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SWR verkohlt Hörer mit aufgezeichnetem “Live-Interview”

Hörer verkohlt: die SWR3-Grillparty
Hörer verkohlt: die SWR3-Grillparty

In diesem Wochenrückblick: Der Südwestrundfunk kennt keine Scham und zeichnete ein Bilanz-Interview zu seiner SWR3-Grillparty einfach mal dreist auf, bevor das Event überhaupt stattfand. Ein witzig gemeintes Video erklärt den Springer-Funke-Deal. Und der Kai der Woche ist wieder da.

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Ach, Radio. Der Hörfunk könnte so ein tolles Medium sein: superschnell, super-emotional, ultramobil. Aber leider, leider gibt es da diese Krankheit namens Formatradio, bei der sich jede Welle anhört, als sei sie einmal durch den Mischmaschmixer eines x-beliebigen Programmberaters gelaufen gelaufen. Formatradios mit ihren durchgestylten Playlists, Mini-Moderationen, dem Haudrauf-Humor, Gewinnspiel-Overkill und Event-Effekheischereien mögen laut Hörerzahlen erfolgreich sein. Gut sind sie darum noch lange nicht. Bei Privatradios mag das unter dem Gesichtspunkt des Kommerzes noch zu rechtfertigen sein. Aber die öffentlich-rechtlichen Radiostationen sollten sich dem Formatradio-Wahnsinn verweigern. Tun sie aber nicht. Die populären, reichweitenstarken Wellen wie SWR 3 sind von Privatradios nur noch dadurch zu unterscheiden, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben. Und es wird noch schlimmer: Die Website Fair-Radio.net berichtet von einem Fall, in dem die Fake-Unsitten des Formatradios sogar in das eigentlich noch seriös geglaubte Info-Radio hineindiffundierten. Am 1. Mai ging mal wieder die SWR3-Grillparty über den Sender. Der Südwestrundfunk macht aus der feiertäglichen Vergrillung mittlerweile ein crossemediales Spektakulum im Rundfunk, Online und im SWR-Fernsehen. Dafür durfte SWR-TV-Moderatorin Lena Ganschow sechs Stunden am Stück von der Holzkohlefront berichten. Und weil man sich beim SWR nicht dafür zu Schade ist, auch das eigene Infoprogramm für Selbstbeweihräucherungs-PR zu räumen, war die Grill-Bilanz der Frau Ganschow Thema im Medienmagazin bei SWRinfo. Blöd nur: Das vermeintliche Bilanz-Interview war vor der Vergrillung aufgezeichnet worden. Der entsprechende Podcast wurde versehentlich zu früh veröffentlicht und so ist die Sache bei Fair-Radio.net aufgeflogen.  “Kann ich bestätigen, das war lecker”, sagt SWRinfo-Moderator Martin Kilgus zum vergrillten Spargel-Gulasch bevor überhaupt gegrillt wurde. Peinlicher geht’s kaum noch. Der SWR hat sich in einem Tumblr-Beitrag mittlerweile flapsig für die Sache entschuldigt: “Liebe Medieninteressierte, wir entschuldigen uns ausdrücklich für die versehentliche vorzeitige Publikation unseres Medienmagazins als Podcast. Es ist ein journalistisches No-Go. Fehler passieren und auch wir sind nicht davor gefeit. Wir gehen der Sache nach. Nachtrag: Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich meinen wir mit “journalistischem No-Go” auch die Voraufzeichnung eines solchen Interviews.” Tja, liebe Medieninteressierte, so einfach geht das. Und die vorsätzliche, dreiste Vergackeierung der Hörerschaft, das war halt so ein blöder Fehler. Kann ja jedem mal passieren. Nein, eben nicht! Wenn der Rundfunk, der öffentlich-rechtliche zumal, so weitermacht, verspielt er nichts weniger als seine Daseinsberechtigung.

Der Mega-Medien-Deal zwischen Axel Springer und der Funke Medien Gruppe (ehemals WAZ Gruppe) ging diese Woche beim Kartellamt weitgehend durch. Die Verlagsgruppe Klambt übernimmt acht der im Paket enthaltenen Programmzeitschriften und verlegt diese an den Klambt-Standort Baden-Baden. Damit geben sich die Wettbewerbshüter, die ein Problem damit hatten, dass Funke alle Springer-Programmzeitschriften bekommt, zufrieden. Unterdessen taucht bei YouTube eines dieser mit dem Dienst Simpleshow erstellten “lustigen” Erklärvideos auf, das den Deal zwischen Springer und Funke im “Sendung mit der Maus”-Stil erklärt. Im Video wird die Liebesgeschichte zwischen dem “schönen Axel” mit seinen “geilen Schuhen” und der “schlauen Funki”, einer WAZ-Redakteurin erzählt. Eingestellt wurde das Video vom Account Funke Mediengruppe. Besonders witzig ist das Video freilich nicht geraten. Eher bemüht witzig. Sehr bemüht. Das spricht dafür, dass der Account echt ist.

Kai Diekmann

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Hurra! Diese Woche haben wir wieder einen Kai der Woche. “Der Kai” wurde in der Emma als Bartmann mit keinem geringeren als George Clooney verglichen und er teilt das der Welt natürlich sofort via Twitter mit. Also, “der Kai” natürlich, nicht George Clooney. Zu alter Form hat der Socialmedia Silberrücken von der Bild in Sachen Ego-Boosting aber leider immer noch nicht zurückgefunden.

Schönes Wochenende!

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