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Bittere Flattr-Bilanz der taz: Häme bringt die meiste Kohle

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Eigentlich war Flattr mit idealistischen Zielen gestartet. Der eingebundene Flattr-Button auf Websites sollte Leser dazu animieren, für Beiträge im Internet freiwillig zu zahlen. Als eines von wenigen Medien-Unternehmen nutzt die taz den Flattr-Button auf der eigenen Website und zieht nun eine bittere Bilanz. Erstens: Die Spenden-Willigkeit der Leser sinkt deutlich ab. Und zweitens: Wenn freiwillig gezahlt wird, dann eher für Häme und Schadenfreude anstatt für aufwändige Recherche.

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Flattr: Der Button für Häme und Schadenfreude„, ist der Text im tazblog überschrieben, der sich mit der Flattr-Bilanz von taz.de für den Monat März befasst. Autor Sebastian Heiser lässt keinen Zweifel daran, was bei den taz.de Lesern, die Flattr nutzen, besonders gut ankommt: „Unsere Leser klicken auf den Flattr-Button, wenn es im Artikel gegen die Lieblingsfeinde unserer Leser geht. Und je deftiger wir austeilen, desto klicker. Das erkennt man in seiner reinsten Klarheit bei Platz 1, wo es unsere Leser offenbar sehr freut, dass es mal einer den Urheberrechts-Verantwortlichen bei der SPD so richtig zeigt. Aber auch Artikel gegen den deutschen Volksmob, gegen die AfD und natürlich gegen Uli Hoeneß kommen gut an. Auf taz.de ist Flattr kein Button, mit dem unsere Leser den besten Journalismus unterstützen, sondern es ist ein Button für Häme und Schadenfreude.“

Und nicht nur das. Auch die Höhe der Flattr-Einnahmen sinkt. Im März nahm die taz mit Flattr nur 778,15 Euro ein, 1.269 mal wurde auf den Button gedrückt. Im April 2011, als die taz mit Flattr startete, klickten Leser 4.849 mal auf den Bezahlen-Knopf und die taz erlöste im Premieren-Monat netto knapp 1.500 Euro. Dieser Wert ist laut tazblog bis zum Oktober 2012 stetig gesunken, bis auf 575 Euro im Monat. Dann begann taz.de damit, Layer mit der Aufforderung bitte zu bezahlen über die Artikel zu legen. Die Maßnahme wird selbst im tazblog als „nervige Layer-Werbung“ bezeichnet.

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Die Kampagne mag nervig sein, hatte aber zunächst Erfolg: Die Einnahmen via Flatter seien plötzlich wieder auf 1.150 Euro netto gestiegen. Allerdings nur, um danach wieder kontinuierlich abzusinken. Doch selbst, wenn die Flattr-Erlöse auf dem Start-Niveau geblieben wären – 1.500 Euro pro Monat können für eine Redaktion keine Geschäftsgrundlage sein. Flattr liest sich auf dem Papier wie eine tolle Sache: Leser honorieren freiwillig den Aufwand einer Geschichte, nachdem sie sie gelesen haben. Der Tonfall der aktuellen Flattr-Bilanz bei der taz ist aber ernüchtert. Honoriert werden nicht Aufwand und Qualität, sondern die Bestätigung von bereits gefassten Anschauungen und Meinungen.

Und selbst dann ist das Häme-Honorar, das via Flattr reinkommt, zum Leben deutlich zu wenig. Dieser Befund bestätigt, was man bereits ahnte: Flattr taugt höchstens als kleines Zubrot für private Blogger oder Web-Publizisten, nicht aber als allgemeines Online-Bezahlmodell.

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