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#Sklavando: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen RTL-Reporterin

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Zalando ist nicht Amazon. Anders als der US-Konzern, der sehr lange brauchte, um vor Jahresfrist auf eine kritische ARD-Reportage zu reagieren, schaltete der deutsche Web-Riese nach dem RTL-Undercover-Stück vom Montag längst in den Krisen-Modus. Folge der Gegenoffensive: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die RTL-Reporterin.

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Nach verdeckten Recherchen beim Online-Modehändler Zalando hat die Erfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen gegen eine RTL-Reporterin aufgenommen. Die Journalistin hatte drei Monate im Erfurter Zalando-Logistikzentrum gearbeitet.

Die RTL-Reporterin Caro Lobig – unterstützt durch Undercover-Urgestein Günter Wallraff – hatte sich drei Monate lang als Mitarbeiterin in ein Zalando-Lager in Erfurt eingeschleust. Der Vorwurf: Gängelung, Bespitzelung von Mitarbeitern und sogar offenkundige Verstöße gegen das deutsche Arbeitsrecht.

Gegen die Journalistin werde nach einer entsprechenden Anzeige von Zalando ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage der dpa. Das Verfahren stehe noch am Anfang. Dem entgegnete ein RTL-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt, dass man den juristischen Schritten gelassen entgegen sehe.
Eine Zalando-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Die Darstellung des Berichts entspreche in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an den Zalando-Logistikstandorten.

Laut der Unternehmenssprecherin hat die Journalistin drei Monate lang im Logistikzentrum in Erfurt Filmmaterial interner Prozesse gesammelt. Zalando habe vor dem Fernsehbericht keine Chance zur Stellungnahme bekommen. „Unsere Reporter werden weiter verfolgen, ob die von Zalando angekündigten Überprüfungen zu Veränderungen geführt haben“, sagte ein RTL-Sprecher. „Darüber berichten wir weiter.“

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Ähnlich wie beim Fall ARD-Amazon-Reportage schwappte sofort eine Empörungswelle durch das Web. Auch ein passender Hashtag war „#Sklavando“ schnell gefunden. Anders als der US-Konzern, ging Zalando sofort in die Offensive und schaltet bereits am Dienstag in den Krisen-Kommunikationsmodus. “Liebe Follower, auch wir sind über den Beitrag erschüttert. Wir setzen uns kritisch mit dem eigenen Unternehmen auseinander und nehmen die Vorwürfe sehr ernst”, heißt es in einem aktuellen Facebook-Beitrag. Zudem wurde eine Seite speziell für das Thema aufgemacht. Dort heißt es: “Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten.” Dazu zitiert man eine Umfrage, wonach 88 Prozent der Mitarbeiter ihre Tätigkeit “Spaß” mache.

Aber nicht nur mit der Reporterin beschäftigen sich staatliche Stellen. Thüringer Datenschützer wollen nun den Umgang mit Mitarbeitern in dem Zalando-Logistikzentrum überprüfen. Es solle herausgefunden werden, wer beim Unternehmen auf welche Daten Zugriff habe und wofür diese Informationen genutzt würden, sagte der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse der Thüringischen Landeszeitung. Damit muss sich auch der Versandriese, der möglicherweise kurz vor einem Börsengang steht unangenehme Fragen stellen lassen.

In einem Kommentar spricht Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock deshalb auch schon von einer „lose-lose-Situation“. (ax/dpa)

 

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