Medien-Revolution: Wie Heftig, Likemag & Co. das Social Web erobern

Neue Macht bei Facebook & Co.: Websites wie Heftig, Likemag und StoryFilter
Neue Macht bei Facebook & Co.: Websites wie Heftig, Likemag und StoryFilter

Publishing Seit einigen Wochen sorgen neue Websites wie Heftig, LIkemag und Storyfilter.com in den sozialen Netzwerken für Aufsehen. Ihre Inhalte werden zigtausendfach geliket und geteilt, sind zum Teil schon erfolgreicher als Spiegel Online und BIld.de. Das Prinzip ist so einfach, wie genial: Mit reißerischen und neugierig machenden Headlines verleiten sie zum Klicken.

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In der aktuellen Top 25 der Geschichten mit den meisten Likes, Shares, Tweets, +1-Klicks, etc. der vergangenen 30 Tage finden sich in den Social-Media-News-Charts von 10000 Flies derzeit 15 Artikel der drei genannten noch sehr neuen Websites, in der Top Ten ganze neun. Heftig im April Platz 1 im Like-Medien-Ranking (hier die März-Ausgabe) erobern und damit Giganten wie Spiegel Online und Bild.de verdrängen. Das LikeMag wird sich aller Voraussicht nach auf Platz 5 finden und StoryFilter wird den im vergangenen Monat eroberten Top-30-Platz in etwa bestätigen. Über 1,8 Mio. Reaktionen in den sozialen Netzwerken hat allein Heftig im April erreicht – und das mit nur etwa 100 Artikeln. Ein solcher Erfolg wird die deutsche Medienbranche nicht kalt lassen.

Seit in den USA Websites wie BuzzfeedUpworthy und viele andere aufkamen, war es nur eine Frage der Zeit, bis es in Deutschland Nachahmer und Kopien geben würde. Große Verlage arbeiten gerüchtehalber daran, doch kleine – zum Teil mysteriöse – Anbieter kamen ihnen nun zuvor: Heftig, das LikeMag und Storyfilter.com. Die beiden letztgenannten kommen interessanterweise aus der Schweiz, in der es nicht erst seit Blick am Abend und watson.ch die interessantesten Medien-Neustarts der jüngeren Vergangenheit zu geben scheint.

Insbesondere die Seite mit dem Namen Heftig ist unfassbar erfolgreich – und das nicht nur bei 10000 Flies. Laut der im Allgemeinen recht zuverlässigen Hochrechnungen von SimilarWeb überholte Heftig in Sachen Visits im März – wenige Wochen nach Start – bereits solche Klick-Größen wie Handelsblatt.com und RP Online. Bei Facebook verfügt Heftig bereits über fast 500.000 Fans – und es kommt fast täglich eine fünfstellige Zahl hinzu. Da über 90% dieser Fans aus den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz stammen, gibt es auch keinerlei Hinweise oder Indizien, dass bei den Zahlen nachgeholfen wurde.

Gelungen ist das weniger mit „heftigen“ Themen, sondern eher mit Kuriosem und Pseudo-Kuriosem. Die Headlines der Heftig-Texte sind so formuliert, dass viel versprochen und oft nicht ganz gehalten wird. Typisch wie bei Upworthy & Co. heißt es da in Headlines: „Dieser Straßenmusiker bekam Kleingeld von einem Mädchen. Was danach geschah, hat die ganze Stadt verblüfft.“ oder „Eine Frau lernt einen obdachlosen Mann in Brasilien kennen. Ich hätte nie erraten, was als nächstes passiert.“ Doch zu groß scheint die Enttäuschung der Leser nicht zu sein, wenn sie auf die Headlines klicken, denn sonst wären nicht solche gigantischen Weiterempfehlungsraten zustande gekommen.

Ziemlich mysteriös ist im Fall von Heftig – und im Gegensatz zu den schweizerischen Websites LikeMag und Storyfilter – wer hinter der Seite steckt, die das Netz so schnell erobert. Im Impressum wird eine Firma im zentralamerikanischen Kleinst-Staat Belize genannt, die Domain .co stammt aus Kolumbien. Kein einziger Mitarbeiter ist bisher in Erscheinung getreten. Weitere interessante Recherchen hat Lars Wienand für die Rhein-Zeitung unternommen – doch auch er kam den Betreibern nicht auf die Spur. Laut seinem Artikel sind viele der Heftig-Inhalte mindestens inspiriert, wenn nicht dreist kopiert von englischen Angeboten wie viralnova.com. Aktualität spielt bei den meisten Geschichten keine Rolle, der Kuriositäts-Faktor ist der entscheidende. Mit Journalismus haben die Seiten auch nicht viel zu tun. Dennoch: Sämtliche große Verlage dürften spätestens jetzt überlegen, wie sie solche komplett auf den Erfolg in sozialen Netzwerken konzentrierten Angebote auch selbst an den Start bringen können. Die spannende Frage ist: Sind Heftig & Co. nur ein kurzfristiges Phänomen, das schnell wieder verschwinden wird, weil die Lust an den immergleichen Headlines abnehmen wird? Es sieht eher nach einer kleinen Medien-Revolution aus.

[Anmerkung: Dieser Artikel erschien zuvor in ähnlicher Form im Blog von 10000 Flies – ich, MEEDIA-Autor Jens Schröder, bin Mitbetreiber von 10000 Flies.]

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Alle Kommentare

  1. Was aber ist mit den (mehr oder massiven) Urheberrechts-Verstößen, die im Artikel, die die Macher der Seite begangen haben? Können wir dazu mehr Informationen bekommen? Ein einfaches „offensichtlich auch mit Inhalten eindeckt“ reicht hier wohl nicht.

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