Anzeige

Wegen Abschreibereien: Verlag nimmt „Seeschlachten“-Buch vom Markt

Grosse-Seeschlachten-Wikipedia.jpg

Der Verlag C.H. Beck hat mitgeteilt, das Buch "Große Seeschlachten. Wendepunkte der Weltgeschichte" vom Markt zu nehmen. Grund ist, dass Teile des Buches aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia und bei einem anderen Autoren abgeschrieben wurden. Der Fall ist besonders peinlich, weil das "Seeschlachten"-Buch von zwei namhaften Historikern verfasst und in einem sehr renommierten Verlag veröffentlicht wurde. Ausgelöst wurde die Plagiats-Affäre durch einen Facebook-Post.

Anzeige
Anzeige

Der studierte Geschichtswissenschaftler Arne Janning hatte den „Seeschlachten“-Autoren Arne Karsten und Olaf Rader auf Facebook am 22. April vorgeworfen, ihr Buch „vollständig aus Wikipedia-Einträgen  zusammenkopiert“ zu haben und dafür vier Stellen beispielhaft zitiert. Den Vorwurf, dass das Buch „vollständig zusammenkopiert“ sei, relativierte Janning in einem späteren Kommentar wieder. Allerdings war offensichtlich, dass sich die von ihm zitierten Textstellen aus dem Buch und aus Wikipedia-Einträgen fast komplett glichen.

Der Verlag C.H. Beck nahm die Vorwürfe zum Anlass, das „Seeschlachten“-Buch mit zwei Plagiatsuchprogrammen zu überprüfen. Dabei kam der Verlag zu folgendem Ergebnis: In den sechs Kapiteln, die von Arne Karsten verfasst wurden, ließen sich keine nicht gekennzeichneten Text-Übernahmen finden, außer bei zwei Bild-Unterschriften, die aber von Co-Autor Olaf Rader stammen. In den Kapiteln, die von Rader verfasst wurden, wurden die Suchprogramme dagegen fündig. So gebe es im 1. Kapitel „Salamis“ auf 29 Druckseiten rund 13 Stellen mit 3.000 Zeichen, die größtenteils aus dem Wikipedia-Artikel zur Schlacht bei Salamis stammen. Das entspreche etwa fünf Prozent des gesamten Kapitel-Textes. Weitere Übernahmen, allerdings in geringerem Umfang, fanden sich in den Kapiteln 2 bis 5 von Olaf Rader. Als „besonders problematisch“ bezeichnet der Verlag Kapitel 9 „Trafalgar“. Der Schlachtverlauf werde dort angelehnt an einen 2003 von Thomas Siebe im Internet veröffentlichten Artikel namens „Mythos Trafalgar“ erzählt. Rund zehn Prozent der Formulierungen seien „sehr ähnlich“ so der Beck-Verlag (hier die vollständige Pressemitteilung des Verlags als PDF).

Der Verlag entschuldigt sich für die nicht kenntlich gemachten Übernahmen und auch Olaf Rader bedaure dies „zutiefst“. Rader ist Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Allerdings relativiert der Verlag das Eingeständnis sogleich. Es sei unklar, ob die Übernahmen urheberrechtlich von Belang seien. Außerdem habe sich Rader mit Thomas Siebe darüber „verständigt“, dessen Artikel „Mythos Trafalgar“ zu nutzen. Unklar bleibt freilich, wann diese „Verständigung“ stattgefunden hat. Beck schreibt weiter: „Während man darüber streiten kann, wie originell Formulierungen zu technischen Details sind,  über die man sich auch in anderen Artikeln und Büchern informieren kann, entspricht die nicht  kenntlich gemachte auch darstellerische Orientierung eines Kapitels an dem Artikel eines anderen  Autors zum gleichen Thema keinesfalls den Ansprüchen des Verlags an sein Programm.“

Anzeige

Eine eher laxe Auslegung wissenschaftlicher Zitierpraxis, möchte man meinen. Gleichzeitig kritisiert der Verlag, die Art und Weise der Kritik Jannings und die frühe Veröffentlichung: „Das Vorgehen, pauschalisierende Behauptungen in die Welt zu setzen, ohne diese hinreichend zu belegen, ist nicht akzeptabel. Die Autoren haben rechtliche Schritte gegen Arne
Janning eingeleitet.“ Der C.H. Beck Verlag schließt seine Einlassungen mit der Erkenntnis, dass über die Rolle des Internets und insbesondere der Wikipedia in der Wissenschaft diskutiert werden müsse: „Jeder  benutzt sie, keiner zitiert sie – das scheint bisher die Devise zu sein. Wissenschaftler und Verlage  sollten ihren Umgang mit der Online-Enzyklopädie klären. C.H.Beck ist gerne bereit, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.“

Am Ende bleibt ein namhafter Professor, der für ein Buch einfach Teile aus der Wikipedia ohne Quellenangabe übernommen hat. Fragt sich, ob ein Student bei einem solchen Vorgehen in einer Hausarbeit auch mit „zutiefstem Bedauern“ davonkäme.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*