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In der Not kommen die besten Ideen: Abendzeitung erhöht ihren Preis

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Ganz schön billig: Werbemotiv für die Abendzeitung München

Die Abendzeitung München erhöht Ende April ihren Verkaufspreis von 60 Cent auf einen Euro, am Wochenende auf 1,20 Euro. Motto der Werbekampagne: "Wir verkaufen uns nicht mehr unter Wert". Vor sechs Wochen musste das Blatt einen Insolvenzantrag stellen. Insolvenzverwalter Axel Bierbach sieht Chancen auf eine Rettung, wenn die AZ sich als "hochwertige Stadtzeitung" verkaufe.

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Seit 2002, sagte Insolvenzverwalter Bierbach der Süddeutschen Zeitung, seien die Preise nicht erhöht worden. Mit jeder verkauften Ausgabe habe der Verlag bisher 30 bis 40 Cent Verlust gemacht. Nun ist bekannt, dass der Zeitungsmarkt in München ähnlich wie der in Berlin hart umkämpft ist. Wie absurd aber in den vergangenen Jahren vor allem die Logik der Großstadtzeitungen funktionierte, lässt sich nun am Beispiel der AZ trefflich nachvollziehen.

Ein Blatt, das sich heute noch unter Marktpreis verkauft, vermutlich aus der Furcht, sonst weiter an Reichweite und damit an Werbeumsätzen zu verlieren, kann eigentlich auch gleich dichtmachen. Die Annahme, eine Zeitung müsse in der Gegenwart weiter Kompromisse eingehen, um in der Zukunft keine Leser zu verlieren, geht in die Pleite. Anders formuliert: Wer heute und in Zukunft eine Zeitung abonniert, will Qualität und ist dafür auch bereit, zu zahlen. Ein Massenmedium werden die meisten Zeitungen allerdings nicht bleiben, jedenfalls nicht auf Papier.

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Den Lesern und Abonnenten aber, die weiter an Papier festhalten, muss einerseits etwas geboten werden, andererseits erklärt werden, warum diese Inhalte ihren Preis haben. Um dies zu verstehen und in eine Strategie umzusetzen, bedurfte es bei der AZ offenbar eines fachfremden Fachanwalts für Insolvenzrecht. „Wir werden nur noch Marktpreise akzeptieren“, sagt Bierbach. Was sich auch auf die Konditionen der Druckerei bezieht, an die die AZ gebunden ist. Bierbach konnte die Preise zuletzt um 50 Prozent reduzieren.

Der Insolvenzverwalter führt nun Gespräche mit „sieben bis acht Parteien aus dem süddeutschen Raum“. Er selber könne die Verluste von zehn auf etwa drei bis vier Millionen Euro im Jahr drücken. Den Rest aber müsse ein Investor besorgen, also den Schritt in die schwarzen Zahlen. Dies könne nur gelingen, wenn dieser investor eine Infrastruktur mitbringe, die wiederum der AZ Geld spare. Was auch heißt: Es müssen in jedem Fall Stellen abgebaut werden.

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