Anzeige

Im Patentprozess enthüllt: Apples Angst vor dem iPhone-Absturz

Steve Jobs:  Apple-Gründer und Techpionier
Steve Jobs: Apple-Gründer und Techpionier

Neue Einblicke ins Apple-Imperium: Im Rahmen des Patentprozess mit Samsung wurden neue Interna aus Cupertino publik, in denen hochrangige Apple-Manager davor warnen, gegenüber Android ins Hintertreffen zu geraten. In einer anderen, zuvor bekannt gewordenen Email rief Steve Jobs als Vermächtnis zu einem "Heiligen Krieg" gegen Google auf.

Anzeige
Anzeige

Es ist der Einblick, den sich Apple-Analysten wünschen: Einmal ein Strategiepapier des wertvollsten Konzerns der Welt in die Hände bekommen, wie Apple sich selbst, die Konkurrenz und vor allem die Zukunft sieht. Eine solche einmalige Gelegenheit hat sich nun im Zuge des zweiten Patentprozess mit Samsung ergeben: Steve Jobs’ letzter großer Ausblick auf ein neues Geschäftsjahr in Form einer E-Mail wurde von Anwälten des koreanischen Techriesen enthüllt.

Die E-Mail an das Eliteteam seiner wichtigsten hundert Führungskräfte („Top 100“) gibt detaillierter als jede Mutmaßung von Techbloggern, Journalisten und Analysten Einblick in Jobs’ große Projekte in seinem letzten Lebensjahr. Das Problem in der Aussagekraft: Sie datiert vom 24.Oktober 2010 – einer Zeit, in der Apple gerade das iPhone 4 auf dem Markt hatte.

2011 sollte „Heiligen Krieg gegen Google“ folgen

Steve Jobs adressiert in der auf das mehrtägige Top-100-Meeting vorbereitenden E-Mail eingehend die Strategie für 2011, das er zum Jahr der Cloud ausrief und vor allem zum „Heiligen Krieg gegen Google“ und dessen seinerzeit stark aufkommendes mobiles Betriebssystem Android aufrief. 

In der Rückschau betrachtet, kann man Jobs’ Vision durchaus als halben Misserfolg verbuchen: Der im kommenden Jahr vorgestellte MobileMe-Nachfolger iCloud hat bis heute seine Macken, während Google vor allem in den vergangenen zwei Jahren dank Android erstarkte.

Steve Jobs warnte vor dem „Innovator’s Dilemma“
Anzeige

Noch interessanter als der Ausblick auf eigene Produkte – Steve Jobs sprach analog zu seiner Andeutung in Walter Isaacsons Biografie von Plänen eines Apple TVs mit „einem Zauberstab“ und einem Abomodell für TV-Angebote von NBC, CBS, Viacom und HBO – erscheint indes das Eingeständnis eigener Schwachpunkte.     

So räumt Jobs eins, man müsse Android in mehreren Bereichen „einholen“. Noch interessanter: Jobs warnte vor dem „Innovator’s Dilemma“: Apple sei in Gefahr, zu lange an einem Paradigma festzuhalten – und damit in eine ähnliche Situation wie beim Macintosh in den 80er Jahren zu geraten.

iPhone könnte unter Druck geraten, „weil Kunden etwas wollen, was wir nicht haben“

Dreieinhalb Jahre nach Jobs’ E-Mail kann man durchaus sagen, dass die Sorgen nicht unberechtigt waren. Allein die Tatsache, dass Jobs Samsung nicht mit einem Wort erwähnte, dokumentiert, was sich in den vergangenen 40 Monaten getan hat, in denen die Koreaner vom Underdog zum Weltmarktführer auf dem Smartphonemarkt aufstiegen.  

Die Sorge, in diesem Jahr nachhaltig ins Hintertreffen zu geraten, wird aus einem weiteren Schriftstück deutlich, das Samsungs Anwälte ebenfalls im Patentprozess vorlegten. Eine Mail von Apples Sales-Team drückt die Besorgnis aus, dass die iPhone-Absätze 2014 nachhaltig unter Druck geraten könnten, „weil Kunden etwas wollen, was wir nicht haben“ – gemeint ist das ein größeres Smartphone.

Mehr noch: Marketingchef Phil Schiller gestand ein einer anderen Mail ein, wie gut ihm Samsungs SuperBowl-Werbung gefallen habe: „Sie ist ziemlich gut, und ich kann mir nicht helfen, dass sie das wissen (wie ein Athlet, der die Form hat), während wir damit kämpfen, eine überzeugendes Vorstellung des iPhones zu finden.“ Auch der zweite Prozess wirft die Frage auf, ob sich Apple mit der Bloßstellung einen Gefallen getan hat.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*