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G+J investiert massiv in werbefinanzierte Bewegtbild-Inhalte

G+J Digitalchef Stan Sugarman
G+J Digitalchef Stan Sugarman

"Wir haben noch nie so viele Produkte in einem Jahr gemacht", sagt Stan Sugarman über die digitalen Entwicklungsprojekte von Gruner + Jahr. "Wir morphen uns zu einem anderen Haus der Inhalte". Morphen? Gerade haben die Hamburger einen ganzen Schwung von Food-Videos produziert - das Geschäft mit der Vermarktung von Bewegtbildformaten soll schnell anlaufen.

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Die Hamburger haben bisher rund 150 Videos produziert und „einige hunderttausend Euro“ investiert, sagt Digital-Vizechef Arne Wolter. Die Videos werden je nach Ausrichtung auf den Webseiten von Brigitte, Chefkoch und Co. verteilt. Nach Food sind die Segmente Familie und Living&Style an der Reihe. Produziert wird inhouse und ohne Produktionsfirmen. So wird man als Verlag am Ende selbst zum kreativen Zerstörer.

Bewegtbild werde „integraler Bestandteil“ jeder Website. Das Ziel ist, „evergreene“ Inhalte zu produzieren, die sich anders als Nachrichteninhalte längerfristig vermarkten lassen, also mindestens über zwei bis drei Jahre. Etwa über vorgeschaltete Anzeigen, auch Presenterships genannt. Erste Zusagen gibt es von Weber Grill und Dr. Oetker. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgen bereits diverse Nutzwert-Videoseiten. G+J will sich im Wettbewerb über bessere Qualität durchsetzen. Die Produktion erfolge unabhängig von der Vermarktung nach rein redaktionellen Kriterien, heißt es auf Nachfrage.

Auch bei der Produktion von E-Magazinen sieht sich Digitalchef Stan Sugarman auf einem guten Weg. Bis Ende des Jahres sollen 100 Bezahl-Produkte in Apples App-Store verfügbar sein. Die Mutter aller E-Mags von Gruner ist Geo. Bei einem Pressegespräch war es Geo, das Sugarman noch einmal auf dem iPad präsentierte. „Wir brauchen bei Magazinen keine 1:1 Replikate“, sagt er. Das hieß es allerdings schon beim Launch des iPad. Heute lassen sich freilich multimediale E-Magazine günstiger produzieren als noch vor vier Jahren. Paradebeispiel ist die New York-App von Geo Spezial. Insgesamt 75.000 mal hätten sich Nutzer die Ausgabe gegen Bezahlung via Apple heruntergeladen.

„Wir glauben an Paid Content, aber nicht an Paywalls“, sagt Sugarman. Was er meint: die digitalen E-Magazine werden gegen gutes Geld verkauft. Die Zahlen zögen an, momentan stünde in Europa ein Einzelverkauf von mehreren Hunderttausend E-Magazinen auf der Erlösseite. Besonders gut funktioniere der Verkauf via App-Store von Apple. Sugarman: „Apple liebt G+J. Und G+J liebt Apple.“ Etwa eine Marke pro Monat will das Produkt-Team um Oliver von Wersch und Eva-Maria Bauch neu aufstellen. Auf Reichweite angelegte Digitalangebote, die auch und vor allem künftig mobil funktionieren, bleiben kostenfrei und sind nur auf Vermarktung angelegt. Neue mobile Angebote u.a. von Brigitte stehen kurz vor dem Start. Ebenso eine neue Chefkoch-App.

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Zweites Standbein neben redaktionell produzierten Inhalten sind digitale Zusatzgeschäfte. Bisher investierte G+J u.a. in Tausendkind, eine E-Commerce-Plattform für Kindermode, sowie in den kulinarischen Marktplatz Delinero. 400 Firmen habe sich Sugarman angeschaut, ob sie als Übernahmekandidaten taugen. Leitfrage: kann Gruner einen Mehrwert bringen? Bei den bisherigen Beteiligungen gelinge es, über G+J-Marken die Reichweite und die Nutzerschaft der Plattformen zu steigern. Neben Zukäufen soll intern entwickelt werden. Eine kommerzielle Plattform für Eltern werde spätestens Ende des zweiten Quartals gelauncht.

Das dritte Standbein neben Bezahlinhalten und Zusatzgeschäften ist mit einem Umsatzanteil am Digitalgeschäft von 96 Prozent (absolute Zahlen nennt das Unternehmen nicht) das wichtigste: die Werbevermarktung. Sie ist freilich eng an die angebotenen Inhalte geknüpft – die Vermarktung kann nur laufen, wenn Reichweite und/oder Qualität stimmen. Mit dem Performance-Vermarkter Ligatus mache man vor allem wegen einer internationalen Expansion gute Fortschritte. Die Margen wachsen in diesem wettbewerbsintensiven Markt aber nicht in den Himmel. Zugpferd ist die Premium-Vermarktung der Produkte, und da schnitten G+J-Titel besser ab als der Durchschnitt. Denn, glaubt Arne Wolter, „wir haben schönere und bessere Produkte“. Große Hoffnungen ruhen auf der Vermarktung von mobilen Seiten, hier ist der Vermarkter G+J EMS führend im Markt. Doch die zuletzt veröffentlichten Zahlen des Online-Vermarkterkreises zeigen freilich, dass die Basis in diesem Markt noch sehr niedrig ist.

So wichtig wie die Werbevermarktung ist und bleibt – bei Gruner wäre man froh, die Abhängigkeit ein wenig zu verringern, sagt Stan Sugarman. Als Sales-Chef darf er das sagen. Denn gleichzeitig sollen die Erlöse aller Standbeine ja steigen. Um das zu erreichen, braucht es freilich einiger Kraftanstrengungen. Schließlich kommen ja beispielsweise auf dem Feld der Bewegtbildanbieter nicht nur Wettbewerber aus den klassischen Medienhäusern. Neue Player machen den etablierten Inhalteproduzenten Konkurrenz. Ein geflügelter Ausdruck bei Gruner heißt „wir machen das ganz hands-on“, also hemdsärmelig, mehr aufs Machen ausgerichtet als auf das Planen. Das Versprechen muss man wohl beim Wort nehmen.

 

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