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Nach Tarifeinigung: Gewerkschafter spricht von „Tagen des Zorns“

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Nach der der Tarifeinigung für Zeitungsredakteure herrschten in den Redaktionen der Republik "Tage des Zorns", schreibt Wolfgang Grebenhof im Blog des Journalistenverbandes DJV. Die Gemütslage der Kollegen bewege sich "zwischen Ernüchterung, Resignation und blanker Wut". Wut auf die Verleger, aber auch Wut auf die Gewerkschaften. Die aber, legt Grebenhof nahe, sei nicht angebracht.

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Grebenhof ist Mitglied im Bundesvorstand des DJV und seit 25 Jahren Redakteur der Frankischen Landeszeitung. „Ich bin privilegiert“, schreibt er in seinem Beitrag – weil nach der Einigung vor allem Berufseinsteiger künftig Abstriche gegenüber den Konditionen machen müssen, die neuen Redakteuren früher gewährt wurden.

Grebenhofs Beitrag ist insofern interessant, weil er einerseits kurz und knapp gegen die Verleger schießt, andererseits aber die Strategie des DJV in den Verhandlungen verteidigt. Was die Verleger angeht – denen unterstellt Grebenhof, der auch Betriebsrat seiner Zeitung ist, „Kaltblütigkeit“. Denn sie teilten ihren Angestellten indirekt mit: „Eure Arbeit ist uns nicht mehr wert, sondern weniger.“ Grebenhof bezieht sich auf die aus Sicht der Redakteure moderate Lohnerhöhung – 4 Prozent in zwei Schritten über 29 Monate verteilt – und einen Rückgang von Urlaubsgeld und Jahresleistung um 0,25 auf 1,5 Monatsgehälter. Wegen einer Dehnung der Berufsjahresstaffel werden nächsthöhere Gehaltsstufen künftig später erreicht.

„Verraten und verkauft“ hätten die Gewerkschaften darum ihre Mitglieder – so oder so ähnlich hat es Grebenhof jedenfalls von „enttäuschten“ Kollegen gehört. Der DJV-Mann schreibt selbst über „erhebliche Opfer“, die von den Arbeitnehmervertretern gebracht worden seien. Aber: diese Opfer seien zugunsten des Solidaritäts-Prinzips erbracht worden. Und das Prinzip heißt konkret: Flächentarifvertrag. Grebenhof: „Wäre der Flächentarif geplatzt, wären künftige Berufsanfänger schutzlos den Naturgewalten in Form von Arbeitgeber-Willkür ausgeliefert.“

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So gelesen, geht der Beitrag weniger gegen das Ergebnis und die Position des BDZV (die Kritik ist eh eingepreist), sondern gegen aufgebrachte Kollegen, die ihre Besitzstände bedroht sehen. Mit einer Haltung gegen den Flächentarif „könnten wir den Laden ‚Gewerkschaft‘ bald zusperren“, findet Grebenhof. Denn die Vorstellung, mit einem Haustarif fahre eine Redaktion besser, sei falsch. Als Beispiele nennt er Verhandlungen bei den Verlagen von Schwarzwälder Bote, Mittelbayerische Zeitung und Würzburger Mainpost.

Grebenhof folgt einem alten Prinzip, das nach Verhandlungen folgt, die keinen klaren Sieger oder Verlierer hervorgebracht haben – und nach denen jede Seite glaubt, schlechter als der andere Verhandlungspartner weggekommen zu sein. Demnach gilt es dann besonders, nicht das Ergebnis pauschal schlechtzureden – und damit die eigenen Leute, die das Ergebnis erzielt haben. Sondern es gilt, die eigenen Reihen wieder zusammenzubringen. Damit aus „Tagen des Zorns“ nicht „Jahre der Verzweiflung“ werden.

Eins scheint nach dem Verlauf der Verhandlungen und dem Ergebnis deutlich zu werden – den Flächentarif aufrecht zu erhalten, wird bei der nächsten Tarifrunde zu einem Kunststück. Und: die Spreizung zwischen Anspruch und Wirklichkeit für Berufseinsteiger wird immer größer.

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