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Neuer Hamburg-Teil der Zeit: „Keine Kriegserklärung an das Abendblatt“

Lehnte die Anfrage der Spiegel-Gesellschafter nach reiflicher Überlegung ab: Giovanni di Lorenzo wechselt nicht von der Zeit in Hamburg
Lehnte die Anfrage der Spiegel-Gesellschafter nach reiflicher Überlegung ab: Giovanni di Lorenzo wechselt nicht von der Zeit in Hamburg

Endlich mal wieder ein großer Print-Neustart: In Hamburg erscheint die Zeit am Donnerstag zum ersten Mal mit eigenem Regionalteil für die Hansestadt. Im Interview mit der SZ erklärt Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, dass das Projekt zwar ein "Abenteuer" sei, der Umfang zum Start aber schon einmal von geplanten acht auf 15 Seiten erhöht wird.

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Als Zielgruppe haben die Strategen vom Speersort vor allem die Leser ausgemacht, die zwar gerne in der Elb-Metropole leben, aber nicht jeden Tag eine Regionalzeitung lesen wollen. Angeblich soll der Neuling aber „keine Kriegserklärung an das Abendblatt“ sein, „das hier der Platzhirsch ist. Wir sind gar nicht dazu in der Lage, den Lokalzeitungen Konkurrenz zu machen“, schränkt di Lorenzo ein.

Springer schaltet bereits in den Kampf- bzw. Abwehr-Modus

Springer scheint dies allerdings etwas anders zu sehen und schaltete bereits in den Kampf- bzw. Abwehr-Modus und wird künftig mit seinem Vertrieb nicht mehr dafür sorgen, dass bereits am Donnerstag in aller Frühe die Zeit in den Briefkästen der Abonnenten liegt. Es wäre auch zu lustig geworden, wenn das Abendblatt und der neue Konkurrent von dem selben Springer-Austräger geliefert wird. Die Wochenzeitung kommt jetzt später mit der Post.

Auch inhaltlich soll sich der neue Regionalteil von den Konkurrenten Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost, taz Hamburg, Bild Hamburg und Welt Hamburg abgrenzen. „Es geht bei uns nicht um die aktuelle Straßensperrung, die natürlich eine wichtige Funktion in der Lokalzeitung hat“, erklärt der Chefredakteur wenig überraschend. „Wir machen Geschichten, die eine Woche oder mehr überdauern“.  Zudem plant die Wochenzeitung eine – zumindest für hanseatische Verhältnisse – ungeheure Frechheit. Die Zeit will den Lesern nicht mehr „pausenlos“ sagen, „dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist. Das ist das Motto einiger lokaler Medien hier“. Das dürfte in Berlin, München und Frankfurt allerdings kaum anders sein.

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Auch online soll bei der Regionalausgabe eine Rolle spielen

Besonders interessant an dem Zeit-Ansatz dürfte allerdings werden, dass die Redaktion offenbar plant, aktuelles, dass es nicht mehr ins Blatt schafft, verstärkt online zu spielen. „Erst einmal noch mit bescheideneren Mitteln, vielleicht kann man das auch nach und nach ausbauen.“ Auch hier dürfte ein spannender Konkurrenzkampf mit Springer bzw. Funke ins Haus stehen. Immerhin setzen Abendblatt und Welt – im Gegensatz zur Zeit – auch im lokalen auf Bezahlschranken.

Um diese von di Lorenzo definierten Gelegenheits-Lokal-Interessierten zu überzeugen, ist der Verlag bereit, offenbar eine siebenstellig Summe zu investieren. Allerdings erwarten die Macher dafür auch etwas auf der Habenseite: „Wir würden uns schon freuen, wenn sich die Anstrengung übersetzen ließe in einen kleinen Auflagenzuwachs“ erklärt der Chefredakteur. „Natürlich muss sich das irgendwann rechnen, über Anzeigenerlöse und Verkäufe.“

Für die schönste Aktion zum Start der neuen Hamburg-Seiten, sorgte das alternative Stadtmagazin StadtlicHH. In eigener Guerilla-Sache brachten sie ihre Version der neuen Regionalseiten einfach eine Woche früher an den Kiosk – versteckt in der normalen Ausgabe der Wochenzeitung.

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