegebenen Warnungen, etwa bei einem Babygreifring und einem Fruchtsaft-Vergleich, seien nur bedingt haltbar.

Ins Wanken geriet das Bild vom immer korrekten Verbrauchermagazin vor wenigen Monaten, als Stiftung Warentest der Schokoladenmarke Ritter Sport vorgeworfen hatte, auf chemische Aromastoffe zu setzen. Die Note: mangelhaft. Der Lebensmittelhersteller zog vor Gericht und gewann. Die Richter beurteilten das Testergebnis als „unfair“. Stiftung Warentest durfte nicht mehr behaupten, bei Ritter Sport kämen chemische Aromen zum Einsatz.

Stiftung Warentest hält Grenzwerte für „zu lasch“
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Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) stimmt seinem Kollegen zu, allerdings sei es auch die Aufgabe der Stiftung, als „Anwältin der Verbraucher“ auf niedrigere Grenzwerte hinzuweisen und damit politische Diskussionen anzustoßen. Laut Wittkowski liege die Verantworung dafür allerdings nicht bei den Warentestern.

Diese halten derweil dagegen und empfinden gesetzliche Grenzwerte teilweise als „zu lasch“. „Gerade bei ‚mangelhaft‘-Urteilen gehen wir ganz sicher, dass die Testergebnisse stimmen und gerechtfertigt sind. Wir orientieren uns immer daran, was der Verbraucher von einem Produkt erwartet“, erklärt Stiftung-Warentest-Vorstand Hubertus Primus. Michael Braungart vom Hamburger Umweltinstitut spricht hier allerdings vom Schüren von „Ängsten unter den Verbrauchern, die teils völlig unberechtigt sind.“

Unter Wissenschaftlern und Politikern ist die Rolle der Warentester momentan umstritten. Ganz anders bei den Verbrauchern. Dort genießt die Stiftung weiterhin großes Vertrauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Public-Relations-Interessenverbandes GPRA. Demnach würden 82 Prozent der Befragten der Stiftung großes bzw. sehr großes Vertrauen entgegenbringen.

Für die Warentester kommt die Kritikwelle zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. 1964 wurde die Verbraucherorganisation ins Leben gerufen und feiert in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. 1966 ging das erste test-Heft in den Handel. In der IVW ist „test“ aufgrund der Werbefreiheit nicht gelistet. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse vom Juli 2013 erreicht das Blatt 3,51 Millionen Leser – 4,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

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