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Schumi-Berichte: Bild „fair“, Focus.de „hanebüchen“

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Es war die wohl seltsamste Jauch-Sendung des Jahres: Der ARD-Talk beschäftigte sich mit dem Zustand von Michael Schumacher, und wie die Medien mit seinem schweren Unfall umgehen: Vermeintlicher Erkenntnisgewinn nach 60 Minuten: Jauch nutzt die Sendung auch in eigener Sache, um der Regenbogenpresse einen mitzugeben, die Bild konnte sich als verantwortungsvolle Redaktion darstellen, und Focus Online bekam von Schumacher-Sprecherin Sabine Kehm die Leviten gelesen.

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Die gesamte Sendung fand einer gefühlten Zwischenwelt statt. Unabhängig von der Frage, ob die Situation in der Ostukraine nicht das doch relevantere Thema gewesen wäre, war das Saalpublikum diesmal sehr leise. Es wurde kaum geklatscht. Die Gäste agierten fast ohne Interaktion. Nicht ganz unschuldig daran war auch Jauch selber, der es zum Schluss fast aufgab, noch an der Debatte teilzunehmen.

Davor zeigte sich der Moderator allerdings ungewöhnlich persönlich involviert. Zur Hälfte der Sendung lenkte der Talkmaster die Diskussion auf das Vorgehen der Yellow-Press. Einer der Macher von Topfvollgold erklärte kurz, wie die Klatschpresse mit dem Fall Schumacher umgehen würde. Pikant dabei: Kaum ein TV-Profi kämpft so verbissen gegen diese Pressegattung wie Jauch.

Und tatsächlich ließ es sich der Talkmaster dann auch nicht nehmen, in eigener Sache die Klatschblätter zu geißeln. Sein Beispiel war ein Bericht über Schlaglöcher vor seiner Villa in Potsdam. Twitter-Kommentar des ehemaligen Stern-Chefredakteurs Andreas Petzold: „Jetzt wird es peinlich: #jauch inszeniert sich selbst als Medienopfer. Wie war das noch mir der journalistischen Distanz…?“

Weitere Twitter-Reaktionen ärgerten sich vor allem grundsätzlich über das „weiche“ Thema und die Zusammenstellung der Runde. So war die Rede davon, dass Jauch jetzt „lanzt“ und dass „stern TV jetzt in der ARD läuft“. Den Quoten tat das unpolitische Thema gut. Die Talkshow sahen 5,68 Millionen. Das entsprach einem Marktanteil von 19,4 Prozent. Nur einmal erreichte Jauch im bisherigen Jahr 2014 mehr Zuschauer: Anfang März mit der Sendung zu “Der Prozess – Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis?”.

Statt um Vorstadt-Schlaglöcher sollte es eigentlich um Michael Schumacher, seinen Gesundheitszustand und den Umgang der Medien mit den raren, vorhanden Informationen gehen. Zu Gast waren unter anderem die Sprecherin des Ex-Rennfahrers, Sabine Kehm, und der ehemalige Bild-Vize und aktueller Sportbild-Chefredakteur Alfred Draxler.

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Die erste überraschende Erkenntnis: Draxler erklärte, dass die Bild in Sachen Schumacher „verantwortungsvoll“ berichtet hätte (an dieser Stelle jedoch noch einmal an diese Story erinnert) Wie reagiert die Schumi-Sprecherin darauf? Sie gibt dem Boulevard-Profi recht und bescheinigt, dass seine Redaktion insgesamt ein „faires Medium“ gewesen sei. Anders als die „sogenannten seriösen Medien“, deren Online-Ableger nur vom Ruf des Mutterblattes leben würden.

Konkret meinte sie damit Focus online und dessen Live- bzw. Newsticker. Dieser liefere „jeden Tag ‚Fakten‘ in Anführungsstrichen“. Diese hätten aber das Problem, dass es an manchen Tagen einfach nichts zu berichten gibt. „Und dann wird irgendwas ausgegraben, was teilweise, muss ich leider sagen, sehr hanebüchen ist“. Das besondere Problem dabei: Diese Infos würden dann wiederum von anderen Medien übernommen werden.

Focus.de
Die Startseite von Focus.de während der Jauch-Talkshow

Besonderer Clou an dem Focus-Online-Bashing: Die Jauch-Sendung war sofort Aufmacher des Nachrichtenportals. Im Minutentakt wurde die Talkrunde live mitgetickert. Nur die Kritik an der eigenen Arbeit sparte die Redaktion erste einmal aus. Allerdings wurden sie später nachgepflegt.

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