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NZZ-Chef: E-Paper lesen ist wie Oper übers Telefon hören

Veit Dengler: Vor seiner Berufung zum CEO der NZZ war er Manager bei Groupon
Veit Dengler: Vor seiner Berufung zum CEO der NZZ war er Manager bei Groupon

Die Neue Zürcher Zeitung will sich dem Branchentrend verweigern - und keine Stellen in Redaktionen abbauen. Stattdessen, sagte der CEO des Medienunternehmens Veit Dengler beim European Newspaper Congress, werde er in Qualitätsjournalismus investieren. Was für Traditionstitel wie die NZZ einmal keiner Betonung wert gewesen wäre, wird zur Nachricht.

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Dengler war Manager bei Groupon, seine Berufung zum Chef der ehrwürdigen NZZ war eher eine Überraschung. Möglicherweise auch darum präsentiert sich der Österreicher jetzt als Mann der digitalen Welt, der mit seinem Know-how den Qualitätsjournalismus (und nicht etwa den Rabattjournalismus) zu einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell machen will.

Bei dem Zeitungskongress, der zum zehnten Mal in Wien über die Bühne geht, befand Dengler, ein Teil der Verlage befände sich noch immer in einer Art „Veränderungsstarre“. Diese Phase anhaltenden Stillstands nützten Startups, um Lücken zu füllen. Es gelte für Verlage, sich jetzt „aufzurappeln“ und neue Produkte zu entwickeln.

Wie genau die Strategie von Dengler aussieht, wurde nicht im Detail klar. Der CEO sagte, die Produktion der Inhalte werde von der Bespielung der einzelnen Kanäle entflochten. Mit anderen Worten: Inhalte werden plattformunabhängig erstellt und müssen entsprechend auf Plattformen von Print bis zu allen digitalen NZZ-Angeboten verteilt werden. Radikal neu ist so eine Vorgehensweise nicht. Peter Hogenkamp, der bis zum vergangenen Jahr Digitalchef der NZZ war, hatte das bis dahin eher strukturkonservative Haus bereits auf neues Denken eingestellt.

Dengler sagte, er werde weder auf eine stärkere Abhängigkeit von Werbung setzen, noch auf eine Quersubventionierung der Zeitung durch den Aufbau neuer medienfremder Geschäftsmodelle. Die gerade heftig diskutierte Werbeform des Native Advertising lehnt Dengler für die NZZ ab, sie täusche die Leser, indem Werbung als redaktioneller Inhalt ausgegeben werde. Für Boulevardzeitungen allerdings könnte das Format funktionieren, meinte der Manager. Subtext – sollen sich die anderen ihren Ruf ruinieren, wir nicht.

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Die Zahl der digitalen Abos steige und liege nun bei 18.000, allerdings inklusive der E-Paper-Ausgaben. Noch aber seien vor allem diese Formate Abbilder der bestehenden Zeitung. „Das ist noch wie Oper übers Telefon hören“, bemühte Dengler einen Vergleich. Das Ziel sei vielmehr, „technologisch kompetent“ zu werden. Dazu gehöre, neue Produkte wie neue Formate zu erfinden, für die verschiedene Nutzergruppen zu zahlen bereit seien.

Damit lag Dengler ganz auf der Linie von Google News-Chef Richard Gingras. Die Definition eines erfolgreichen Medienprodukts habe sich geändert, sagte der ehemalige Chef des Onlinemagazins Salon. Die New York Times habe das beispielsweise mittlerweile verstanden, entwickele Food-Apps, eine Kommentar-App, zuletzt die Anwendung NYT Now. Die eine Antwort auf ein funktionierendes Geschäftsmodell gebe es nicht mehr. Aber er sei sicher, sagt Gingras, dass die Zukunft des Journalismus besser werde als seine Vergangenheit.

Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Oberauer organisiert. Eine Jury hat in diesem Jahr als „beste europäische Zeitungen“ ausgezeichnet: de Volkskrant, Niederlande (Kategorie überregionale Zeitung); Leeuwarder Courant, Niederlande (Regionalzeitung); Hallingdolen, Norwegen (Lokalzeitung); Welt am Sonntag (Wochenzeitung).

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