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Nach RTL-Doku: Zalando reicht Klage gegen Reporterin ein

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Amazon lässt grüßen: Das, was gerade dem Modeversand nach Ausstrahlung einer RTL-Doku widerfährt, erinnert stark an den Shitstorm, den der weltgrößte Versandhändler vor rund einem Jahr durchmachte. “Sklavando” skandieren einige Nutzer schon, immer mehr drohen mit Boykott. Zalando hat Anzeige erstattet.

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Die RTL-Reporterin Caro Lobig – unterstützt durch Undercover-Urgestein Günter Wallraff – hatte sich drei Monate lang als Mitarbeiterin in ein Zalando-Lager in Erfurt eingeschleust. Der Vorwurf: Gängelung, Bespitzelung von Mitarbeitern und sogar offenkundige Verstöße gegen das deutsche Arbeitsrecht. Die Empörung der Internetgemeinde ließ nicht lange auf sich warten. Doch im Gegensatz zu Amazon hielt Zalando nicht hinterm Berg.

Kurz nach der Ausstrahlung meldet sich Sprecher Boris Radke zu Wort.

Derweil erklärt das Unternehmen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Die Aufmerksamkeit nutzt derweil ver.di, um sich die Einführung von Betriebsräten und Tarifverträgen im Versandhandel stark zu machen.

Wirklich Fahrt nimmt der Shitstorm aber erst auf, als ein Name für den Vorfall gefunden ist: Sklavando

Längst ist die Welle der Empörung auch auf Facebook geschwappt: “Boykottiert zalando,diese bastarde quälen ihre Mitarbeiter,noch nicht mal sitzen dürfen und dann auch noch Sachen verkaufen wo giftige Chemikalien drin sind. Drecks laden”, schreibt ein Nutzer. “Drecksladen! Sklaventreiber! Arbeitslager-Mentalität! Euch gehört gekündigt, von GANZ oben”, schreibt ein anderer Nutzer. “Die gesamte geschäftsführer riege von Sklaventreibern sollte auf der stelle eingesperrt werden”, erbost sich ein Dritter.

„88 Prozent haben Spaß“

Im Laufe des Dienstages hat Zalando in den Krisen-Kommunikationsmodus geschaltet. “Liebe Follower, auch wir sind über den Beitrag erschüttert. Wir setzen uns kritisch mit dem eigenen Unternehmen auseinander und nehmen die Vorwürfe sehr ernst”, heißt es in einem aktuellen Facebook-Beitrag. Zudem wurde eine Seite speziell für das Thema aufgemacht. Dort heißt es: „Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten.“ Dazu zitiert man eine Umfrage, wonach 88 Prozent der Mitarbeiter ihre Tätigkeit „Spaß“ mache.

Doch die Empörung über die Arbeitsverhältnisse im Erfurter Lager will nicht abnehmen. Immer mehr Kunden erklären, künftig nichts mehr bei Zalando bestellen zu wollen. Mit Blick auf den Amazon-Shitstorm vom vergangenen Jahr dürfte sich Zalando noch einige Tage – wenn nicht sogar Wochen – auf ordentlich Gegenwind von Nutzern gefasst machen.

Update vom 15.4.2014, 17.14 Uhr: Wie das Handelsblatt berichtet, hat Zalando am 28. März Anzeige gegen die RTL-Reporterin wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen erstattet. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Erfurt. Lobig hat im Gegenzug zusammen mit ver.di eine Kündigungsschutzklage gegen Zalando eingereicht. Zur Sache hätte es auch bereits ein erstes Treffen gegeben.

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