Anzeige

Marketing-Prosa von Spiegel-Chef Ove Saffe

Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe
Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe

Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe hat an diesem Montag gleich zwei Interviews für die medieninteressierte Öffentlichkeit parat. Neues erfährt man weder in der werben & verkaufen, noch in der Süddeutschen Zeitung. Das Bemerkenswerteste ist, dass sich Saffe so ausführlich zu redaktionellen Belangen äußert. Und dass er Analogien zum Rotlicht-Milieu für die Spiegel-Gruppe als angemessen erachtet.

Anzeige
Anzeige

Ove Saffe, der Geschäftsführer des Spiegel Verlags, äußert sich zur Layout-Reform, die am 5. Mai zu besichtigen sein wird (“Das Erscheinungsbild wird sanft renoviert und soll die Inhalte noch besser wirken lassen.”). Der Geschäftsführer äußert sich zum leicht verunglückten Projektnamen Eisberg, der die neue Digital-Strategie des Hauses bezeichnet (“Der Name ist vielleicht missverständlich. ‘Eisberg’ ist der interne Arbeitstitel für die Neukonzeption des digitalen Spiegel. Er soll ausdrücken, dass das, was wöchentlich im Spiegel erscheint, nur die Spitze des Eisbergs ist.”). Der Geschäftsführer äußert sich zum Selbstverständnis von Spiegel Online (“Spiegel Online ist die wichtigste Nachrichtenseite im deutschsprachigen Web. Diese Position wollen wir halten. Wir werden die Seite sowohl journalistisch als auch technologisch weiterentwickeln.”).

Merken Sie was: Ove Saffe redet relativ viel, ohne was zu sagen. Sprüche wie “werden die Seite sowohl journalistisch als auch technologisch weiterentwickeln” oder “… soll die Inhalte noch besser wirken lassen” wirken wie aus dem Phrasen-Brevier für Medienmanager entsprungen. Sie passen immer und nie zugleich. Sie verschleiern das süße Nichts. Vor allem aber fragt man sich als Leser: Wieso nimmt nicht Chefredakteur Wolfgang Büchner zu solchen Fragen Stellung, sondern der Geschäftsführer?

Aber halt! Chefredakteur Büchner hat ja auch schon mal so ein Interview gegeben, und zwar der FAZ. Darin sagte er Sätze wie: “Wir haben den Spiegel und Spiegel Online – und wollen, dass sie sich gegenseitig stärken.” Sein Geschäftsführer Saffe sagt nun in der SZ: “Der Erfolg des Spiegel hilft Spiegel Online und umgekehrt.” Wolfgang Büchner in der FAZ: “Die verkaufte Auflage des digitalen Spiegel liegt bei 50.000 Exemplaren, wir haben im Jahr 2013 fünf Millionen Euro Umsatz erreicht. Aber ich bin sicher: Da geht mehr!” Ove Saffe aktuell in der SZ: “Zurzeit gewinnen wir 10.000 neue Nutzer im Jahr. Wir sind sicher, da geht noch mehr.”

Da geht offensichtlich was. Nämlich “mehr”. Der Geschäftsführer und sein Chefredakteur sprechen mit einer Zunge. Das muss per se nichts Schlechtes sein, wenn sich die Geschäftsführung und die Chefredaktion einig sind. Aber wieso wird man das blöde Gefühl nicht los, dass diese Aussagen nichts mehr sind als abgezirkelte Marketing-Prosa? Dass hier jeder Satz so oft gespült wurde, bis alles Lebendige, alles Interessante weg ist?

Anzeige

Dazu passt auch folgende Aussage von Spiegel-GF Saffe in der SZ: “Auch ich empfinde es als skandalös, dass solch vertrauliche interne Themen in die Öffentlichkeit kolportiert wurden.” Er meint die Querelen um die Ablösung von Büchners Vorgängern Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, die zuerst im Hamburger Abendblatt zu lesen waren. Wer in aller Welt, wenn nicht der Geschäftsführer des Spiegel, sollte Verständnis dafür aufbringen, dass Medien auch mal was berichten, was nicht mit dem offiziellem Stempel von der Geschäftsführung abgesegnet wurde? Dass Saffe es “skandalös” findet, dass Medien interessante Interna ausplaudern, sagt viel über das journalistische Verständnis dieses Geschäftsführers aus. Man würde sich an dieser Stelle mehr Souveränität wünschen. Das Ausplaudern von Interna ist immerhin die Geschäftsgrundlage des Spiegel.

Die SZ fand dann noch eine lustige Analogie: “Spiegel Online soll die Rampe in die Bezahlwelt sein, so wie der Koberer auf der Reeperbahn Kunden in die Clubs zieht?” Darauf antwortet der Spiegel-GF: “So muss man sich das ungefähr vorstellen.” Ove Saffe hat also kein Problem damit, wenn man seinen Laden mit einem Stripclub auf der Reeperbahn vergleicht. Und Spiegel Online ist der “Koberer”. Schon klar.

Wir fassen zusammen: Spiegel Online und der gedruckte Spiegel sollen sich irgendwie besser abstimmen, was ja angeblich irgendwie auch schon super läuft. Der Spiegel soll irgendwie Qualität liefern. Anderen Medien sollen schön die Klappe halten und möglichst keine Interna vom Spiegel ausplaudern. Dann kann Spiegel Online in aller Ruhe die Leser ankobern, damit ihnen im “Amüsierlokal” Spiegel-Digital überteuerte Waren angedreht werden. So läuft das schließlich beim Ankobern. Und dann wird’s schon klappen. Irgendwie.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*