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Bei Burger King: „Team Wallraff“ recherchiert, Nutzer laufen Sturm

Nach „Team Wallraff“-Recherchen: Nutzer traten Shitstorm gegen Burger King los
Nach "Team Wallraff"-Recherchen: Nutzer traten Shitstorm gegen Burger King los

Am Montag zeigte RTL eine neue Folge der Reihe "Team Wallraff: Reporter Undercover". Diesmal recherchierten die Journalisten versteckt bei Burger King. Das Ergebnis: Bei einem der größten Franchise-Nehmer deckte das Team große Hygienemängel auf. Auf Facebook laufen die Kunden nun Sturm.

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RTL ist dabei, mit seinem „Team Wallraff“ eine neue Instanz des investigativen Journalismus zu schaffen. Nachdem es vergangene Woche beim RTL-Magazin „Extra“ einen Vorgeschmack gegeben hat, bei dem die Jungjournalistin Caro Lobig unter Anleitung von Günter Wallraff über fragwürdige Arbeitsbedingungen beim Web-Versandhaus Zalando berichtete, hat das Reporter-Team von „Team Wallraff: Reporter Undercover“ in dieser Woche die Fast-Food-Kette Burger King ins Visier genommen.

Wallraff schickte seinen Investigativ-Reporter Alexander Römer in die Filialen der Yiko-Holding GmbH, die im vergangenen Jahr rund 90 Burger-King-Filialen in Deutschland übernommen hat. Mit versteckter Kamera dokumentierte Römer kleine Hygiene-Mängel genauso wie grobe Verstöße. Darunter das Umetikettieren von Haltbarkeitsdaten bei geschnittenen Tomaten oder Salat oder das zu lange Aufbewahren von Burger-Fleisch. Zulasten gelegt wird das Yiko-Geschäftsführer Erol Yildiz, dessen Prämisse vor allem Profit zu sein scheint. Nichts, was dem Kunden noch untergejubelt werden kann, landet im Müll. Dieser Chef scheint schamlos und eiskalt zu sein. „Team Wallraff“ gelingt es sogar, einer Mitarbeiterin zu entlocken, dass sie nicht weiterempfehlen würde, für Yildiz zu arbeiten. Bei einer heimlichen Lebensmittelkontrolle, für die Reporter Römer in einer Filiale in Ratingen bei Düsseldorf Proben entnahm, ließen sich sogar Darmbakterien nachweisen.

Bereits während der Ausstrahlung der Sendung war klar: Die Recherche-Ergebnisse von Wallraffs Schüler werden ähnlich wie vor zwei Wochen beim Versandhändler Zalando hohe Wellen schlagen. Zwar präsentierte RTL seine Sendung am Montag wie gewohnt im Stil der Privaten – mit möglichst viel dramatischer Musik, vielen Kamera-Effekten und Experten, die das Unheil bestätigen. Trotzdem lassen sich die Beobachtungen und Dokumentationen nicht wirklich herunterspielen. Was für den Zuschauer am Montag nicht geschmeckt haben dürfte, wird für die Fast-Food-Kette in den kommenden Wochen nur schwer verdaulich sein. Vor allem auf den Facebook-Seiten des US-Konzerns verleihen Zuschauer und Kunden ihrer Empörung nun Ausdruck.

Nutzer treten Shitstorm los

Der Facebook-Auftritt von Burger King Deutschland hat etwa 640.000 Fans. Dort sammeln sich seit Montagabend hunderte, vielleicht schon tausende Kommentare, die sich zum Einen über die Missstände bei Burger King aufregen und zum anderen Fragen nach Burger-King-Kontrollen aufwerfen. Unter dem aktuellen Posting des Konzernes, das erstaunlicherweise vom 23. April dieses Jahres ist, sammeln sich derzeit mehr als 700 Kommentare, die meisten davon voller Empörung.

Die Kommentare in der Timeline direkt dürften in die Tausend hineinreichen.

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Derweil entwickeln sich die Wallraff-Recherchen für den Konzern auch zum internationalen Problem. Die Zuschauer haben nämlich auch die Facebook-Seite der US-Filialen entdeckt. Unter dem aktuellen Beitrag „Love is infinite“ („Liebe ist unendlich“) haben die Negativ-Kommentare einen ganz besonders bitteren Beigeschmack.

Mehrfach kommentieren die Nutzer nicht nur in deutscher und englischer Sprache, was sie gesehen haben, sondern teilen auch den Link zur RTL-Mediathek, wo der Beitrag gratis abgerufen werden kann.

Keine Krisen-PR? Burger King lässt auf Reaktionen warten

Mit Reaktionen hält sich die Burger-Kette derzeit noch zurück. Dort hofft man wohl, dass der Shitstorm von alleine verweht. Von Krisen-PR ist weder auf der deutschen noch auf der US-Seite etwas zu sehen. Dabei haben die Zalando-Recherchen von RTL gezeigt, dass die Welle der Empörung durchaus anhalten kann. Genauso wie die Zuschauer liefen auf die Gewerkschaften Sturm gegen das Unternehmen. Nachdem Zalando sich mit einer Anzeige gegen die recherchierende RTL-Reporterin wehren wollte, hat sich nun auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Ob Burger King ähnlich offensiv und aggressiv gegen RTL vorgeht oder sich weiterhin bedeckt hält, wird sich zeigen. Für RTL ist „Team Wallraff“ auf jeden Fall ein Image-Erfolg. Mit seinen Recherchen verschafft sich der Sender eine neue Relevanz in Sachen investigativer Journalismus und beweist Mut und Unabhängigkeit, wenn Sender-Chef Frank Hoffmann seine Reporter auf Anzeigenkunden ansetzt. Die Burger-King-Folge vom Montag holte in der jungen Zielgruppe den Tagessieg. Von den 14- bis 49-Jährigen schalteten 1,94 Millionen ein (Marktanteil von 15,8 Prozent). Insgesamt saßen am Montag 3,79 Millionen Menschen vor dem Fernseher.

Yildiz nicht zum ersten Mal in der Kritik, FR Online veröffentlicht Liste mit seinen Filialen

Die Filialen der Yiko Holding stehen nicht zum ersten Mal in der öffentlichen Kritik. Nach der Übernahme von 91 Burger-King-Restaurants im vergangenen Jahr berichteten Medien über Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte. Der Vorwurf damals: höhere Gewinne durch niedrigere Löhne. So ignorierte Yildiz tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen, kündigte Mitarbeitern, die neue Uniformen nicht tragen wollten oder bezahlte Betriebsräte nicht, wenn sie als Arbeitnehmervertreter unterwegs waren. Bereits damals veröffentlichte die Frankfurter Rundschau Online eine Liste mit den von Yildiz übernommenen 91 Filialen. Auch diese erfährt nach „Team Wallraff“ nun erneut Aktualität und Prominenz im Netz.

Update, 13.15 Uhr: Mittlerweile hat Burger King auf den RTL-Bericht reagiert und eine Stellungnahme abgegeben.

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