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„Der etablierte Journalismus ist mittlerweile einfach total korrupt“

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Spiegel-Reporterin Susanne Koelbl

Die Spiegel-Reporterin Susanne Koelbl hat am Donnerstag den von Reemtsma ausgelobten Liberty Award gewonnen. Der Preis geht an Auslandskorrespondenten. Den Organisatoren war ein Coup gelungen - die Keynote hielt der Journalist Glenn Greenwald. Er sagte, die Natur des Journalismus sei der Widerspruch: "Journalismus hat nur einen Wert, wenn er den Mächtigen gewachsen ist."

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Der US-Journalist, der die NSA-Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden im Guardian veröffentlicht hat, ist erstmals seit seiner Entscheidung, nach Brasilien zu ziehen, wieder in Europa. In seiner Rede forderte er Regierungen auf, den seit einer Weile in Moskau lebenden Snowden vor Verfolgung durch US-Behörden zu schützen. Sie hätten schließlich von den Enthüllungen profitiert.

Damit gemeint ist vor allem auch die deutsche Regierung. In einem Interview mit der Süddeutschen sagte Greenwald, kein Land habe so von den Enthüllungen profitiert wie Deutschland. Nun müsse die Regierung ein Opfer bringen und dem NSA-Whistleblower Asyl gewähren, auch wenn das die deutsch-amerikanischen Beziehungen kurzfristig belaste. Alles andere wäre „armselig“. Greenwald, der mittlerweile nicht mehr für den Guardian, sondern für das Onlineportal The Intercept arbeitet, teilte auch gegen US-Medien aus. Die seien inzwischen „extrem nationalistisch“, wollten nur noch die Botschaft der Mächtigen verbreiten. Statt Wikileaks zu feiern, werde dessen Gründer Julian Assange verfolgt: „Der etablierte Journalismus ist mittlerweile einfach total korrupt.“

Unter den Auslandskorrespondenten, die für den Liberty Award nominiert waren, fühlte sich Greenwald aber ziemlich wohl.

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Wolfgang Bauer (freier Journalist, u.a. Zeit), Michael Obert (frei, u.a. SZ Magazin), Karin Steinberger (Süddeutsche Zeitung) und Susanne Koelbl (Spiegel) waren nominiert. Die Laudatio auf Preisträgerin Koelbl hielt Helmut Markwort. „Mit unermüdlichem Einsatz und differenzierten Analysen gibt Susanne Koelbl in ihren Reportagen seltene Einblicke in die Machtstrukturen diktatorischer Länder“, befand die Jury des von der Zigarettenfirma Reemtsma ausgelobten Preises.

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