Anzeige

Drei neue Medienprojekte wollen das digitale Lebensgefühl erklären

dasfilter.jpg
Trendforscher mit Hang zum Akademischen: Logo von Das Filter

Die Digitalisierung beflügelt junge Medienmacher. Gleich drei neue Projekte versuchen sich an der Darstellung eines digitalen Lebensgefühls. MEEDIA hat sie sich angeschaut.

Anzeige
Anzeige

Das Filter ist ein Netzmagazin von Mitarbeitern der De:Bug (die gerade einen Käufer sucht). Ziel: Das Rauschen im Netz filtern. Themen sind Medien, Kultur, Technik, Diskurse, Stil. Die Macher wollen eine „Plattform für Kultur und Gesellschaft der Gegenwart“ aufbauen. Die Bilder sind groß, die meisten Inhalte aus dem Netz kuratiert und knapp besprochen. Die Website sieht gut aus, ist aufgeräumt und sagt seinen Lesern: Hier seid ihr angekommen bei der Netz-Avantgarde. Der Grundton ist elitär-sophisticated.

Web-Magazin Das Filter

Eher platt kommt dagegen der Berliner Melder daher, ebenfalls eine gerade gestartete Website. Der Melder sieht sich als „Zeitgeistmagazin“, obwohl der Begriff Zeitgeist ja eigentlich schon nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Anders als die ein wenig ins akademische Fach tendierenden Filter-Kollegen haben die Macher des Melders keine Angst, von ihren (noch eher knapp bemessenen) Inhalten als der „täglichen Portion digitales Junk-Food“ zu schreiben. Sex im Netz geht gut als Thema beim Berliner Melder, aber es darf offenbar auch mal ein Stück über Cindy Sherman, die „Großmutter des Selfies“, sein.

Online-Zeitgeistmagazin Berliner Melder

Ein Magazin für den „digitalen Aufbruch“ haben die Macher des t3n-Magazins entwickelt. Nicht im Netz (da gibt’s nur ne Abomarketing-Seite), sondern als gedrucktes Magazin, bzw. als E-Paper. Mag das Internet-Magazin nach einer Umpositionierung eingestellt werden – die Hannoveraner, die seit zehn Jahren als ein unabhängiger Verlag arbeiten, wollen mit der Zeitschrift Neustart „ein Experiment wagen“. Ziel: „Es geht um einen neuen positiven, aber reflektierten Umgang mit dem Netz.“ Das Ergebnis ist eine Art Wired „light“ – kann man alles machen, aber so richtig zwingend ist die Erstausgabe nicht.

Anzeige

Neustart Magazin Werbekampagne

So unterschiedlich die drei Projekte angelegt sind, so ähnlich sind sie sich auch wieder, wenn es um die Haltung geht. Und die heißt knapp: Wir bringen euch, liebe Leser, das digitale Lebensgefühl, das ihr ja im Alltag verinnerlicht habt. Wir verstehen, wie die digitale Gesellschaft funktioniert, bzw. wir wollen es gerne verstehen. „Wir Deutschen fürchten die Digitalisierung“, heißt es an einer Stelle in Neustart. Der Subtext lautet: Die Deutschen mögen sie fürchten, wir aber nicht.

Während die beiden Web-Projekte jeweils auf ihre Art darauf ausgelegt sind, zu zeigen, was im Netz gerade passiert und welche Trends es dort gibt, wird im gedruckten Heft an einer ganzen Reihe von Stellen das Spannungsverhältnis zwischen alter und neuer Welt ausverhandelt. Das geht schon bei der Titelgeschichte zu dem „Spaßrapper“ Mc Fitti los: „Nein Mama, Hashtags sind keine Drogen!“

Auffällig ist, wie sich Medienmacher, die sich mit Technologie und Internet beschäftigen, offenbar immer wieder der einen Sache vergewissern müssen: „Die Digitalisierung dringt in immer mehr Lebensbereiche ein.“ Doch diese These ist freilich schon seit einigen Jahren zur Banalität geschrumpft. Insofern ist auch der Name Neustart etwas unglücklich gewählt: denn was die Digitalisierung betrifft, stecken wir schon mitten drin.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*